Indien Acht Frauen sterben bei staatlich organisierter Sterilisation

  • Bei einer Massensterilisierung in Indien sind nach Angaben der Regionalregierung acht Frauen gestorben.
  • 60 weitere Frauen wurden ins Krankenhaus gebracht, 24 von ihnen sind in lebensbedrohlichem Zustand.
  • Massensterilisationen sind Teil einer Kampagne, mit der Indiens Regierung das rasante Wachstum der Bevölkerung in den Griff bekommen will.

18 Euro für eine Sterilisation

In Indien sind nach Angaben der Regionalregierung acht Frauen nach einer Sterilisation in einem staatlichen Krankenhaus gestorben. Sie hätten sich der Operation im Rahmen eines Progamms zur Familienplanung im Dorf Pendari im Bundesstaat Chhattisgarh unterzogen, berichtete der Sender NDTV. Die Frauen erhalten als Belohnung umgerechnet 18 Euro. 60 Frauen wurden nach dem Eingriff im Krankenhaus behandelt - davon schweben 24 Frauen in Lebensgefahr.

Insgesamt seien am Samstag innerhalb von fünf Stunden 83 Frauen im Krankenhaus Nemi Chand in der Stadt Bilaspur sterilisiert worden, heißt es in dem Bericht weiter. Angeblich habe ein einziger Arzt mit einem Assistenten die Eingriffe vorgenommen. BBC zitiert Dorfbewohner, die behaupteten, der Arzt habe sehr eilig operiert. Seit Montag häuften sich die Probleme, mehr und mehr Frauen wurden mit extremer Übelkeit, schwachem Blutdruck und anderen Problemen in die Krankenhäuser gebracht", sagte der örtliche Regierungsvertreter Sonmani Borah.

Anzeige gegen Arzt erstattet

Die Ursache für den tragischen Ausgang der Behandlung war zunächst unklar, vier ranghohe Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden wurden suspendiert.

Gegen den verantwortlichen Arzt wurde inzwischen Anzeige erstattet. Die Regierung von Chhattisgarh kündigte an, dass die Familien der gestorbenen Frauen jeweils 5200 Euro Entschädigung bekommen würden.

Im Januar 2012 hatte ein ähnlicher Fall für landesweites Aufsehen gesorgt. Damals waren drei Männer verhaftet worden, die in zwei Stunden 53 Frauen auf einem Feld ohne Narkose sterilisert hatten.

Kampagne gegen Bevölkerungswachstum

Das nationale Familienplanungsprogramm der indischen Regierung setzt traditionell auf die Sterilisierung von Frauen, da sie bei Männern gesellschaftlich tabu ist. Obwohl der Eingriff freiwillig ist, führt die Geburtsquotenpolitik und das Anreizsystem in manchen Bundesstaaten immer wieder dazu, dass Frauen zu der Operation gezwungen werden. So bieten örtliche Behörden Paaren mitunter auch Autos oder Haushaltsgeräte an, sollten sie einer Sterilisierung der Frau zustimmen. Vorgenommen wird diese dann oftmals in Einrichtungen, die für derartige Masseneingriffe nicht ausgerüstet sind.

Bei der Massensterilisierung handelt es sich um ein kostenfreies staatliches Programm. Die Bevölkerung in Indien wächst rasant. Massensterilisationen sind Teil einer Kampagne, mit der Indiens Regierung das rasante Wachstum der Bevölkerung - in Indien leben mehr als 1,2 Milliarden Menschen - in den Griff bekommen will.

Die indische Führung versucht seit Jahrzehnten, die Bürger von einer gezielten Familienplanung zu überzeugen. In den 1970er Jahren gehörten dazu auch Zwangssterilisationen von Angehörigen niederer Schichten, die jedoch nach Protesten abgeschafft wurden.