Trauerfeier für Joachim Fuchsberger Blackys letzte Sendung

Die Familie von Fuchsberger: Sein Bruder Ottmar, Enkeltochter, seine Frau Gundula Fuchsberger und Enkelsohn Julien-Christopher.

(Foto: Getty Images)

Mit einer emotionalen Feier in Grünwald bei München verabschieden sich Familie, Freunde und Fans von Joachim Fuchsberger. Einem Mann, der alles erlebt hat - vom Grauen des Zweiten Weltkriegs bis zur Verehrung durch Millionen.

Von Philipp Crone

Um kurz nach 15 Uhr wird es am Montag still auf dem Platz vor dem August-Everding-Saal in Grünwald, bei der Trauerfeier für Joachim Fuchsberger. Gleich spielen Max Greger und sein Sohn Max Greger junior mit Saxofon und Klavier "Amazing Grace". Jetzt können die etwa 300 Gäste drinnen im Saal und die knapp 150 Fans draußen, die über Bildschirme die Feier verfolgen, endlich das tun, wofür sie gekommen sind: sich von Fuchsberger still verabschieden.

Bis zu diesem Moment ist es vor allem sehr hektisch an diesem Montagnachmittag - fast wie es sich für einen der alten Stars des hektischen Fernseh- und Schauspielbetriebs gehört.

Am 11. September ist Fuchsberger im Alter von 87 Jahren gestorben, für viele ist er immer noch einer der ganz großen Showmaster des deutschen Fernsehens - entsprechend groß ist die Anteilnahme, und dementsprechend viele Fotografen und Kamera-Teams sind gekommen. Gundel Fuchsberger, die 84-jährige Witwe, wird in einem Wagen vorgefahren, zusammen mit Joachims Bruder Otmar, 78, und den Enkeln Jennifer, 25, und Julien, 22.

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Die Familie geht mit dem Trubel souverän um, stellt sich für einen kurzen Moment auf, damit die Fotografen ihre Bilder machen können, und die Witwe wirkt dabei sehr ernst und gefasst, ehe sie sich auf den Weg macht in den halbrunden holzgetäfelten Saal, in dem ihr Mann aufgebahrt ist. Moderatorin Nina Ruge, die später auch durch die Trauerfeier führt, sagt über Gundel Fuchsberger: "Sie ist so eine unglaublich starke Frau, mit so viel Kraft und Haltung. Aber ich weiß nicht genau, was nach diesem Tag passieren wird."

Draußen suchen die Trauergäste nach den richtigen Worten, um Fuchsberger zu beschreiben. IOC-Präsident Thomas Bach ist angereist, er kennt Fuchsberger seit 1972, als der Moderator Stadionsprecher in München war. Bach nennt ihn einen "tatkräftigen Humanisten, einer, der die Menschen mochte und voller Respekt vor ihnen war". Für Sänger Patrick Lindner ist Fuchsberger "einer der tollsten Männer, die ich kennengelernt habe, ein richtiger Herr". Und Peter Pongratz, in dessen Restaurant "Grünwalder Einkehr" Fuchsberger immer gegessen hat, und den der Schauspieler "Vize-Sohn" nannte, dankt ihm für "40 Jahre, in denen ich von seinen Erfahrungen profitieren durfte".

Produzent Christian Becker, der Fuchsberger von den Dreharbeiten zu dem Film "Neues vom Wixxer" kennt, blickt über den Platz vor dem August-Everding-Saal zu den herumhetzenden Fotografen und sagt: "Das hätte ihm gefallen. Er hätte geschmunzelt und sich gefreut, dass er die Leute noch immer auf Trab halten kann." Ex-Showmaster Frank Elstner möchte lieber nichts sagen, und Franz Beckenbauer nimmt gleich den Hintereingang.

Dann beginnt die Feier, und über den Platz schallt "Amazing Grace". Ist eine solche Live-Übertragung dem Anlass einer Trauerfeier überhaupt angemessen? Wohl schon: Zum einen wird ein Mann verabschiedet, der Zeit seines Lebens vor Millionen von Menschen aufgetreten ist, der sich immer wieder in Interviews dafür bedankt hat, von den Zuschauern wie ein Familienmitglied angesehen worden zu sein. Er würde ihnen wohl auch gestatten, ihm noch ein letztes Mal Gesellschaft zu leisten. Zum anderen sagte Fuchsberger vor einigen Jahren bei einer Theatertour, dass er es für seine Pflicht halte, sich von seinem Publikum persönlich zu verabschieden.

