Amokläufer in Tokio "Ein Desaster in Akihabara"

Der Messerstecher von Tokio kündigte seine Tat im Internet an. Dem 25-Jährigen war es "völlig egal", wen er erwischte. Er tötete sieben Menschen.

Ein Amokläufer, der am Sonntag in Tokio sieben Menschen erstach, hat die von ihm geplante Tat vorher in Interneteinträgen angekündigt. Wie die Polizei am Montag mitteilte, warnte der nach dem Verbrechen festgenommene 25-Jährige in mehreren von seinem Handy abgesetzten Beiträgen vor dem, was er tun werde.

Laut japanischen Medienberichten hieß es in einem der etwa 30 Postings wenige Stunden vor dem Amoklauf im In-Viertel Akihabara im Nordosten der japanischen Hauptstadt: "Ich werde mit meinem Fahrzeug in eine Menschenmenge rasen, und wenn das Fahrzeug nicht mehr zu gebrauchen ist, werde ich mein Messer zücken. Lebewohl an alle".

Auf einer anderen Website findet sich ein anonymer Eintrag vom 27. Mai mit der Überschrift "Ein Desaster in Akihabara", in dem von einem Zwischenfall am "5. Juni oder etwas später" die Rede ist. Der Autoarbeiter steuerte am Sonntag in der Nähe des Bahnhofs von Akihabara einen gemieteten Lastwagen in eine Fußgängermenge, sprang dann heraus und stach wahllos auf Passanten ein.

Unauffällig und arbeitssam

Es gab 17 Verletzte, von denen sieben starben. Die Ersatzteil-Firma in der Präfektur Shizuoka, wo der junge Mann als Zeitarbeiter beschäftigt war, teilte mit, er habe dort bis zum 4. Juni gearbeitet und sei dann ohne Angabe von Gründen nicht mehr mehr erschienen. Nach Angaben der Firma Kanto Auto Works legte er eine "sehr gute Haltung gegenüber seiner Arbeit" an den Tag und verursachte "keinerlei Probleme".

Im rund hundert Kilometer von Tokio entfernten Susano, der Heimatstadt des Täters, hieß es, er sei gut in der Schule und im Sport gewesen. In einem Jahrbuch der Schule, in der sich die Schüler vorstellen sollten, veröffentlichte er einem Fernsehbericht zufolge ein Foto einer Heldenfigur aus einem japanischen Comic (Manga) mit der englischsprachigen Unterschrift "crooked" (schräg).

Der Messerstecher galt als Fan von Mangas und Videospielen. Den Ermittlungen zufolge fuhr er am Sonntagmorgen am Steuer eines Zweitonners von Susuno nach Tokio. Nach seiner Festnahme gab er als Motiv an, "lebensmüde" zu sein. "Ich bin nach Akihabara gekommen, um Menschen zu töten", sagte er der Polizei laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Jiji Press. "Es war völlig egal, wen ich erwischte." Akihabara ist unter anderem als Mekka für Liebhaber von japanischen Comics, Videospielen und Unterhaltungselektronik bekannt.

Regierungssprecher Nobutaka Machimura sagte, derzeit werde überprüft, ob die Gesetze zum Besitz von Stichwaffen verschärft werden könnten. Japan hält sich sonst viel auf seine öffentliche Sicherheit zugute. Ein ähnlich tödliches Verbrechen wie am Sonntag hatte sich zuletzt auf den Tag genau vor sieben Jahren ereignet.

Damals erstach ein geistesgestörter Mann an einer Grundschule in Osaka acht Kinder. Am Tatort im Akihabara hatte der Regen am Montag die Blutspuren weggespült. An einem an einer Straßenkreuzung aufgestellten Schrein legten Menschen gemäß der japanischen Tradition Blumen, Süßigkeiten und Getränke, aber auch Mangabilder nieder und verneigten sich im Gedenken an die Toten.