Prostituierte in Domina-Studios Betäubungsmittel für sehr spezielle Kunden

Ein Cocktail, dessen Wirkung unvorhersehbar ist: Münchner Prostituierte haben ihren Freiern ein Betäubungsmittel gespritzt, um noch härtere Sadomaso-Praktiken anwenden zu können - und um die Kunden süchtig zu machen. Nun ist ihr Treiben aufgeflogen.

Von Susi Wimmer

Mit perfiden Tricks haben Prostituierte das Geschäft in ihren Domina-Studios angekurbelt: Die Frauen spritzten den Freiern mit deren Einverständnis das lokale Betäubungsmittel Procain, um noch härtere Sadomaso-Praktiken anwenden zu können - und um die Kunden süchtig zu machen. Am Montag setzte die Polizei dem illegalen Treiben ein Ende und stellte Hunderte von Procain-Flaschen sicher.

Über 70.000 Euro hatte allein ein 45-jähriger Münchner in den letzten eineinhalb Jahren in den Studios gelassen. Nach einigen "Sitzungen" war er süchtig nach dem Lokalanästhetikum; er verkaufte sein Auto, nahm Kredite auf, um seine Abhängigkeit finanzieren zu können. Schließlich vertraute er sich der Polizei an.

Die hatte von der Sache bereits Wind bekommen: Seit Anfang 2011 liefen die Ermittlungen, zwei Studios sowie diverse Wohnungen in der Stadt und im Landkreis hatten die Beamten im Auge. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei liefen die Sitzungen so ab, dass dem Kunden das Mittel, das in der Zahnmedizin und der Krebstherapie eingesetzt wird, nicht nur unter die Haut, sondern direkt in die Venen gespritzt wurde.

Ein 47-jähriger Mann, der mit einer Domina liiert war, legte die Zugänge, die Frauen im Alter von 33 bis 47 Jahren spritzten das Mittel vor den Sitzungen. Damit sollten spezielle Praktiken erträglich und überhaupt erst möglich gemacht werden. Während der "Anwendungen" mussten die Prostituierten sogar öfters bei ihren mehr oder weniger noch zurechnungsfähigen Kunden nachspritzen.

Eine Praxis, die nicht ungefährlich ist. Denn die intravenöse Verabreichung von Procain in erheblichen Dosierungen kann gesundheitliche und psychische Folgen haben, mitunter sogar tödlich sein. Hinzu kam, dass das Procain mit anderen Substanzen gestreckt oder verwässert wurde. Ein "Medikamenten-Cocktail", dessen Wirkung völlig unvorhersehbar war.

Nachdem die Ermittler Beweise gesammelt hatten, schlugen sie am Montag zu: Sie durchsuchten Studios und Wohnungen, stellten Procain in großen Mengen sicher. Eine 34-Jährige etwa hatte 100 Flaschen in ihrem Bestand, eine 42-Jährige gleich 145. Außerdem fanden die Beamten mehrere 10.000 Euro Bargeld.

Die sechs Prostituierten sowie der 47-jährige Mann wurden nach den Vernehmungen entlassen. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, wegen Verstöße gegen die Heilpraktiker-Verordnung, da Injektionen nur von ausgebildeten Fachkräften verabreicht werden dürfen und wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz, zumal das Procain gestreckt oder verwässert wurde. Woher der Stoff kam, ist noch unklar. Allerdings ist Procain - je nach Hersteller - nicht immer verschreibungspflichtig.