Rettungsaktion in den Bergen Segelflugzeug stürzt bei Vorderriß ab

Ein 49-jähriger Münchner hatte Glück im Unglück: Der in Königsdorf gestartete Pilot stürzte mit seinem Flugzeug in unwegsamem Gelände ab und kam mit mittelschweren Verletzungen davon. Polizei und Fliegerfreunde rätseln, wie der erfahrene Fluglehrer die Kontrolle über das Gerät verlieren konnte.

Von Matthias Köpf

In den Bergen nahe Vorderriß in der Gemeinde Lenggries ist am Dienstagnachmittag ein Segelflugzeug abgestürzt. Der Pilot, ein 49-jähriger Münchner, musste von der Bergwacht in dem unwegsamen Gelände mit dem Hubschrauber geborgen werden. Er wurde mit Verletzungen am Kopf und an den Füßen in die Klinik in Garmisch geflogen. Die Ursache für den Unfall ist unklar.

Nach Angaben der Tölzer Polizei hatte das Flugzeug, das am Segelflugplatz in Königsdorf gestartet war, vermutlich wegen zu geringer Thermik an Höhe verloren und unmittelbar vor dem Absturz am Fermeskopf einen Baum gestreift. Der motorlose Einsitzer lag völlig zertrümmert in einem steilen Südhang des Fermeskopfs am so genannten Soierngrat.

Ein Wanderer hatte den Absturz beobachtet und einen Notruf abgesetzt. Die Lenggrieser Bergwacht machte sich ebenso auf den Weg wie ein Such- und Rettungshubschrauber der Bundeswehr aus Penzing. Von dem Helikopter seilten sich zwei Bergwacht-Retter an die Unglücksstelle ab, wo sie den Piloten versorgten. Das stabile Glasfaser-Cockpit und die Gurte hatten den Mann offenbar vor schwereren Verletzungen bewahrt. Helme sind bei Segelfliegern nicht üblich. Der nach einem parallelen Notruf ebenfalls gestartete Innsbrucker Rettungshubschrauber Christophorus 1 brachte den Mann schließlich mit mittelschweren Verletzungen in die Klinik.

Der Münchner ist Mitglied des Flugsportvereins Bad Tölz, gilt als sehr erfahrener Pilot und ist selbst Segelfluglehrer. An dem Tag herrschte in der Ebene kaum Thermik, doch in den Bergen waren die Bedingungen gut, so dass dort Dutzende Segelflugzeuge unterwegs waren. Dies berichtet der Königsdorfer Flugplatz-Chef Alico Sternbeck. Weder Sternbeck noch die Polizei können bisher beurteilen, ob das Unglück als Zwischenfall bei einer aus Thermikmangel bereits anvisierten Notlandung geschah oder völlig unvermittelt. Die Südflanke des Soierngrats steuern Segelfliegern auf dem Weg ins Karwendel häufig an, um dort im Aufwind Höhe für den Weiterflug zu gewinnen.

Dies klappt jedoch nicht immer, wie Berichte von Segelfliegern zeigen. Der so genannte "Außenlandekatalog" des Königsdorfer Flugplatzes listet deshalb in der Nähe geeignete Wiesen für eine Landung auf. Der Unglücksort selbst jedoch ist steil, bewachsen und weglos, so dass auch die Bergung des Flugzeugwracks in den kommenden Tagen schwierig werden wird. Für sie muss der Flugsportverein Bad Tölz Sorge tragen, dem das ursprünglich rund 20 000 Euro teure und nun völlig zerstörte Flugzeug gehört.

Danach wird aller Voraussicht nach die "Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen" das Wrack auf technische Mängel prüfen. Die Experten können dazu auch auf die Daten des in das Flugzeug eingebauten Anti-Kollisions-Systems zurückgreifen. Dieses arbeitet mit Satelliten-Ortung und zeichnet so unter anderem die genauen Flugbewegungen eines Segelfliegers auf. Allerdings sammelt es weit weniger Daten als die Flugschreiber in der kommerziellen Luftfahrt.

Die Fliegerkollegen am Königsdorfer Flugplatz, den sechs Vereine aus München und dem Landkreis gemeinsam unterhalten, sind laut dem Dachvereins-Vorsitzenden Alico Sternbeck vor allem erleichtert, dass dem Piloten angesichts der Umstände nicht allzu viel passiert ist. Beobachtet hat den Absturz trotz des regen Flugverkehrs kein anderer Pilot.