Cannabis als Medizin Im Biotop des Bunkerbauern

Seit vier Jahren schon gärtnert Sawatzky im Bunker. Wo genau, das wissen nur die Landeshauptstadt und die Polizei. Damals, als er die Genehmigung für seine außergewöhnliche Gärtnerei bekam, ging für ihn ein Traum in Erfüllung. Seit er von Aids-kranken Bekannten gehört hat, wie sehr Haschisch ihre Leiden lindert, hat er sich für den legalen Anbau eingesetzt.

Als Medikament nicht freigegeben

"Ein Freund von mir hat Morphin gegen seine Schmerzen bekommen. Aber davon war er den ganzen Tag benebelt. Mit Cannabis konnte er wieder am Leben teilhaben", erzählt Sawatzky. Jahrelang hat der gelernte Bauzeichner versucht, die Bundesopiumstelle von seinem Plan zu überzeugen - zunächst vergeblich. Als dann doch die Zusage kam, hat er gekündigt und seine Firma "Südhanf" gegründet.

Viele Patienten schwören auf die heilende Wirkung von Haschisch. Es regt den Appetit an, wenn Krebs- und Aidskranke immer mehr an Gewicht verlieren. Es entspannt die verkrampften Muskeln von Menschen mit Multipler Sklerose und es lindert die Pein von Schmerzpatienten.

Die Regierenden aber fürchten das Haschisch. Im Gegensatz zu Opiaten wie Morphin, die stark abhängig machen, ist Cannabis als Medikament nicht freigegeben. Dabei wollte die rot-grüne Bundesregierung das längst ändern. Schon Ende 2001 sollte es in der Apotheke ein Cannabis-Extrakt auf Rezept geben, versprach sie.

Verbrannt im Heizkraftwerk

Pharmafirmen begannen sich da für das alte Heilmittel zu interessieren - doch wer ein Cannabis-Extrakt herstellen will, braucht eben auch Cannabis.

So kam es schließlich zu Sawatzkys Ausnahmegenehmigung, und Merck und Bionorica wurden seine Kunden. Einige Kilogramm Cannabis-Blüten hat Sawatzky in den letzten vier Jahren verkauft - im "Sanitätsraum" hat er sie getrocknet und im "Wachraum" abgepackt.