Buschbrände in Australien:Wenn der Teer schmilzt

"Wir befinden uns auf Katastrophenniveau", sagt der Feuerwehrchef von New South Wales. Die verheerenden Buschbrände in Australien bedrohen Häuser und Wohnungen von Tausenden Menschen. In den nächsten Tagen könnte eine neue Hitzewelle die Situation noch verschärfen.

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"Wir befinden uns auf Katastrophenniveau", sagt der Feuerwehrchef von New South Wales. Die verheerenden Buschbrände in Australien bedrohen Häuser und Wohnungen von Tausenden Menschen. In den nächsten Tagen könnte eine neue Hitzewelle die Situation noch verschärfen. Dicke Rauchwolken über dem See: In Australien wüten die schlimmsten Buschbrände seit Jahren. Besonders betroffen ist der bevölkerungsreichste Bundesstaat Australiens, New South Wales. Hier leben sieben Millionen Menschen und damit mehr als ein Drittel der Einwohner des Kontinents. Die Behörden stellten sich auf einen der gefährlichsten Tage in der Geschichte des Bundesstaats ein. Der zuständige Chef der ländlichen Feuerwehr, Shane Fitzsimmons, sagte Reportern in Sydney: "Die Bedingungen könnten nicht schlimmer sein. Wir befinden uns auf Katastrophenniveau". Fünf Regionen des Staates wurden zum Katastrophengebiet erklärt. Den Einsatzkräften gelang es bisher noch nicht, die Brände in den Griff zu bekommen, weshalb Tausende Menschen ihre Häuser verlassen mussten. In New South Wales brennen derzeit etwa 90 Buschfeuer, etwa jedes zehnte ist außer Kontrolle geraten. Sämtliche Nationalparks und Reservate wurden geschlossen. Barry O'Farrell, Regierungschef des Bundesstaates, warnt vor der "größten Bedrohung durch Buschfeuer, der New South Wales jemals ausgesetzt gewesen ist". 

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Nur noch die Kleidung, die sie am Leib tragen, besitzen Alison Palmer und ihr elfjähriger Sohn Zac. Mutter und Sohn laufen durch ein völlig zerstörtes Wohngebiet auf Tasmanien. Eigentlich ist die 250 Kilometer südlich des australischen Festlandes gelegene Insel Tasmanien so etwas wie die Kühlkammer Australiens. Milde Temperaturen, zahlreiche Wälder, selbst im Sommer liegen die Höchstwerte selten über 21 Grad.  Doch in diesem Januar - Hochsommer in Tasmanien - sind die Temperaturen extrem. Am Wochenende wurde in der Hafenstadt Hobart mit 41,8 Grad der höchste Wert seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 103 Jahren gemessen.  Hinzu kommen starke Winde, die dafür sorgen, dass die schwersten Buschbrände seit 46 Jahren weiter angefacht werden. Mehr als 100 Häuser brannten bereits ab, Öltanks explodierten in der Gluthitze.  

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Nicht mal Grundmauern blieben von diesem Haus übrig - nur die Kamine. Die Zerstörungswut des Feuers ist unberechenbar. Ein Betroffener erzählt australischen Medien: "Wir hörten im Radio, das Feuer komme in zwei Stunden. 13 Minuten später war unser Haus abgebrannt."  Einsatzkräfte brachten mehr als 3000 Einwohner und Touristen in Sicherheit, denen Brände die Fluchtwege abgeschnitten hatten. Die meisten mussten allerdings auf der Tasman-Halbinsel ausharren. 

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Spazieren bei 41,8 Grad am Strand: In Syndey, der größten Stadt des Landes, strömten Tausende Menschen bei hitzigen Temperaturen an die Strände der Millionenmetropole. Die größte Autobahn des Landes zwischen Syndney und Melbourne war kurzzeitig wegen der Brände unterbrochen: "Die Hitze ist so intensiv, dass der Teer auf der Straße zu schmelzen beginnt und an meinen Schuhen haftet", berichtet ein Augenzeuge.

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Schlimmer ist die Situation in Tasmanien, wie dieses ausgebrannte Auto zeigt. Ursache für die Brände sind zumeist Blitzeinschläge - aber vereinzelt auch Brandstiftung. 

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Tausende Feuerwehrmänner und freiwillige Helfer sind im ganzen Land im Einsatz und kämpfen gegen die Buschbrände. Doch trotz moderner Technik haben sie Probleme, das sich schnell ausbreitende Feuer unter Kontrolle zu bekommen. 

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Die aktuelle Hitzewelle könnte nach Ansicht von mehreren Forschern als eine der längsten und schwersten Australiens in die Annalen eingehen. In den vergangenen Jahren wurde das Land immer wieder von Wetterextremen getroffen.  So waren 2009 am sogenannten "Schwarzen Samstag" bei Buschbränden im Bundesstaat Victoria 173 Menschen ums Leben gekommen. Auf der als Konsequenz eingeführten Skala bedeutet "Katastrophenniveau" unkontrollierbare, unvorhersehbare und sich schnell verbreitende Buschbrände, auf die sich nur mit Räumungen reagieren lässt. Zwischen 2009 und 2012 verursachte das Wetterphänomen La Niña über dem Pazifischen Ozean Starkregen und schwere Überschwemmungen in Australien. Der gegenteilige Effekt El Niño führt iimmer wieder partiell zu Trockenheit und Buschfeuern. Mit El Niño hätten die derzeitigen Brände jedoch nichts zu tun, zitiert Zeit Online den Klimaforscher Roger Jones von der Victoria University in Melbourne.

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Besondere Sorge gilt jetzt den beliebten Urlaubsgebieten um Shoalhaven, Illawarra und Southern Ranges südlich von Sydney. Die Bürgermeisterin von Shoalhaven, Joanna Gash, sprach im Sender Sky News von einem "Pulverfass". Bei einem "Katastrophenfeuer" könne man die Leute nur noch in Sicherheit bringen, an eine wirkliche Brandbekämpfung sei nicht mehr zu denken.

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