Sie alle haben täglich mit den Opfern sexueller Gewalt zu tun - und auch mit dem Problem, dass das verbreitete Bild von sexuellem Missbrauch ziemlich undifferenziert ist. Es ist geprägt von Klischees wie eben vom Mann, der seinen sexuellen Trieb nicht im Griff hat und der sich von einer Frau im Minirock provoziert wird.
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Eine Ansicht, die es nicht nur in Deutschland gibt. Die Bewegung "Slutwalk" gründete sich Anfang des Jahres in Kanada, als ein Polizist, der auf dem Campus einer Uni einen Präventionskurs zum Thema geben sollte, die Empfehlung aussprach: "Frauen sollten sich nicht wie Schlampen anziehen, wenn sie nicht zu Opfern werden wollen." Aus der Empörung darüber entstand eine Demonstration in Toronto, inzwischen gibt es in vielen Städten solche Slutwalks: Seattle, Chicago, Seoul, Melbourne, London, Neu-Delhi - und auch in Deutschland, in Berlin, Leipzig oder jetzt München.
Dabei belegen Kriminalstatistik und Wissenschaft schon seit Jahren, dass der Großteil - etwa 90 Prozent - der sexuellen Gewalttaten im Verwandten- und Bekanntenkreis geschehen und weder beschränkt auf ein Geschlecht oder eine sexuelle Orientierung sind, noch etwas mit der Kleidung der Opfer zu tun haben.
Außerdem handelt es sich bei sexueller Gewalt auch nicht um eine tatsächliche sexuelle Handlung. "Vergewaltigung ist eine Form der Machtausübung mit dem Mittel der Sexualität", sagt Weidner. "Es geht dabei darum, Macht über jemanden auszuüben, jemanden zu erniedrigen - und das ist eine gesellschaftliche Sache, die es auch schon vor 40 Jahren gab."
Dass es trotz dieser Erkenntnis Projekte wie "Sichere Wies'n" gibt und geben muss, die Tipps für Mädchen und Frauen veröffentlichen, wie sie möglichst sicher über das Oktoberfest kommen, mag zwar inkonsequent wirken. Eine Schuldzuweisung, darüber waren sich bei der Diskussion alle einig, funktioniert trotzdem nur in genau eine Richtung: die des Täters.
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(SZ vom 05.08.2011/tob)
Studie von UN-Kinderhilfswerk
Die neueste Antwort
Mussten wir Männer tatsächlich darüber aufgeklärt werden? Ja, - ist das so?
Hat der Polizist wirklich gesagt(sinngemäß): „Wenn ihr euch so anzieht seid ihr selber schuld?“
Ich glaube den meisten Frauen muss nicht erklärt werden, dass wir nicht alle so ticken, wie dieser Polizist, falls das auf ihn zutrifft.
Welcher Typ Frau ist das, der sich wegen sowas zusammenfindet?
In der Sendung 3nach9 (find ich gut) wurde mal bedauert, dass die Bauarbeiter nicht mehr hinterherpfeifen , von Frau zu Frau, das war vor ca. 3 Jahren.
Der Slutwalk wird seinem eigentlichen Anspruch wenig nützen, weil es bei Vergewaltigung um Macht geht, nicht um Ausleben der Sexualität.
Nützen wird der Slutwalk dort, wo ultimativ die Auffassung zementiert wird, dass sexuelle Gier/Trieb allein dem Mann innewohnt. Dort, in solchen gesellschaftlichen Landschaften, entstehen all die verkorksten Auffassungen über: was Frauen wollen/nicht wollen, was Männer wollen/nicht wollen. Möglicherweise hat die Vergewaltigung ja dort ein paar Wurzeln. Im Minirock und Stöckelschuhen eher nicht. w.marc-houma.de
es werden auch 80jährige omas vergewaltigt, glaube kaum, dass das daran lag, dass die zuwenig "risikoprävention" gemacht hätten.
der punkt ist folgender: jeder darf sich kleiden wie er will. wenn jemand vergewaltigt wird darf es keinen satz wie "naja, wenn du dich so aufreizend anziehst, dann kann das eben passieren" geben, bei einem autodiebstahl würd auch keiner sagen "ja wenn du dir so ein schönes neues auto kaufst..." - darum geht es.
dass ich jedem raten würde, vielleicht nicht unbedingt in einer favela rio de janeiros allein nachts herum zu laufen, weil da die wahrscheinlichkeit recht hoch ist, dass man da eventuell opfer eines überfalls werden könnte - klar!
