Von Marco Völklein

Flughafen und Kläranlagen im Norden, Seen und Wälder im Süden: Der geplante Lückenschluss des Autobahnrings spaltet die Münchner Umlandgemeinden.

Schon mal was von den "Südstaatlern" gehört? Die treiben sich angeblich im Münchner Umland herum. Zumindest wenn es nach Peter Paul Gantzer geht, dem SPD-Landtagsabgeordneten aus dem Münchner Norden. Als er am Mittwochabend beim SZ-Verkehrsparlament den Begriff in die Diskussion zum Autobahn-Südring einbrachte, erntete er wenigstens ein paar Lacher. Ansonsten aber musste sich Gantzer, klarer Befürworter der geplanten Autobahn zwischen Gräfelfing und Taufkirchen, viel Kritik aus dem Münchner Süden anhören. Der Streit um die Autobahn spaltet die Region. Die Gemeinden im Norden stehen gegen die im Süden. Und die Stadt München mittendrin.

Stau auf Autobahnring München Bild vergrößern

Abgase statt Frischluft: Der Münchner Norden fordert eine Verkehrsentlastung, während der Süden sich die grüne Oase nicht mit einer Autobahn verbauen lassen will. (© sz.sonstige)

Anzeige

Worum geht's? Vor kurzem hatte die Oberste Baubehörde eine Studie vorgelegt. Die zeigt, dass eine Verbindung zwischen der A995 bei Taufkirchen und der A96 bei Gräfelfing machbar wäre. Nun tobt der Streit um die geplante Autobahn heftiger denn je. Der Münchner Süden will sie unbedingt verhindern, der Norden fordert sie. Vehement sogar.

So zählt SPD-Mann Gantzer auf, mit welchen Belastungen die Menschen im Norden zu kämpfen haben: zwei Mülldeponien, zwei Großkläranlagen, die Müllverbrennungsanlage der Stadtwerke, der Flughafen, der Hubschrauberlandeplatz der Bundespolizei in Oberschleißheim sowie die Allianz-Arena, die regelmäßig die Autokolonnen der Fans anzieht. Und dazu noch die vielbefahrenen Autobahnen A9 und A99. "Wir sind der Abfalleimer der Region", sagt Gantzer. Der Münchner Süden dagegen habe es gut: Kaum Autobahnen, und die Müllverbrennungsanlage in Thalkirchen wurde stillgelegt. "Es ist an der Zeit, dass der Norden entlastet wird", fordert der Parlamentarier.

Durch eine Vollendung des Münchner Autobahnrings würde dies geschehen: Autofahrer auf der A8 aus dem Süden kommend würden die A99-Ost meiden und über den Südring direkt zur Lindauer oder Stuttgarter Autobahn gelangen. Im Schnitt 10000 Autos weniger am Tag würden über die Trassen im Norden rollen, prognostiziert die Machbarkeitsstudie. Gantzer: "Das wäre eine merkliche Entlastung für den Norden."

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Nord gegen Süd
  2. Frischluft statt Abgase
Leser empfehlen