Von Dirk Graalmann

30.000 Euro hätten sie bei dem Überfall erbeutet, sagen Tom F. und Osman Z. 60.000 seien ihm gestohlen worden, sagt Bohlen. Wobei er wohl etwas den Überblick verloren hat. Dieter Bohlen als Zeuge vor Gericht.

Es ist nasskalt, 12 Grad Celsius, Schmuddelwetter. Doch hier, in der Reitzensteinstraße in Recklinghausen, stehen die Menschen am Montagmorgen geduldig im Regen. Und warten.

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Dieter Bohlen redet vor Gericht plötzlich gar nicht mehr so schön schnoddrig wie im Fernsehen. (© Foto: AP)

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Die ersten sind schon um halb sieben hier vor dem Amtsgericht erschienen. Eine Mutter trägt ihr Baby im Maxi-Cosi die Straße auf und ab, die älteren Geschwister toben auf dem Bürgersteig. Ab und an ermahnt sie die Kinder zur Ruhe. Sie wissen ja nicht, auf was die Mama wartet.

Um 8.52 Uhr ist es dann soweit. Ein schwarzer Mercedes mit abgedunkelten Scheiben fährt vor, der Chauffeur öffnet den Fond, Dieter Bohlen steigt aus.

Der Musikproduzent, Boulevardname "Pop-Titan", muss an diesem Montag im Saal 125 aussagen. Als Zeuge im Prozess gegen die beiden 18-jährigen Angeklagten Tom F. und Osman Z., die Bohlen und seine Freundin Carina am 11. Dezember 2006 in Bohlens Haus in Tötensen bei Hamburg überfallen, mit einer Pistole bedroht und beraubt hatten.

Das Duo ist geständig. Sie hätten aber lediglich knapp 30.000 Euro erbeutet, gaben die beiden Jugendlichen an. Ihm seien 60.000 Euro gestohlen worden, behauptet Bohlen.

Er marschiert in den Saal. Konzentriert, ohne Regung, ohne einen Kommentar. Laut wird es trotzdem. Vor dem Amtsgericht steht ein Berufsdemonstrant. Er hat ein paar Schilder dabei, mit blauer und roter Farbe hat er auf die Sperrholzplatte gepinselt: "So, und was ist nun mit den Moneten?"

"Der ist ein korrektes Arschlosch"

Im kleinen Saal versucht Bohlen den Vorsitzenden Richter Gerald Sacher von seiner Version zu überzeugen. Er wirkt angespannt, wie die Kandidaten beim Casting zu "Deutschland sucht den Superstar". Hinten im Saal sitzen die Bohlen-Fans, die "ihren Dieter" sehen wollten. Nun redet er gar nicht so schnoddrig wie im Fernsehen. Es muss eine herbe Enttäuschung für sie sein.

Vor dem Saal steht eine junge Frau, vielleicht Mitte 30. Ihren Sohn hat sie zu den Großeltern gegeben, "nur damit ich hier her kann". Nun hat sie das Besucher-Kärtchen mit der Nummer 28. Es gibt nur 27 Plätze; es ist nicht ihr Glückstag.

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