Die Stadt München ist entsetzt über die drohende Verzögerung beim Ausbau der S-Bahn bis 2022. Im Gespräch mit sueddeutsche.de fordert OB Ude noch einmal, den teuren Transrapid zugunsten der zweiten Stammstrecke der S-Bahn aufzugeben.
Mit heftiger Kritik an Bayerns CSU-Regierung reagierte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) am Montag auf die Nachricht, dass die seit langem geplante zweite Stammstrecke quer durch die Innenstadt laut internen Unterlagen der Deutschen Bahn (DB) erst 2022 fertig werden soll.
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"Das übertrifft alle Befürchtungen, dass der Transrapid zu Lasten der S-Bahn geht", sagte Ude im Gespräch mit sueddeutsche.de und forderte erneut, die von der Innenstadt zum Flughafen geplante Magnetschwebebahn aufzugeben. "Während die Staatsregierung beim Transrapid mit Spendierhosen herumläuft und Wunderdinge verspricht, fehlt für den unabdingbaren Ausbau der S-Bahn das Geld."
Mit Bayerns früherem Verkehrsminister Otto Wiesheu sei er sich schon vor Jahren einig gewesen, dass ein zweiter Tunnel für die S-Bahn in München notwendig sei, um das ständig wachsende Fahrgastaufkommen bewältigen zu können. Nach den ursprünglichen Plänen hätte mit dem Bau der zweiten Stammstrecke eigentlich schon begonnen werden sollen, äußerte der Oberbürgermeister. Stattdessen werde das Projekt vom Verkehrsministerium "auf die lange Bank geschoben".
Ude will nun sowohl bei Bayerns neuer Verkehrsministerin Emilia Müller (CSU) wie auch bei Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) vorstellig werden und wissen, was aus dem zweiten Tunnel wird. Über die Finanzierung des zwei Milliarden Euro teuren Projekts hätten Bahn, Bund und Land schon oft und "fruchtlos" verhandelt, ohne die Stadt über den Stand der Dinge zu informieren. "Wir haben zwar schon von großen Schwierigkeiten bei der zweiten Stammstrecke gehört, aber wir sind nie offiziell unterrichtet worden." Das müsse nun nachgeholt werden.
Nur mit der zweiten Stammstrecke könne der Takt auf allen sieben Linien der S-Bahn in der Hauptverkehrszeit auf zehn Minuten verkürzt werden, sagte der Oberbürgermeister. Außerdem sei die S-Bahn dann bei Störungen in der Innenstadt nicht gleich komplett blockiert. Die Region könne nicht noch eineinhalb Jahrzehnte auf diese Fortschritte warten. "Hier kann man uns nicht länger vertrösten, nachdem wir schon ein Jahrzehnt der Enttäuschungen hinter uns haben." Der Freistaat müsse alles tun, um das Projekt zu verwirklichen.
Die Aussage, das für den Transrapid vorgesehene Geld lasse sich nicht anders ausgeben, sei Augenwischerei. "Kein Mensch hindert die Landesregierung daran, die von ihr für den Transrapid reservierte halbe Milliarde Euro anders zu investieren." Das gelte auch für die Transrapid-Mittel des Bundes.
Ude will sich auch an die Deutsche Bahn wenden, um mehr Informationen zu erhalten. Sollte die DB die Fertigstellung der zweiten Stammstrecke tatsächlich erst für 2022 planen, dann würde das "die Glaubwürdigkeit der Bahn erschüttern, wenn nicht gar zerstören". Über die voraussichtliche Verzögerung bis 2022 hat der Bahnvorstand den Aufsichtsrat des Staatsunternehmens informiert, der am Mittwoch in Berlin tagt. Diese Sitzung will Ude noch abwarten, bevor er sich an Müller und Tiefensee wendet.
Keine Diskussion um den Verlauf der zweiten Stammstrecke
Anders als die Grünen, mit denen die SPD in München regiert, lehnt der Oberbürgermeister eine erneute Debatte über einen anderen Verlauf der zweiten Stammstrecke ab. Der von den Grünen geforderte oberirdische Ausbau des Südrings hätte "gigantische Rechtsstreitigkeiten zur Folge", die solch ein Projekt stark verzögern würden. Nur bei der Tunnel-Lösung sei nicht mit Einsprüchen der Anwohner zu rechnen. Da sei er, Ude, sich mit dem Freistaat einig.
Die Grünen sehen das anders. "Die Diskussion um den Südring wird kommen", sagte Münchens Dritter Bürgermeister Hep Monatzeder. Der Südring ließe sich schneller verwirklichen als ein zweiter Tunnel für die S-Bahn. "Wir diskutieren über die Feinstaubbelastung durch den Autoverkehr und schaffen es nicht, die S-Bahn auszubauen", bemängelte der Bürgermeister. Monatzeder unterstellte Bayerns CSU-Regierung, den Transrapid ganz bewusst auf Kosten der S-Bahn voranzutreiben. Die S-Bahn sei für den Großraum München aber wesentlich wichtiger als der Transrapid.
(sueddeutsche.de/wib)
Die neueste Antwort
OB Ude pocht auf zweite Stammstrecke
"S-Bahn wichtiger als Transrapid" vom 03.12.07/11.43 Uhr
Es liegt noch viel im Dunkeln bei dem Projekt, aber gegen die Falschaussagen von OB Ude wehren wir uns vehement im Namen unserer Mitglieder, der schwerstbetroffenen Haidhauser Bürger und der 600 Einwendungsführer die schon seit 2 Jahren mit einer Klage gegen dieses Projekt drohen.
