Sexuelle Übergriffe auf Kinder Drei Missbrauchsfälle in drei Wochen

Zum dritten Mal innerhalb von wenigen Tagen ist in München ein kleines Kind von einem Unbekannten sexuell missbraucht worden. Die Opfer sind zwischen drei und sechs Jahre alt. Die Polizei prüft nun, ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten gibt.

Von Florian Fuchs

Vor drei Wochen in Sendling, Anfang dieser Woche in Moosach, und dann auch noch in Pasing: Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit ist in München ein kleines Kind von einem Unbekannten sexuell missbraucht worden. Trotz unterschiedlicher Täterbeschreibungen prüfen die Ermittler, ob es sich in den Fällen um denselben Mann handelt. Die Polizei weitet ihre Überwachung aus. "Jede Streife ist sensibilisiert", sagt Sprecher Reinhold Bergmann, "wir behalten vor allem neuralgische Orte wie Spielplätze, Schulen und Kindergärten genau im Auge."

Es könnte so ablaufen wie auf diesem Symbolfoto: Ein Unbekannter spricht auf einem Spielplatz ein kleines Mädchen an. Wer verdächtige Personen bemerkt, soll sich bei der Polizei melden.

(Foto: dpa)

Im jüngsten Fall am Dienstag hatte ein Mann auf einem Spielplatz am Georg-Gradel-Weg ein dreijähriges Mädchen angesprochen, das gerade mit Freunden spielte. Etwa um 14.30 Uhr lockte er das Kind in den Keller eines Wohnhauses, das sich nach aktuellem Ermittlungsstand ein paar Straßen weiter befindet. Dort zwang er das Mädchen, ihn unsittlich zu berühren, bevor er es wieder zum Spielplatz zurückbrachte und verschwand.

Nur einen Tag zuvor war gegen 13 Uhr ein vierjähriger Bub in einer Tiefgarage in Moosach missbraucht worden. Auch dort hatte ein Mann das Kind angesprochen und ihm ein Geschenk versprochen, um es in eine Tiefgarage zu locken. Bereits am 20. Mai hatte ein Mann sich auf einer Toilette in einem McDonald's in Sendling neben einen sechsjährigen Buben gestellt und ihn im Intimbereich berührt. Auch dieser Mann konnte fliehen.

In Bayern wird jährlich der sexuelle Missbrauch von knapp 3000 Kindern unter 14 Jahren angezeigt. Das Dunkelfeld dürfte nach Ansicht von Experten um das Zehn- bis Zwanzigfache höher liegen. In München gab es im vergangenen Jahr 143 Anzeigen, 2002 etwa waren es noch 346 gewesen. Opfer sind meist Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren, nicht selten sind auch Kleinkinder und Säuglinge betroffen.

Dass wie in den aktuellen Fällen Fremde die Täter sind, trifft nur in einem Drittel der angezeigten Taten zu. Häufiger kommen die Schuldigen aus dem persönlichen Umfeld der Kinder. In 80 bis 90 Prozent aller Fälle sind Männer aller Altersstufen und aus allen sozialen Schichten die Täter. Sie führen in der Regel ein unauffälliges Leben.

In einem Gespräch mit speziell geschulten Beamten in einem extra eingerichteten Kindervernehmungsraum beschrieb das dreijährige Mädchen, das in Pasing missbraucht wurde, den Täter als Mann mit kurzen, blonden Haaren. Das trifft auf die Täterbeschreibungen in den anderen Fällen nicht zu. "Gerade bei Kindern in diesem Alter gibt es Wahrnehmungs- und Mitteilungsfehler", sagt Polizeisprecher Bergmann, "wir prüfen deshalb trotzdem Zusammenhänge, auch zu allen anderen Taten in den vergangenen Jahren." Die Polizei hofft auch auf Hinweise von Zeugen. "Wer etwas Ungewöhnliches bemerkt, soll sich melden. Und wenn es nur ein Mann an einem Spielplatz ist, der Kinder auffällig lange beobachtet."