Statistik der Armut Wer in Bayern von staatlicher Unterstützung lebt

Arme Kinder: Im Freistaat leben 130 000 Unter-15-Jährige auf Sozialhilfeniveau. Ihre Situation hat sich deutlich verschärft.

Von Dietrich Mittler

In Bayern gab es nach Angaben des Sozialministeriums im Oktober insgesamt 513457 Hartz-IV-Empfänger. Verglichen zum Frühsommer 2006 hat sich damit die Lage etwas entschärft - vermutlich aufgrund der derzeit besseren Wirtschaftslage. Im Juni dieses Jahres waren in Bayern noch 542197 Hartz-IV-Empfänger registriert, die finanzielle Leistungen entsprechend den Vorgaben der Sozialgesetzgebung (SGBII) erhielten.

Statistik der Armut

Abgehängt? Seit Einführung der Sozialreform hat sich die Situation für Kinder auch im Freistaat deutlich verschärft.

(Foto: Foto: ddp)

Ob und wie viel Unterstützung die einzelnen Betroffenen erhalten, wird immer häufiger vor den Sozialgerichten ausgetragen. Von Januar bis September dieses Jahres legten 5396 Menschen Klage gegen die sie betreffenden Entscheidungen der Behörden ein. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatten lediglich 2780 Betroffene den Gang vor Gericht gewagt.

Hartz-IV-Empfänger machen indessen nur einen Teil der Armen in Bayern aus. Hinzu kommen ungefähr 79000 Menschen, die im vergangenen Jahr Leistungen der "bedarfsgerechten Grundsicherung" erhalten haben. Diese aus der Sozialhilfe hervorgegangene Unterstützung ist Personen zugedacht, die zum Beispiel wegen ihres Alters, einer Behinderung oder einer Krankheit nicht am Erwerbsleben teilnehmen können und deren Einkünfte oder Vermögen für den Lebensunterhalt nicht ausreichen.

Nach Angaben der Wohlfahrtsverbände nimmt auch die Kinderarmut in Bayern stetig zu. Im Freistaat leben demnach mehr als 130 000 Kinder unter 15 Jahren auf Sozialhilfeniveau. Seit der Einführung der Sozialreform unter dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich ihre Situation deutlich verschärft.

Die von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 14 Jahren bekommen nur noch eine Grundsicherung in Höhe von 207 Euro im Monat. Sämtliche Sonderleistungen - etwa für Kleidung - seien weggefallen, kritisieren die Wohlfahrtsverbände.