Moderatorin Nina Ruge führte durch die Trauerfeier.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Noch eine letzte Sendung also. So verabschieden sich seine Familie, seine Freunde und sein Publikum von ihm. Eines wird dabei sehr deutlich, ob im Saal oder draußen bei den Wartenden vor den Bildschirmen: Hier wird ein Mann betrauert, der auch deshalb so beliebt war, weil jeder das Gefühl hatte, einen Zugang zu ihm zu haben. Fuchsberger schien sich für jeden Menschen in seinem Umfeld wirklich zu interessieren. Dazu kam - das wird an diesem Nachmittag deutlich - sein einzigartiges Gefühl für Kommunikation, sein Gespür für Sprache und die richtigen Worte. Da scheint es nur folgerichtig, dass an diesem Montag das, was über ihn gesagt wird, auch jeder hören darf.

Sinn für die richtige Sprache. Man muss nur Oliver Kalkofe zuhören oder die Traueranzeige lesen, die der Fernsehkritiker zusammen mit Kollegen verfasst hat. Fuchsberger hatte 2007 eine Rolle in der Komödie "Neues vom Wixxer" übernommen, und Darsteller Kalkofe beschreibt, wie nervös die Filmcrew war, bevor der große Schauspieler am Set ankam. Und dann sei es ihm ergangen wie so vielen: Sie seien überrascht und gefesselt gewesen von einem ganz und gar zugänglichen Menschen, der auch sofort verstanden habe, welche Sprache in der Runde die richtige war. Kalkofe beginnt die Traueranzeige mit: "So long, Lord Dickham!", wie seine Filmfigur hieß, endet mit "Chief-Inspector "Olli" Even Longer", und man kann sich vorstellen, wie albern es beim Dreh zugegangen sein muss.

Der Schauspieler Oliver Kalkofe kam auch zur Trauerfeier von Joachim Fuchsberger.

(Foto: dpa)

Geschichten zu erzählen war Fuchsbergers Stärke, und auch die Redner können das an diesem Tag. Schauspieler Ralf Bauer stockt zwar die Stimme immer wieder, als er sich an Fuchsberger erinnert, ebenso wie Regisseur Dieter Pröttel, als er an "fast 70 Showabende" zurückdenkt, es seien seine schönsten Arbeitsjahre gewesen. Sogar IOC-Präsident Bach, der sonst immer so distanziert und abgeklärt wirkt, spricht nur sehr langsam und muss immer wieder Pausen machen. Ein "heiterer Repräsentant der Olympischen Spiele 1972" sei Fuchsberger gewesen. Einige der vielen Fuchsberger-Geschichten werden noch einmal nacherzählt. Dabei wird einmal mehr deutlich, wie viel Fuchsberger in 87 Jahren erlebt hat.

Höhen und Tiefen. Die Verehrung von Millionen Zuschauern genauso wie das Grauen des Zweiten Weltkrieges. Er wurde weltbekannt, und starb beinahe nach einer Hepatitis-Infektion, war zuletzt auch noch erfolgreicher Buchautor und überstand zwei Schlaganfälle - und auch den schwersten Schlag seines Lebens, den Tod seines Sohnes Thomas im Jahr 2010. In einem kurzen Einspielfilm werden bei der Feier die wichtigsten Lebensstationen Fuchsbergers noch einmal aufgezählt. Und Münchens Altoberbürgermeister Christian Ude berichtet, dass Fuchsberger auch noch einige Pläne hatte für die nächste Zeit. "Er gehörte einfach dazu zu unserem Leben", sagt Ude und formuliert damit das Gefühl, was wohl viele Fernsehzuschauer haben, wenn sie an Fuchsberger denken. "Wir danken dir für ein grandioses Lebenswerk." Udo Jürgens sendet zum Schluss eine Video-Botschaft, bevor er "Der große Abschied" singt: "Du hast dein ganzes Leben lang versucht, Erinnerungen zu schaffen. Und du hast uns sehr viele wunderbare Erinnerungen hinterlassen."

Musiker Max Greger (r) und sein Sohn Max Greger jr.

(Foto: Tobias Hase/dpa)