China Spiele ohne Sex

Das Geschäft mit der käuflichen Liebe boomt in China. Doch kurz vor den Olympischen Spielen geht das Regime hart gegen Prostituierte vor.

Kelly hatte sich von den Olympischen Spielen einiges versprochen, die vielen ausländischen Gäste in Peking verhießen ein gutes Geschäft für die Prostituierte. Doch die Polizei machte Kelly und ihren Kolleginnen einen Strich durch die Rechnung.

Das Geschäft mit dem Sex boomt in China - doch jetzt geht das Regime hart gegen Prostitutierte vor.

(Foto: Foto: Istock)

Käuflicher Sex passt nicht in das Bild, das die chinesischen Behörden während der Spiele der Welt vermitteln wollen. "Die Polizei ist auf einmal ganz schrecklich zu uns. Wir müssen uns sehr in Acht nehmen", sagt Kelly, während sie in ihrem wässrigen Drink rührt.

Die 23-Jährige sitzt in einer schummrigen Bar, einem beliebten Treffpunkt der Pekinger Prostituierten. Jetzt jedoch ist die Bar leer. Viele Etablissements wurden in den vergangenen Wochen geschlossen. Eine ganze Reihe ihrer Kolleginnen seien verhaftet und anschließend in ihre Heimatprovinzen geschickt worden, erzählt Kelly, die ihren chinesischen Namen nicht nennen möchte.

"Ich muss vorsichtig sein. Wenn sie mich aus Peking rauswerfen, dann komme ich nicht mehr zurück, denn die Polizei hat Straßensperren aufgebaut", sagt sie. Früher zog die junge Frau durch die Hotellobbys auf der Suche nach Kundschaft. Derzeit ist sie dort nicht mehr erwünscht.

Peking will sich während der Spiele von seiner besten Seite zeigen. Nachdem Drogensüchtige aus dem Stadtbild verbannt worden sind und den Hauptstädtern das Spucken und Drängeln untersagt wurde, sind auch die Prostituierten an der Reihe. Die strengeren Visa-Kontrollen von Ausländern - eigentlich als Sicherheitsmaßnahme gedacht - seien Prostituierten aus der Mongolei und Russland zum Verhängnis geworden, erzählt Kelly.

"Wir haben wegen Brandschutzmaßnahmen geschlossen. Melden Sie sich nach den Olympischen Spielen wieder", sagt der Mann am Telefon von "Maggie´s". In der Bar im Botschaftsviertel warben bis vor kurzem Nacht für Nacht Mongolinnen um Freier. Jetzt ist die Tür mit einem Vorhängeschloss verriegelt.

Zehn Millionen Prostituierte

Drei Monate sollen die angeblichen Brandschutzmaßnahmen dauern. Zu Zeiten Mao Zedongs war Prostitution in China geächtet, heute boomt das Geschäft mit dem Sex im Reich der Mitte. Schätzungen gehen von mindestens zehn Millionen Prostituierten im Land aus.

Bis vor kurzem hatten sie kaum etwas zu befürchten. Sex wurde in Bars, Massagesalons und Karaoke-Kneipen angeboten. Berüchtigt sind auch die vielen "Friseurläden" in dunklen Pekinger Gassen, in denen kein einziges Haar geschnitten wird. Es ist durchaus üblich, dass Männer auf Reisen kurz nach dem Einchecken im Hotel einen Anruf bekommen, ob sie Damenbesuch auf dem Zimmer wünschen.

"In der Stadt gibt es eine große Aufräumaktion", war kürzlich auf der Website Internationalsexguide.info zu lesen, auf der Freier Erfahrungen und Tipps austauschen. "Alle bekannten Orte für Prostitution sind betroffen, und es gibt ständig Razzien", schreibt ein Nutzer der Website.

Derartige Kampagnen gegen Prostituierte schafften neue Probleme, sagt Bernhard Schwartländer, der Vertreter von UNAIDS in China, dem Programm der Vereinten Nationen zur Bekämpfung von HIV. "Wenn man Prostitution in den Untergrund abdrängt, gerät sie außer Kontrolle."

Schwartländer fürchtet, dass dadurch seltener Kondome benutzt werden und die Gefahr für Frauen wächst, Opfer von Gewalt zu werden. Otka, eine Prostituierte aus der Mongolei, deren violetter Lidschatten hell in einer dunklen Bar funkelt, macht sich vorerst keine Sorgen. "Sie haben großen Ärger gemacht. Aber der wird nicht lange dauern."