Sicherheitsmaßnahmen zur WM 2006 "Den iranischen Abwehrspieler werden wir nicht kontrollieren"

Urlaubssperre, Sondermittel, Arbeitsgruppen - die Polizei hat sich für die Fußball-WM gewappnet. Bayerns Innenminister Beckstein beharrt darauf, die Bundeswehr auch für polizeiliche Maßnahmen einzusetzen.

Von Violetta Simon

Keine "Polizeifestspiele", sondern eine sichere Fußball-WM unter dem Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" - das sollen laut Innenminister Günther Beckstein die geplanten Sicherheitsmaßnahmen rund um die Weltmeisterschaft ermöglichen, die in vier Monaten in München eröffnet wird. Man wolle sich als modernes, multikulturelles und vor allem gastfreundliches Land präsentieren. Dennoch stehe die Sicherheit im Zentrum.

Beckstein verteidigte den umstrittenen Einsatz der Bundeswehr im Inneren. "Ich will die Bundeswehr nicht zur Hilfspolizei machen und nicht in Stadien oder öffentlichen Plätzen einsetzen", sagte er. Sollte es aber zu einer konkreten Bedrohungslage kommen, so stehe kein weiteres Personal zur Verfügung. Jeder Polizist sei bis auf den letzten Mann eingeplant. Deshalb plädiere er dafür, die Aufgaben der Bundeswehr verfassungsrechtlich festzulegen.

"Die Bundeswehr hat im Bereich Katastrophenschutz viel mehr Erfahrung als die Polizei. Sie würde auch im Sanitätsbereich oder für Präventiveinsätze gebraucht", sagte Beckstein. Darüber hinaus plädierte er dafür, Fuchsspürpanzer nahe der Spielorte zu positionieren, falls es zu einer ABC-Drohung käme.

"Wir sind auf den Regelfall vorbereitet", sagte der Innenminister, "doch in einer erschwerten Sicherheitssituation sollte die Bundeswehr auch einmal den Objektschutz oder die Grenzkontrollen übernehmen, damit wären hunderte Polizisten frei für andere Einsätze".

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte sueddeutsche.de, dass ein Einsatz von Bundeswehrsoldaten zur Grenzsicherung, wie ihn Beckstein ins Spiel gebracht hat, nicht in den Bundeswehr-Auftrag fällt.

Die Bundeswehr gewährte schon 1972 für die Olympischen Spiele in München ähnliche Unterstützungsleistungen wie sie jetzt angefordert werden. Damals waren 25.000 Soldaten im Einsatz.

16 Millionen für die Polizei

Zum Schutz vor terroristischen Übergriffen will Bayern mit den betroffenen Ländern enger zusammenarbeiten. Darüber hinaus bestehe für Iran, Afghanistan, Tunesien und Saudi Arabien Visumspflicht. Beckstein hofft, dass der Karikaturen-Streit bis zur WM beigelegt ist. "Wenn nicht, müssen wir eben auf diese aktuelle Herausforderung reagieren".

Fußballspieler aus arabischen Ländern zu kontrollieren - so weit wolle er dann doch nicht gehen, sagte Beckstein. "Ich glaube nicht, dass jemand Verstandnis dafür hätte, wenn wir den Abwehrspieler der iranischen Nationalmannschaft nicht einreisen ließen".

Für die polizeilichen Schutzmaßnahmen zur WM würden insgesamt 16 Millionen Euro an Sondermitteln bereit gestellt, weitere 4,2 Millionen für den Katastrophenschutz. Der Personalstand hat mit rund 40.000 Mitarbeitern bayernweit ein historisches Höchstmaß erreicht.

Auch das Ausstattungsniveau der Einsatzzentralen wurde gesteigert. München und Nürnberg sind nach Angaben des Innenministeriums mittlerweile "besser ausgestattet als die Polizei in Athen" während der Olympiade 2004. Fingerabdrücke werden in Zukunft digital aufgenommen, um sie sofort vergleichen zu können.

Problemfälle Großleinwand und Prostitution

Brennpunkte werden - neben der Allianz Arena und den Großleinwandveranstaltungen - vor allem die Mannschaftsunterkünfte, Trainingsstätten, sowie das internationale Medienzentrum in der Messestadt sein. "Die Großleinwandveranstaltungen bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit", erklärte Beckstein. Diese so genannten "Public-Viewing-Veranstaltungen" dürfen deutschlandweit organisiert werden und bergen nach Ansicht des Innenministers durch ihren Massencharakter ein hohes Gefahrenpotenzial.

Durch partielle Einzäunungen, Eingangskontrollen, Sicherheitspersonal und Videoüberwachung wolle man Zwischenfälle aber so gut wie möglich vermeiden. Mittlerweile seien solche Maßnahmen bei vielen Veranstaltungen üblich.

Auch das Thema Prostitution wird die Polizei beschäftigen. Vor allem in den Ballungsräumen rechnet man mit einer Zunahme des horizontalen Gewerbes und einer damit einhergehenden Zunahme des organisierten Menschenhendels. Beckstein will aus diesem Grund die Kontrollen verstärken und das Aufstellen von Containern - so genannten "Verrichtungsboxen" - verbieten.

Darüber hinaus setzt man auf Prävention und Aufklärung: Neben achtsprachigen Merkblättern stehen betroffenen Frauen Beratungsstellen und Selbsthilfeorganisationen mit einer 24-Stunden-Hotline zur Verfügung.

Meldeauflagen für Hooligans

Ein besonderes Augenmerk werde man, so Beckstein, auf Hooligans und Islamisten legen. Wieviele Hooligans insgesamt erwartet werden, konnte Beckstein nicht genau sagen. Als gewaltbereit registriert seien aber bereits 9500 deutsche Fans, 6000 kämen noch aus dem übrigen Europa hinzu.

Diese Personen würde man im Auge behalten. Eine denkbare Maßnahme seien zum Beispiel strenge Meldeauflagen, um einen Besuch der Spiele zu verhindern. Wer nur als "Problemfan" gilt, erfährt einen besonderen Service: Er wird an der Grenze abgeholt und zum Spiel eskortiert.