nur bzgl. vergewaltigungen: wie ist die ist-situation? wird jungen oder männern geraten, bitte nicht so aufreizende enge jeans zu tragen? oder nachts nicht allein vom lokal nach hause zu gehen? in der regel wird es das nicht, das sind ratschläge, die mädchen und frauen zu hören bekommen. warum ist die überwiegende mehrheit der täter im bereich sexueller gewalt männlich? das ist die frage, die gestellt werden muss, nicht, was hat das opfer an gehabt.
die geschichte vom risikopräventionsverhalten hält sich hartnäckig. sie folgt der gleichen argumentation wie der von konservativen muslimen, die der meinung sind, dass offenes haar einer frau einfach die männer provoziert. nun, um sicher zu gehen, dass sich gar niemand mehr hier provoziert fühlt müssten wir dann schon die burka als risikoprävention empfehlen... nur blöd, wenn dann jemand sich durch gespenster provoziert fühlt...
Schade dass der "Slutwalk" der in Buenos Aires / Argentinien stattfindet, nicht erwähnt wird.
Ich finde dies ganz besonders wichtig zu erwähnen um zu zeigen dass dieses Problembewusstsein auch in den "südlichen - dritte Welt Ländern" herrscht und thematisiert wird. Zur "marcha de las putas" werden etwa tausend TeilnehmerInnen erwartet (Facebook-Link: http://www.facebook.com/pages/LA-MARCHA-DE-LAS-PUTAS-BSAS/215607008461555).
Also findet diese Veranstaltung nicht nur in der westlichen/nördlichen Halbkugel statt, sondern auch hier in der "Dritten Welt"!
Schöne Grüße aus dem winterlichen Buenos Aires
Das Opfer trägt keine Schuld, wie festgestellt wurde. Fraglich ist dennoch, ob nicht durch gewisse Maßnahmen seitens eines potentiellen Opfers eine Risikominimierung erfolgen kann.
Unzweifelhaft ist, dass eine Risikominimierung im Verwandten- und Bekanntenkreis wohl nicht zu machen ist, da der Tatentschluss beim Täter wohl über eine längere Zeit reift und irgendwann "läuft das Fass über". Seitens des potentiellen Opfers gibt es hier keine Möglichkeit, das Risiko zu minimieren, da es über einen längeren Zeitraum vom Täter ins Auge gefasst wird.
Wie groß die Zahl der "Spontanvergewaltigungen" (damit meine ich solche Vorkommnisse, bei denen der Täter ohne Auswahl eines Opfers den Tatentschluss fasst und konkret zur Tat ansetzt, wenn ein "passendes" Opfer auftaucht) ist, weiß ich nicht, aber das sind m.E. diejenigen Fälle, bei denen das Opfer durch Risikominimierung tatsächlich etwas tun kann. Das sind natürlich einfache Maßnahmen wie, Nachts nicht alleine durch einen unbeleuchteten Park gehen usw., es kann aber auch die Anpassung der Kleidung sein. (Nicht falsch verstehen, mit diesem Satz soll eben nicht die Schuldfrage vom Täter weg verschoben werden, es sind lediglich Überlegungen).
Unter solche Maßnahmen fasse ich aber auch den Gedanken oder meine Vermutung, dass es sehr wohl Auftreten/Kleidung eines potentiellen Opfers geben kann, welches eine krankhafte sexuelle Neigung in einem tatentschlossenen Täter zünden kann. Nochmal: das führt nicht zu einer Schuldverlagerung zum Opfer, nein, die Schuld (was auch immer das juristisch bei einem in der Selbststeuerung eingeschränkten Täter zu bedeuten hat) bleibt beim Täter.
In anderen Worten: Wenn ich weiß oder befürchte, dass ein hungriges Raubtier (ich meine tatsächlich ein Tier) im Park unterwegs ist, dann werde ich den Park entweder meiden oder mich leise und zügig hindurchbegeben. Ich bin nicht schuld, wenn ich durch den Park gehe, muss mir aber des Risikos bewusst sein. Dies kann man auch auf den Kleidungsstil erweitern.
Ohne auszuschweifen, daher nur kurz: es mag Menschen, insbesondere Männer, geben, die ihre sexuellen Triebe nicht unter Kontrolle haben, daher denke ich, dass diese Männer unter gewissen Einschränkungen vergleichbar mit einem instinktgesteuerten Tier gesehen werden können.
Ergo (jetzt bitte nicht an Budapest denken): Ein Opfer lädt keine Schuld auf sich, kann aber wohl das Risiko beeinflussen.
"...just because I dress like a policeman doesn't mean I am a policeman!"
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