Blutbad in Apeldoorn Attentäter gesteht Anschlag auf Königin

Bei einer Parade hat ein Mann mit seinem Auto fünf Menschen getötet. Sein Ziel war die königliche Familie, die dem Attentat knapp entging.

Von S. Weidemann, W. Jaschensky

Die Amokfahrt eines 38-jährigen Mannes bei der Parade zum Königinnentag in den Niederlanden war ein versuchtes Attentat auf Königin Beatrix und ihre Familie. Dies habe der schwerverletzte Amokfahrer zugegeben, erklärte Staatsanwalt Ludo Goossens. Ein Team von 250 Polizisten und Beamte der niederländischen Rijksrecherche ermitteln in dem Fall. Sie sollen auch feststellen, wie der Täter die Sicherheitsabsperrung mit einem normalen Kleinwagen durchbrechen konnte.

Beim offiziellen Besuch der königlichen Familie zum Nationalfeiertag in der Stadt Apeldoorn war der 38-jähriger Niederländer in seinem schwarzen Suzuki Swift durch mehrere Absperrungen gerast, schien genau auf den offenen Bus mit der Königsfamilie zuzuhalten und fuhr nur wenige Meter an diesem vorbei.

Unter den Augen der Königin, des Kronprinzen Willem-Alexander und seiner Frau Máxima riss der Wagen etliche Menschen zu Boden, schleifte einige mit und prallte schließlich auf ein Denkmal. Zwei Frauen und drei Männer wurden dabei getötet, zwölf Menschen erlitten teils schwere Verletzungen - unter ihnen Kinder und Mitglieder einer Kapelle.

Millionen Zuschauer verfolgten das dramatische Geschehen während des traditionellen Umzugs der Königsfamilie, der live im Fernsehen übertragen wurde.

Der Fahrer überlebte zunächst schwer verletzt und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Ob er noch immer am Leben ist, ist unklar. Nach SZ-Informationen ist war der Niederländer früher Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, wurde aber gekündigt.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, der 38-Jährige habe mit seinem Anschlag die Monarchin treffen wollen. Der Täter solle außerdem wegen Totschlags oder gar Mords angeklagt werden. Die Polizei sprach zwar von einer "bewussten Aktion", schloss aber rasch einen Terroranschlag aus. Nach ihrer Einschätzung handelte der Täter allein, im Fahrzeug sei kein Sprengstoff gefunden worden.

Der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende sagte: "Wir sind alle tief betroffen über diese schrecklichen Ereignisse."Seine Regierung richtete einen Krisenstab ein.

Die sichtlich bewegte Königin Beatrix wandte sich in einer Fernsehansprache an die Nation. Sie sei zutiefst geschockt und traurig über das Geschehene, erklärte die Monarchin. Es sei unfassbar, dass so etwas passieren konnte. Die Königin sprach allen Verletzten sowie den Angehörigen der Getöteten ihr tief empfundenes Beileid aus. Zugleich sagte sie alle offiziellen Feiern zum Königinnentag ab. Am Freitag soll mit einem Gedenkgottesdienst in der Großen Kirche von Apeldoorn den Opfern gedacht werden.

Blutbad am Königinnentag

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