Paar verklagt Wohnungsvorbesitzer Xanthippe im Haus

Sie schimpft über den Kinderwagen im Gang und mosert, wenn der Grill angezündet wird: Weil die Nachbarin nervt, hat ein Münchner Paar die Vorbesitzer der Wohnung auf Schadenersatz verklagt. Diese hätten sie vor der Frau warnen müssen. Das Gericht sieht das anders.

Von Ekkehard Müller-Jentsch

Von seinem bösen Ehepartner kann man sich scheiden lassen - die fiesen Nachbarn wird man dagegen nicht so leicht los. Deshalb forderte ein Münchner Ehepaar von den Vorbesitzern einer Wohnung Schadenersatz. Denn kaum hatten die beiden ihre gerade gekaufte Vier-Zimmer-Wohnung bezogen, da fielen sie aus allen Wolken: Eine dauernd keifende Frau nebenan machte ihnen das Leben zur Hölle. "Die haben uns absichtlich diese schikanösen Nachbarn verschwiegen", beklagten sich nun die neuen Eigentümer. Aber bei Gericht kamen sie damit auch in zwei Instanzen nicht durch.

Spitzeln, keifen, lästern: Nachbarn können ziemlich unangenehm sein. Das Gericht sieht darin aber nicht zwingend einen Grund, Wohnungskäufer über nervende Hausbewohner aufzuklären.

(Foto: dpa)

Das junge Paar hatte 242 500 Euro für sein neues Heim bezahlt: Hier wollte es in Ruhe eine Familie gründen. Aber von wegen Ruhe: Im zweiten Stock über ihnen lebt eine Frau, die bei jeder Kleinigkeit brüllt. Wenn sich etwa Kinder im Garten oder im Treppenhaus nur mucksen, keift sie los. Und als die jungen Leute auf der Gartenterrasse, die zu ihrer Wohnung gehört, grillen wollten, hagelte es Beschwerden. Steht ein Kinderwagen im Hausflur, geht sofort das Geschrei los.

"Die Frau ist völlig unverträglich", beschwerten sich die Käufer bei den Vorbesitzern - "das ist ihnen doch alles bekannt gewesen." Solch eine Wohnung könne man auch kaum wieder verkaufen - und wenn, dann nur mit erheblichen Preisabschlägen. Deshalb forderten sie von den Verkäufern 30 000 Euro vom Kaufpreis zurück.

Die waren sich allerdings keiner Schuld bewusst. Ihr Rechtsanwalt Georg Hopfensperger versicherte nun vor Gericht: "Meine Mandanten hatten mit dieser Frau nie Probleme." Und auch von irgendwelchem außergewöhnlichen Verhalten dieser Nachbarin haben sie nie etwas erfahren.

Die Einzelrichterin der 23. Zivilkammer am Landgericht München I stellte zunächst in der Verhandlung fest, dass Nachbarschaftstreitigkeiten nichts Ungewöhnliches und damit auch "nicht ohne Weiteres aufklärungspflichtig" seien. Auch Zwistigkeiten, ob und wann gegrillt werden dürfe, seien unter Nachbarn gang und gäbe. Dasselbe gelte für besonders lärmempfindliche Nachbarn, die sich über jedes Geräusch beschweren. "Eine Aufklärungspflicht besteht erst dann, wenn der Käufer nach solchen Problemen ausdrücklich fragt", sagte die Richterin. "Oder wenn Nachbarn sich so extrem nachbarfeindlich und schikanös verhalten, dass ein unbefangener Verkäufer damit nicht rechnen muss."