Nach giftigen Proben von Eiern und Hühnern ist auch in deutschem Schweinefleisch ein erhöhter Dioxinwert nachgewiesen worden. In Niedersachsen müssen nun mehrere hundert Tiere geschlachtet werden.
Erstmals ist in Deutschland auch ein stark erhöhter Dioxinwert in Schweinefleisch nachgewiesen worden. In Niedersachsen müssen nun mehrere hundert Schweine eines Betriebes getötet werden, sagte Gert Hahne, Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. In einem anderen Schweinemastbetrieb sei nach Ergebnissen von Probeschlachtungen ein Wert im Bereich des Grenzwertes ermittelt worden. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums sind derzeit noch 330 von den ursprünglich etwa 4.400 Betrieben im Land gesperrt.
"Dioxin-Schweine nicht in der Nahrungskette"
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Bei den zuvor in Deutschland ermittelten Lebensmittelproben mit erhöhten Giftwerten hatte es sich nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums in Berlin um Proben von Eiern und eine Probe von Legehennenfleisch gehandelt. Damit wurde lediglich bei den eingereichten Putenfleisch- und Kuhmilchproben noch keine Überschreitung von Grenzwerten nachgewiesen.
Zuvor war bekanntgeworden, dass auf den mutmaßlichen Verursacher der Dioxin-Verschmutzung in Tierfutter, die Firma Harles und Jentzsch in Uetersen in Schleswig-Holstein, weit mehr als 100 Millionen Euro Schadensersatzansprüche zukommen. Wie das Bielefelder Westfalen-Blatt berichtet, wollen neben den betroffenen Landwirten auch Bundesländer Regressansprüche in Millionenhöhe anmelden. Das hätten die Landwirtschaftsministerien von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und NRW angekündigt.
Von dem Skandal sind bisher 13 Bundesländer betroffen. Allein eine Laboranalyse auf Dioxin-Rückstände kostet laut Zeitung zwischen 1000 und 1300 Euro. Der Bauernverband hatte die bisherigen Schäden auf 40 bis 60 Millionen Euro pro Woche beziffert. "Wir werden den Verursacher für die Kosten unserer aufwändigen Kontroll- und Überwachungsaktionen der verschiedenen Behörden voll in Regress nehmen", sagte der Sprecher des NRW-Agrarministeriums Frank Seidlitz dem Blatt.
Die Staatsanwaltschaft Itzehoe prüft im Rahmen ihrer Ermittlungen gegen Verantwortliche des Futterfett-Herstellers Harles und Jentzsch bereits, ob schon jetzt Gewinne und Vermögen des Unternehmens sichergestellt werden können.
Bis zu zehn Jahre Haft für organisierten Betrug
Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) hält auch strafrechtliche Konsequenzen für möglich. Er gehe von vorsätzlichem Betrug aus. "Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen stellt sich das so dar", sagte Busemann in Hannover. Sollten sich die ersten Erkenntnisse zu den Verantwortlichkeiten so bewahrheiten, müsse das auch ein nachhaltiges juristisches Nachspiel haben. "Das ist schon eine ernste Geschichte und nicht nur ein kleiner Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz. Das ist eine Attacke auf die Gesundheit der Bürger und deshalb höchst kriminell einzustufen", sagte Busemann.
Für organisierten Betrug sehe das Strafgesetzbuch fünf Jahre Haft vor, in besonders schweren Fällen sogar zehn Jahre Haft. Über diese "erhebliche Freiheitsstrafe" sei nachzudenken, sagte Busemann. Auch zivilrechtlich dürften sich die Verantwortlichen nicht aus der Affäre ziehen.
Die Firma Harles und Jentzsch gilt als Hauptverdächtiger im Dioxinskandal. Das Unternehmen soll in einem illegalen Mischwerk im niedersächsischen Bösel mit Dioxin belastete technische Mischfettsäure zu 3.000 Tonnen Futterfett verarbeitet haben. Das verunreinigte Futterfett wurde bundesweit an Mischfutterwerke geliefert.
