Oft zeigen sich unangenehme Effekte erst nach der Zulassung - der Pharmakologe Heiner Berthold über den sicheren Umgang mit Medikamenten.
Erst nach Jahren zeigen sich alle Nachteile: Zwar werden Medikamente vor ihrer Zulassung in klinischen Studien auf unerwünschte Effekte abgeklopft.
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Seltene Nebenwirkungen aber lassen sich - wie im Fall des Rheumamittels Vioxx - erst erkennen, wenn viele Patienten die Pillen geschluckt haben.
Der Geschäftsführer der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Heiner Berthold, sprach mit der SZ über die besonderen Risiken neuer Medikamente.
SZ: Müsste man das Wort "neu" nicht im Beipackzettel unter Risiken und Nebenwirkungen aufführen?
Berthold: Da ist durchaus was dran. Neue Arzneimittel haben immer ein verhältnismäßig schlechtes Sicherheitsprofil. Deshalb tragen die Packungen in Großbritannien als Warnzeichen ein schwarzes Dreieck. Das heißt, dass die Arznei noch unter genauerer Beobachtung steht. Auch in Deutschland wird in den ersten fünf Jahren besonderes Augenmerk auf neue Wirkstoffe gelegt. In dieser Zeit muss der Hersteller häufiger Sicherheitsberichte abgeben, und Fachkreise sollen das Mittel intensiver beobachten. Aber der Patient bleibt außen vor. Dabei ist er ja meist der erste, der etwas merkt.
SZ: Würden Sie denn als Patient grundsätzlich das alte Medikament nehmen, wenn es eins gibt?
Berthold: Nicht grundsätzlich. Es gibt zweifelsohne neue Arzneimittel, die besser verträglich sind als ihre Vorgänger. Dafür muss man aber neben dem Mangel an Erfahrungen mit den Risiken auch einen höheren Preis in Kauf nehmen.
SZ: Im Fall von Vioxx erwies sich vor allem die Langzeitanwendung als problematisch; sie war kaum getestet worden. Wäre es denn eine gute Idee, neue Medikamente regelmäßig zu wechseln? Berthold: Das ist theoretisch ein guter Gedanke. Aber es gibt bisher keine Datenbasis dafür, dass ein Wechsel zwischen den Präparaten die Sicherheit tatsächlich erhöht.
SZ: Nach wie vielen Jahren ist ein Medikament aus dem Gröbsten raus?
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