"---Der von den Grünen geforderte oberirdische Ausbau des
Südrings hätte gigantische Rechtsstreitigkeiten zur Folge, die solch ein Projekt
stark verzögern würden. Nur bei der Tunnel-Lösung sei nicht mit Einsprüchen der
Anwohner zu rechnen. Da sei er, Ude, sich mit dem Freistaat einig.---"
R I C H T I G I S T ,
dass bei der Südring-Variante noch kein Planfestellungsverfahren eingeleitet wurde und die gigantischen Rechtsstreitigkeiten auch von uns - gegen die Tunnellösung ausgehen werden.
Bei der Südring-Variante liegen definitiv noch keine Einwendungen vor. Wie auch? Diese in jeder Hinsicht wesentlich bessere und in jedem Fall auch finanziell tragbare Lösung wird weder vom Vorhabenträger als realisierbare Option eingebracht, noch von der Politik gefordert.
Die angeblichen Enteignungsprobleme in der Vergleichsstudie von 2001 (das war die Grundlage für die damalige Stadtratsentscheidung) waren seinerzeit schon weit übertrieben. Sie beruhten auf einer ungünstigen, schlampigen Planung für den Gleisausbau.
Heute liegt eine Planung vor die beweist, dass man das Problem ohne Gleiserweiterung, d.h. ohne jeglichen zusätzlichen Flächenbedarf lösen könnte.
Gebündelte Informationen erhalten Sie unter www.tunnelaktion.de
sorry, ich meinte im jahr 2005
Was für ein schwachsinn.
Der NKU beim Transrapid ist je nach Quelle zwischen 1,5 und 3,5.
Selbst wenn beide Werte schöngerechnet sind (was der Freistaat, der Bund und die Bahn als allererstes wüsten, da sie ja direkt an der Quelle sitzen) lassen sie das Projekt für alle beteiligten machbar und vorteilhaft erscheinen. Deshalb stehen sowohl Bund, als auch Freistaat und auch die Bahn als Betreiber zum Transrapid.
Die 2.S-Bahn Stammstrecke wird vom selben Bund, dem selben Freistaat und der selben Bahn finanziert bzw. betrieben, und man kann davon ausgehen, das diese drei die einzigen sind,die die wahren Zahlen kennen, es aber trotz blumigster schönrechnerei nicht hinbkommen, den Wert über 1 zu drücken.
Und das obwohl sowohl Freistaat als auch Bahn wieder und wieder gesagt haben, der 2.Stammstreckentunnel sei wichtig und richtig...
Und die Tatsache, das der Einfluss auf andere Verkehrsträger(Strasse) bei der erstellung eines öfentlichen Nahverkehsmittels sinn macht, liegt auf der Hand. Schliesslich möchte man ja die menschen vom Auto und vom Taxi wegbekommen.
Nur mal rein hypotetisch: Der TR scheitert, warum auch auch immer, aber der NKU für die zweite stammstrecke dümpelt weiterhin bei deutlich unter 1, dann kann man sich sicher sein, das Sie trotzdem nicht gebaut wird. Und damit dann übrigens auch kein langfristig tragbares Konzept für die Express-S-Bahn möglich ist.
Edit : Ich habe von einem Beteiligten im Jahr 2004 gehört, das bei Kosten von 1,4 Milliarden der NKU gerade bei 1 liegt. Jetzt sind wir bei 2 MIlliarden....
@ qube
Die NKU dient dazu, Verkehrsprojekte vergleichbar zu machen; also festzustellen: Wo bringen die investierten Steuergelder den größtmöglichen Nutzen? Deshalb ist es wichtig, dass die NKU immer auf gleiche Weise durchgeführt wird!
Beim Transrapid hat man sich nicht daran gehalten: Es wurden, wie Sie richtig schrieben, Auswirkungen auf andere Verkehrsträger mit berücksichtigt. Das ist aber bisher nicht üblich, damit ist das Ergebnis des Transrapid nicht vergleichbar. Desweiteren wurden sogar mögliche Export-Erfolge des Transrapid eingerechnet, obwohl dies pure Spekulation ist (und der Transrapid seit Jahrzehnten ein Ladenhüter-Dasein fristet). Der Bundesrechnungshof hatte also absolut recht, den Transrapid nach unten zu korrigieren.
Wenn Sie jetzt aber kategorisch sagen, Verkehrsprojekte mit einem NKU-Faktor unter 1 dürfen nicht gebaut werden (wofür einiges spricht), dann muss das genauso für den Transrapid gelten.
Gerhard
Der Bundesrechnungshof hat den eigentlich korrekten NKU nach "unten korrigiert". Der NKU soll den Gesamtwirtschaftlichen Nutzen bewerten. Positive Auswirkungen auf andere Verkehrswege (z.B. BAB) wurden jedoch bewusst wieder herausgerechnet. Denn: Je weniger positive Nebeneffekte dem TR zugeschlagen werden, desto schlechter wird der NKU.
Der NKU der 2. S-Bahn-Röhre wird selbst mit aberwitzigsten Tricksereien nicht gleich eins oder größer. Das ist auch der Grund für den Bauaufschub, nicht der TR.
Der eigentliche Skandal ist, dass Gegner des TR inzwischen wirklich alles behaupten - ohne der Realität auch nur aus versehen Nahe zu kommen.
Paging