Dießen Der Ammersee wird immer seichter

Die Ammer führt täglich 225 Tonnen Schwebstoffe zu, die Verlandung der Mündung ist technisch nicht zu stoppen

Von Armin Greune

Zugegeben, es ist schon noch Zeit, bis es ernst wird: Mindestes 10 000 Jahre wird es noch dauern, bis der Ammersee von den Landkarten verschwunden ist. Dennoch ist der Dießener Gemeinderat über die Verlandung des Gewässers und die immer seichter werdenden Uferbereiche vor den Seeanlagen des Markts besorgt: In der jüngsten Sitzung ließ sich das Gremium von Korbinian Zanker aus dem Weilheimer Wasserwirtschaftsamt deshalb gründlich über das Problem informieren.

Andechs: Kloster Andechs / Klosterkirche STA / Starnberg 11.07.10 Diessen / Fischen: Ammermündung Ammersee © Johannes Simon

(Foto: Johannes Simon)

In seinem Fachvortrag schilderte der Abteilungsleiter für Gewässerausbau, wie sich der See seit der Kanalisierung der Ammer verändert hat. 1924 wurde der Unterlauf des Flusses korrigiert: Um landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen und im Moor Torfabbau zu ermöglichen, erhielt die zuvor mäandernde Ammer ein neues schnurgerades Bett. Dabei verkürzte sich ihr Lauf ab Weilheim von 25 auf 13 Kilometer; die zuvor einen Kilometer östlich von Dießen gelegene Seemündung wurde in die Nähe von Vorderfischen verlagert. Nachdem sich schon in den fünfziger Jahren massive Verlandungen am Auslauf der Neuen Ammer angesammelt hatten und der Rückstau ein entsprechendes Hochwasserrisiko mit sich brachte, wurden 1960 Leitdämme von der Brücke der Birkenallee bis tief in den See hinein errichtet. Seitdem lagern sich die vom Fluss verfrachteten Sedimente in tieferen Bereichen ab, die Menge aber blieb unverändert.

Durchschnittlich 4000 Tonnen Kies und Geröll bringt die Ammer pro Jahr ein, die für drei Viertel der Wasserzufuhr des Sees sorgt. Doch die Last an Schwebstoffen ist ungleich höher: Zanker bezifferte sie auf 82 000 Tonnen im Jahr, 1999 mit dem Pfingsthochwasser waren es sogar 334 000 Tonnen. Auf die Seefläche verteilt lagern sich diese Feinsedimente im Jahr vier Millimeter dick ab. Gerade aber den Schwebstoffen sei mit Mitteln des Wasserbaus praktisch nicht beizukommen, erläuterte Zanker. Gleich für neun verschiedene Maßnahmen hatte er Szenarien entworfen: Von der Nullvariante bis zur Renaturierung der Ammer unterhalb von Weilheim, für die fast drei Quadratkilometer landwirtschaftliche Nutzfläche benötigt würden. Auch der mehr als zehn Millionen Euro teure Bau eines Absetzbecken für Feinsedimente sei unrealistisch, sagte Zanker. Allenfalls kämen Rückhaltesperren in Peißenberg oder an der Birkenallee in Betracht: Doch damit ließen sich zwar Geschiebe und Schwemmholz in den Griff bekommen, nicht aber die Schwemmstoffe.

Die Verlandung ist nicht zu stoppen, nur zu verlagern", lautete Zankers Fazit. Im Bereich von Steganlagen wie in Dießen riet er zum Ausbaggern und der Verklappung des Materials in tieferen Seebereichen, wie es bereits im Starnberger See erfolgreich praktiziert werde. Franz Sanktjohannser (Offener Kreis) widersprach und outete sich als "Anhänger der Abfuhr". Doch Zanker gab zu bedenken, dass eine Deponierung des Schlamms teuer werden könnte, selbst wenn sich dafür Flächen fänden. Schon vorab seien kostspielige Untersuchungen erforderlich, um die Deponieklasse zu ermitteln.