Gigantisches Casino geplant Las Vegas in Manchester

In Großbritannien entsteht ein riesiger Glücksspiel-Tempel: Sieben Städte hatten sich darum beworben, doch der Sieger dieses Wettbewerbs hat jeden überrascht - einschließlich des Gewinners.

Von Wolfgang Koydl, London

Hunderennen, Pferdewetten und natürlich Bingo - wenn es um das Glücksspiel geht, brauchten sich die Briten noch nie vor anderen Nationen zu verstecken.

Und da war auch James Bond, der im Auftrag (und mit dem Spesenkonto) Ihrer Majestät Roulette- und Blackjack-Tische in aller Welt unsicher machte. Niemand, so schien es, hinterließ in Monte Carlo oder Las Vegas einen besseren Eindruck als der Gentleman-Agent aus Großbritannien.

In seiner Heimat hätte 007 bislang vergebens nach einem Luxus-Casino gesucht. Wer hier die Roulettekugel rollen lassen wollte, der musste schon Mitglied in einem Club werden. Doch nun wird schon bald das erste Super-Casino des Landes mit mehr als 5000 Quadratmetern Fläche, bis zu 1250 Glücksspielautomaten und Gewinnen in unbegrenzter Höhe seinen Betrieb aufnehmen.

Sieben Städte im ganzen Land hatten sich darum beworben, doch der Sieger dieses Wettbewerbs hat jeden überrascht, einschließlich des Gewinners: Denn Manchester, die alte Industriestadt in den Midlands, wird Britanniens neues Las Vegas werden.

,,Das zeigt mal wieder, wie viel Geld man verlieren kann, wenn man wettet'', spottete ein Unterhausabgeordneter in Westminster, als die Entscheidung des Casino Advisory Panel bekannt wurde, jenes Gremiums, das der Regierung Manchester empfahl.

Denn als Top-Favoriten hatten bis zuletzt der arg in die Jahre gekommene ehemalige Arbeiterklassen-Badeort Blackpool an der Irischen See und das wenig erfolgreiche Labour-Prestigeobjekt des Millennium Domes in Greenwich im Osten von London gegolten. An Manchester hatte niemand gedacht, noch nicht einmal die Fernsehsender, die ihre Korrespondenten nur nach London, Blackpool und in die walisische Hauptstadt Cardiff entsandt hatten.

Hoffen auf zusätzliche Gelder

Alle Bewerber - zu denen außerdem Glasgow, Newcastle und Sheffield gehörten - erhofften sich von dem Super-Casino eine Belebung ihrer darnieder liegenden Wirtschaft. Dabei geht es nicht nur um die Arbeitsplätze, die ein derartiger Unterhaltungskomplex mit Restaurants, Hotel und Konferenzeinrichtungen schaffen könnte. Weitaus verlockender sind die Steuern und Abgaben, die ein Casino an die Gemeinde abführen wird.

Für Manchester sprach nach den Worten des Expertengremiums dreierlei: ein großes Einzugsgebiet für potenzielle Gäste, die überzeugenden Pläne der Stadtverwaltung und die Tatsache, dass die vom Niedergang der verarbeitenden Industrie besonders hart betroffene zweitgrößte Stadt Großbritanniens dringend wirtschaftlicher Belebung bedarf.

Die Spielbankpläne der Regierung freilich waren von Anfang an umstritten. Unter Protest der konservativen und liberaldemokratischen Opposition rückte Premierminister Blair von seinem ursprünglichen Vorhaben ab, das ganze Land mit 20 bis 40 Super-Casinos zu beglücken, die viel Steuergeld in die Kassen spülen sollten.

Geblieben sind nun, neben dem Flaggschiff in Manchester, jeweils acht große und kleine Casinos, in denen der Höchstgewinn auf vergleichsweise bescheidene 6000 Euro beschränkt sein soll. Alles andere als weltläufig liest sich auch die Liste der Orte, die nach den Empfehlungen des Casino Advisory Panel demnächst eine dieser kleineren Spielbanken erhalten sollen: Middlesbrough und Milton Keynes, Solihull und Scarborough, Luton oder East Lindsey. Auf eines darf man wetten: James Bond wird sich hierher wohl nie verirren.