"Sprint" und "Jet" sind weder Motorräder noch Sportautos, sondern Kinderwagen. Die sind längst Statussymbole und Designerware geworden. Vielleicht sind sie sogar die besseren Autos.

Sie heißen Roadster, und so sehen sie auch aus: Kraftpakete auf drei Rädern, die durch den Park pflügen, als wären sie auf der Autobahn.

Trabi-Kinderwagen, Foto: ddp

Das waren noch Zeiten - unbeschwert, konsumlos: der Trabant als Kinderwagen. (© Foto: ddp)

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Sie glänzen mit Metallspeichenrädern und mit Feststellbremsen, mit 5-Punkt-Sicherheitsgurten oder individuell verstellbaren Rückenlehnen.

Und mittendrin quäken Kleinkinder. Der Spaziergänger reibt sich die Augen: High-Tech-Maschinen haben den gemütlichen Kinderwagen von einst ab- und das Versprechen der mobilen Gesellschaft für alle eingelöst.

Die Beschleunigung des Lebens beginnt, bevor der Mensch krabbeln kann. Wie sehr Design und Technik der Jüngsten mittlerweile aufgerüstet haben, erkannt man bereits an den Namen ihrer Schlitten.

Chromglänzende Seitenteile und tiefergelegte Chassis

Es muss schon ein "Sprint" sein oder ein "Jet", wenn Papa oder Mama mitsamt Nachwuchs über Stock und Stein düsen.

Lange lag er im Windschatten des Automobils, nun geht er als stromlinienförmiges Lifestyle-Produkt auf die Überholspur: Der Kinderwagen ist das definitive Distinktionsmerkmal.

Was auch immer Stylisten an Karosserien für die Großen entwickelten, erst der Kinderwagen hat sie en miniature adaptiert und vervollkommnet. Chromglänzende Seitenteile und tiefergelegte Chassis, Kotflügel oder Zierleisten - ganz wie es die Moden vorgaben.

Nichts aber hat die Entwicklung vom Weidenkorb zur Laufmaschine so beschleunigt wie die Gesellschaft selbst. Automobil und Kinderwagen sind Brüder im Geiste, Kraftfahrzeuge eben.

Kinderwagen als Drehzahlmesser

1860 erfindet Jean Joseph Étienne Lenoir den 3-Takt-Gasmotor, rund zehn Jahre zuvor brachte der Stellmacher Ernst Albert Naether das beräderte Kinderkörbchen auf den Weg.

Für Kultmarken wie Bugaboo gibt es längst begeisterte Fahrberichte in Online-Foren, wie man sie vor einigen Jahren nur Sportwagen zugetraut hätte.

Er "flitzt nur so durch den Verkehr, um die Kurven (mit einem minimalen Radius), durch die Supermarktkasse (schmaler als andere Wagen), in die S-Bahn (einfach hochzuheben) und in den Kofferraum", schwärmt ein Besitzer. Der Kinderwagen hat sich zum Drehzahlmesser unserer Zeit weiterentwickelt.

Klein, wendig und ungemein flexibel, das war das Erfolgsrezept des rund neun Kilo schweren Leichtgewichts Bugaboo Frog, der vor fast einem Jahrzehnt die Welt der Baby- und Kleinkinderwagen eroberte.

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