Sondersitzung im Bundestag
Der Dioxinskandal steht am heutigen Dienstag im Mittelpunkt einer Sondersitzung des Verbraucherausschusses des Bundestags. Alle Parteien fordern Konsequenzen. Ministerin Ilse Aigner (CSU) will dem Gremium ihre Vorschläge unterbreiten, wie weitere Fälle von Dioxin, das ins Tierfutter gelangt, verhindert werden können. So sollen Futterhersteller nur noch unter strengen Bedingungen zugelassen werden, fordert Aigner. Und sie sollen nicht mehr parallel Futterfette und Fette etwa für die Papierindustrie herstellen dürfen.
Die FDP schlägt EU-weite Regelungen vor, damit Futtermittel nicht mehr so weit verdünnt werden kann, dass Dioxinbelastungen nicht mehr auffallen.
Von der SPD kommt der Vorschlag, eine bundesweite Warnplattform für verdächtige Lebensmittel einzurichten. Da Lebensmittelkontrolle Ländersache ist, informieren die betroffenen Länder bisher meist nur über verdächtige Produkte in ihrer Region.
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(dapd/dpa/kat/juwe)
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... durch kriminelle Firmenchefs mit begleitenden, teilweise verharmlosenden Beiträgen von einzelnen Politikern? Nein, das haben wir in den letzten Stunden ja gar nicht erlebt. Wohl aber eine Justiz, die knochenhart durchgreift und Verantwortliche in Haft nimmt. Und deren Vermögen "einfriert" und ... und ---
Doch wir erleben das Gegenteil und wähnt sich irgendwie im schlechten Traum. Verharmlosende Reden von Politikern, besonders und ausschliesslich aus dem konservativen Lager nähren gar den Verdacht der Vorteilsnahme. Wie lange und wie oft sollen sich die Vorgänge noch wiederholen? Eigenkontrollen durch die Straftäter bei den "Lebensmittelkontrollen" oder den Rohstoffen. Aber man überläßt es den Auftraggebern per Gesetz, ob sie melden oder auch nicht. Und just dabei keinerlei Kontrollmechanismen. Seit Jahren klagen die Fachverbände über einen tatsächlichen Promille- Bestand an staatl. Lebensmittelprüfern usw. Und es wird weiter schön gefärbt. Noch lange?
Haben Sie den Artikel aus der "Zeit" gelesen, den ich Ihnen angeboten habe?
Woher wissen Sie dann so genau, das sie z.B. Dioxinfreie Eier essen?
Es darf bei der Bioherstellung Fertigfutter beigemischt werden das von den gleichen Herstellern bezogen werden kann wie bei normalen Betrieben, um nur dieses eine Beispiel zu nennen.
Das Bio besser überwacht wird, habe ich ja geschrieben. Genau das ist der Punkt, es fehlt an Kontrollen. Gäbe es diese, dann würde sich das Essen ohnehin verteuern, denn es könnte nicht mehr so sehr betrogen werden...allerdings müssten dafür die Kontrollen drastisch verschärft werden.
Die Verbraucher haben darauf aber den geringsten Einfluss. Sie sollten das Pferd nicht von hinten aufzäumen, indem Sie nur nach Mehrausgaben rufen.
Um wirklich wertvolle Lebensmittel zu bekommen, müssen wertvolle Lebensmittel hergestellt werden...und das ist eben zu überprüfen..und zwar nicht vom Verbraucher, sondern vom Staat.
DANN werden sich die Lebensmittel verteuern...und DANN zahle ich auch gern mehr.
Niemand tut so, als ob in Bioware noch nie etwas gefunden worden wäre, schon die Umweltgifte in Luft und Regen sind natürlich in Bioware nachweisbar. Tatsache ist aber, das bei den ernst gemeinten Biolabels die Kontrolldichte, aber auch die Moral der Erzeuger erheblich höher ist, als bei der völlig aus dem Ruder gelaufenen Massenproduktion.
Im Umkehrschluss ist die Gefahr, dass ich vergiftete Lebensmitten kaufe, beispielsweise auf dem Demeterhof erheblich geringer. Das sind mir persönlich die höheren Kosten allemal wert.
Ich stimme "sameyer" in allen Punkten zu, auch was Frankreich betrifft. Ich habe lange in Grenznähe zu Frankreich gelebt und bin regelmässig zum Einkaufen über die Grenze gefahren. Dort haben Lebensmittel einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland und die Ware ist objektiv besser. Es dürfte nicht jedem bekannt sein, dass nach Deutschland bei vielen Produkten ohnehin nur B-Ware geliefert wird, weil viele nicht bereit sind, höhere Preise für bessere Produkte zu zahlen.
