Ein doppelter Computer-Ausfall hat für das größte S-Bahn-Tunnel-Chaos der letzten Jahre gesorgt. Siemens will nun die Technik verbessern.
Einst standen Bahn-Stellwerke inmitten der Gleise, man kennt das noch von der Modelleisenbahn. Heute ist ein Stellwerk eine Mischung aus Trafohäuschen und Gartenlaube, und drinnen arbeitet - niemand. Es surrt und blinkt nur, und es ist warm, denn die Computer arbeiten hart. Sie sind gestapelt in Schränken, die aussehen wie Kühlschränke im Supermarkt, wäre da nicht ein Gitter an der Glastür.
Kleiner Kasten, große Wirkung: Sascha Panic mit dem defekten Computer-Bauteil. (© Foto: Robert Haas)
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Am Mittwochvormittag bekamen die Rechner am Ostbahnhof menschlichen Besuch. Techniker von Bahn und Siemens mussten ran, weil ein Computer ausgefallen war. Und dann noch einer. Bis zum Donnerstagmorgen waren die Auswirkungen der ReHavarie zu spüren, eine der folgenschwersten Pannen der vergangenen Jahre. Zehntausende Fahrgäste kamen zu spät ans Ziel.
Sascha Panic, DB-Servicetechniker, hält ein Bauteil in der Hand, silbern und unscheinbar wie das ganze Stellwerk. Dieses Ding habe versagt, es regelt die Stromversorgung des Rechners. Das wäre nicht weiter schlimm, denn jeder Rechner hat nebenan einen Zwilling stehen, der im Notfall einspringt. Doch auch Rechner zwei fiel aus, und das nach nur 20 Minuten.
Die Pannenrechner steuern den Abschnitt zwischen Rosenheimer Platz und Ostbahnhof mit zwölf Signalen und vier Weichen. Die bringen es pro Tag bei rund 1000 S-Bahn-Fahrten auf 20.000 Stellvorgänge. Drei dieser Rechner samt Zwillingen gibt es auf der gesamten Stammstrecke, sie steuern drei Abschnitte. Über sie laufen die Kommandos vom Rechner im Hauptstellwerk an der Donnersbergerbrücke hin zu einem weiteren Computer am Ostbahnhof, der dann Signal oder Weiche anfunkt.
Der Fehler vom Mittwoch sei erstmals in dem vor ein paar Jahren für viele Millionen gebauten Stellwerk aufgetreten, sagt Peter Michalek, Betriebsleiter bei DB-Netz. "Wir wissen nicht, wie das passiert ist." Es gelte jetzt zu prüfen, ob konstruktionsbedingte Mängel vorliegen. Man werde zusammen mit dem Hersteller Siemens nach den Ursachen forschen.
Und für die Zukunft will Michalek die Technik so erweitern, dass bereits präventiv eine Störung zu erkennen ist, etwa in der Phase des Hochfahrens eines Rechners. Ein Siemens-Sprecher betonte, dass es sich um eine "extrem unwahrscheinliche Sondersituation" gehandelt habe, das defekte Bauteil gelte als sehr zuverlässig.
In diesem Winter hatte die Bahn bisher vor allem mit Schnee zu kämpfen, erklärt ein Sprecher: Schnee und Eis, das von den Zügen an einer Weiche abgeschüttelt werde und ebendiese Weiche dann so blockiere, dass auch die Weichenheizung nicht mehr hinterherkomme.
(SZ vom 26.02.2010/sonn)
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Die neueste Antwort
Wie kann man dort einen Servicetechniker beschäftigen, der Panic heißt?
Vielleicht wäre ein Herr Ruhe besser am Platz.
Sehr geehrter Herr Kastner,
bitte stellen Sie beim nächsten Bericht über einen technischen Ausfall auch folgende Fragen:
Welches Teil ist ausgefallen? (das Teil könnte nach dem Bericht und Bild ein Netzteil sein, leider lassen Sie den Namen weg)
Gab es für das ausgefallene Teil ein Redundanzkonzept? Wenn nein, warum nicht?
Wer (Name/Firma) hat das Konzept für Ausfallsicherheit erstellt?
Wie hoch ist die Ausfallwahrscheinlichkeit? Erwartete Ereignisse pro Jahr? (BITTE NICHT: extrem unwahrscheinlich: Millionen hoffen jede Woche im Lotto auf sowas; und es passiert auch fast jede Woche!
Wer (Name/Firma bzw. Abteilung einer Behörde verantwortet die Beschaffung ?
Bohren Sie bitte auch intensiver nach, wenn, wie Sie berichten; für die Zukunft eine "Erweiterung" geplant ist. Das heißt doch nur, daß das bisherige Konzept nicht ausreicht! Warum?
Und warum werden solche Ereignisse nicht antizipiert? Kompetenzmangel oder Sparwahn oder ...?
Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden durch dieses Ereignis?
Wieviel kostet die Vermeidung dieses Ereignisses bzw Verringerung der Wahrscheinlichkeit?
Das alles müssen Sie sich natürlich nicht allein überlegen, stellen Sie einfach die Fragen an die Verantwortlichen und merken Sie auf und an, wenn gestottert wird.
Und wenn Sie mehr zu den menschlichen Ursachen solcher Ausfälle wissen wollen, empfehle ich Ihnen den auch heute noch bemerkenswerten Bericht von Richard Feynman über die Challenger-Katastrophe 1986 in seinem Buch "Kümmert Sie, was andere Leute denken".
Mit freundlichen Grüßen,
Ulrich
Was wollen Sie denn mit diesem bösen Artikel.
Der ADAC hat doch unser einzigartiges, herrliches, gepriesenes Münchener S-Bahn-System europaweit auf Platz Eins gewählt, mit Note "sehr gut".
Wie können Sie es da wagen zu kritisieren??!!! Nein das geht doch nicht!
Über solche Kleinigkeiten wie winzige Verspätungen, seltenste Zugausfälle, fehlende 10-Minuten-Takte zu motzen, ist ungehörig! Und wagen Sie es nicht die "high-ed" Technik unserer S-Bahn zu beleidigen. In Quagadougo wären Sie froh, wenn Sie eine S-Bahn-Tür mit Laserschranke hätten!!!
"In diesem Winter hatte die Bahn bisher vor allem mit Schnee zu kämpfen, erklärt ein Sprecher:"
scheint ja sehr ungewöhnlich zu sein, dass es in bayern im winter schneit ...
Tja was soll man sagen, sowas passiert halt.
In einer vom Menschen gesteuerten Weiche, da kann auch mal ein Fehler passieren.
Nur hat das dann wohl nicht so weitreichende Auswirkungen.
Deshalb gilt bei Computersystemen ebenfalls, dass eine Dezentralisierung und möglichst hohe Unabhängigkeit von einzelnen Ausfällen das Ganze zuverlässiger macht und die Auswirkungen in Grenzen hält.