Sprengsatz in Schwabing entdeckt Polizei stellt scharfe Nagelbombe sicher

Ein 33-jähriger Münchner hat in seiner Wohnung in Schwabing eine Bombe gebastelt. Der Mann gehört zur rechten Szene und ist bereits vorbestraft. Über konkrete Anschlagspläne ist bislang nichts bekannt. Der Bastler der Sprengvorrichtung wurde verhaftet und sitzt nun in Untersuchungshaft.

Von Christian Rost

In der Wohnung eines 33-jährigen Münchners hat die Polizei am Freitagabend eine funktionstüchtige Nagelbombe sichergestellt. Fabian F., der die Sprengvorrichtung selbst hergestellt hat, wird der rechten Szene zugeordnet und ist bereits wegen einschlägiger Delikte vorbestraft. Nach seiner Festnahme wurde er zunächst auf freien Fuß gesetzt - und dann doch wieder verhaftet. Offenbar wollte der Verdächtige sich absetzen.

Eine Zeugin sprach am Freitag gegen 21.20 Uhr im Norden Schwabings eine Polizeistreife an und informierte die Beamten darüber, dass sie in der Düsseldorfer Straße durch ein Fenster in einer Wohnung einen Mann mit einer Pistole gesehen habe. Die Polizei ließ das Haus, in dem F. lebt, observieren. Gegen 22 Uhr verließ der Mann zusammen mit einem 18-jährigen Bulgaren die Wohnung. Bei der anschließenden Kontrolle fanden Polizisten im Hosenbund F.s eine geladene Schreckschusspistole. In seiner Wohnung - der stark alkoholisierte F. hatte einer Durchsuchung zugestimmt - wurden dann noch weitere gefährliche Gegenstände entdeckt: eine Gotcha-Waffe, scharfe Munition für ein Gewehr und drei Knallkörper, deren Inhalt ausgekratzt war.

Mit dem Pulver aus den sogenannten Polenböllern, die wegen ihrer starken Sprengkraft in Deutschland nicht erlaubt sind, hatte F. eine Bombe gebastelt, die noch auf einem Tisch stand. Er hatte die Wände einer Plastikbox mit Dämmmaterial versehen, um die Sprengkraft zu erhöhen, und in die Mitte des Behältnisses das mit Nägeln und Schrauben bestückte Pulver gefüllt. Experten des Landeskriminalamtes bestätigten, dass die Zündvorrichtung des Sprengsatzes funktionstüchtig und gefährlich war, wie Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte. Erkenntnisse über Anschlagspläne gebe es bislang nicht. F. sagte, er habe testen wollen, ob so eine Bombe wirklich funktioniere.

Der Arbeitslose ist wegen Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vorbestraft. Er hatte eine gleichschenklige Keltenkreuztätowierung öffentlich gezeigt - ein Symbol in der rechtsextremen Szene, das auch das Zeichen der verbotenen Neonazi-Organisation "Volkssozialistische Bewegung Deutschlands" war.

Nach seiner Festnahme wurde F. von einem Ermittlungsrichter zunächst wieder entlassen. Der Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt. F. hatte versichert, er werden in den kommenden Tagen eine Alkoholtherapie beginnen. Die Polizei behielt den Mann trotzdem im Auge. Als er Anstalten machte, sich abzusetzen, griffen die Beamten erneut zu. Seit Sonntagvormittag befindet sich der 33-Jährige in Untersuchungshaft.