An alle die jetzt sagen, sie können sich teurere Lebensmittel nicht leisten ein Tipp: Sky-TV abbestellen und das gesparte Geld für bessere Essen verwenden.
"Nach giftigen Proben von Eiern und Hühnern ist auch in deutschem Schweinefleisch ein erhöhter Dioxinwert nachgewiesen worden. In Niedersachsen müssen nun mehrere hundert Tiere geschlachtet werden. "
Notschlachtung? Warum? Muss das denn unbedingt sein?
Der Grund: Das Fleisch darf nicht mehr verzehrt werden, weil dioxinverseucht. Und da die Schweine nur als Lebensmittel für uns Menschen angesehen werden scheint es vordergründig und rein ökonomisch betrachtet die einzige logische Schlussfolgerung zu sein, die Tiere zu schlachten und das Fleisch zu vernichten.
Aber gibt es tatsächlich nur diese einzige Möglichkeit?
Schlimm genug, dass wir sensible, zu Gefühlen fähige und intelligente Tiere (Schweine können mehr Befehle erlernen als Hunde wurde mir kürzlich berichtet) lediglich als Nahrungsquelle betrachten.
Auch ich schaffe es (noch) nicht vollständig auf Fleisch zu verzichten. Doch sehe ich in Tieren nicht alleine nur eine Nährquelle sondern auch das Lebewesen. Wer so wie wir, intensiv mit Tieren - in unserem Fall handelt es sich um Katzen -
zusammen lebt und erlebt wie diese mit Menschen interagieren, weiß was ich meine.
Schlimm genug, dass ein großer Teil der Nutztiere immer noch nicht artgerecht und in Massenhaltung (bis zu ihrem frühen Ende) dahin vegetieren.
Und nun? Nicht mehr verwertbar also werden sie "ermordet".
Eine mögliche Alternative: Wie wäre es, wenn diesen Schweinen, die nun nicht mal mehr als Nahrung für uns Menschen dienen können alternativ mal ein schönes artgerechtes und langes Schweineleben (z.B. auf Gnadenhöfen etc.) gewährt wird? Quasi als Miniprozentsatz an Wiedergutmachung von uns Menschen an der Massentierhaltung?
Diese Idee werden sicher einige nicht verstehen. Denn die würde Geld kosten anstatt Geld (durch den Verkauf des Fleisches) einzubringen. Man könnte z.B zukünftig auf jedes verkaufte Kilo Schweinefleisch ein paar Cent drauf schlagen und diese zur Finanzierung des Lebensunterhaltes dieser Schweine abführen. Wäre das wirklich so schlimm?
Eine grundsätzliche Lösung bzgl. der Tierquälerei durch Massentierhaltung und Ausnutzung der Lebewesen "Tier" , wäre diese Maßnahme natürlich nicht. Aber das würde sich derzeit sowieso noch nicht umsetzen lassen. Das benötigt noch etwas mehr Zeit. Aber im Sinne der Worte von Albert Schweizer "Ehrfurcht vor dem Leben", wäre es zumindest ein ganz kleiner Beitrag hierzu.
... grundsätzliche Veränderungen herbeizuführen.
In der konventionellen "Tierproduktion" besteht ein Großteil der Tiernahrung aus ABFALL. Aus MÜLL, der recycelt und den bedauernswerten Kreaturen als Nahrung vorgesetzt wird.
Weiterhin werden Nahrungsketten umgekehrt. So ist es beispielsweise zulässig, Rückstände aus der Blutplasmagewinnung an Hühner zu verfüttern.
Ich denke, daß man kein überspannter Moralist oder grüner Ökospinner sein muß, um zu erkennen, daß diese unappetitliche Praxis ein Grund für die wiederkehrenden Nahrungsmittelskandale ist.
Ich erinnere hier exemplarisch an den BSE-Skandal. Hier infizierten sich Ziegen und Schafe, weil man diesen "Vegetariern" Abfälle aus der Rinderschlachtung als Nahrung unterschob.
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