Service für Familien Fahrdienst für Kinder: Mit dem Chauffeur zum Taekwondo

CareDriver-Fahrer Peter Daum bringt Emil und Lisa zum Sport. Ihre Mütter Zoohra Maudodi (rechts) und Mo Zhang sind froh über den Service.

(Foto: A. Schellnegger)
  • CareDriver ist ein Fahrdienst, den es deutschlandweit nur in München gibt.
  • Feste Chauffeure holen Kinder oder Senioren ab, die zu ihren Terminen gebracht werden müssen.
  • Wer das Angebot in Anspruch nehmen will, braucht ein Smartphone, eine Kreditkarte oder einen Paypal-Account.
Von Melanie Staudinger

Lisa klettert auf den Rücksitz, genau dorthin, wo vor gar nicht allzu langer Zeit Verteidigungsminister und andere hochrangige Politiker Platz genommen haben. Hinter ihr steigt auch Emil in die große Limousine mit den verdunkelten Scheiben. Die beiden haben nicht viel Zeit: In 15 Minuten schon werden sie bei ihrem nächsten Termin erwartet. Knapp fünf Kilometer misst die Strecke von der Weißenseestraße bis zur Rosenheimer Straße - kein Problem für Chauffeur Peter Daum. Jetzt, um 16 Uhr, hat der Berufsverkehr noch nicht eingesetzt.

Die Zweitklässler Lisa und Emil werden es auch an diesem Montag pünktlich zum Taekwondo-Training schaffen, trotz Ganztagsunterrichts. Ihre Eltern haben dafür extra Fahrer Daum engagiert, der für das neue Münchner Unternehmen CareDriver arbeitet.

Das Prinzip, das dahintersteht, ist einfach. So schlicht eigentlich, dass es fast verwundert, dass es ein solches Angebot nicht schon länger gibt. Denn welche Familie kennt das nicht: Vater und Mutter sind in der Arbeit, die Tochter müsste aber dringend nach der Schule ins Ballett oder der Sohn zum Fußballtraining. Wer auf Großeltern, Patentante, Onkel oder Freunde zurückgreifen kann, hat Glück. Doch gerade in einer Zuzugstadt wie München hat nicht jeder seine Familie parat. Oftmals springen Studenten als Babysitter ein, die wiederum in der Prüfungszeit schwierig zu bekommen sind. Ungeklärt bleibt zudem die Versicherungsfrage.

Hier setzt CareDriver an. Wer das Angebot in Anspruch nehmen will, braucht ein Smartphone, eine Kreditkarte oder einen Paypal-Account. Per Handy können die Familien einen Fahrer buchen, der die Kinder zur vereinbarten Zeit abholt. "Das ist aber nur eine denkbare Variante", sagt Geschäftsführer Markus Feichtinger, selbst Vater von zwei Söhnen im Grundschulalter. Er könne sich als Kunden auch Menschen mit Verletzungen vorstellen, die einen Chauffeur zum Supermarkt brauchen oder Senioren, die von einer festen Person zum Arzt gebracht werden wollen.

Mo Zhang, die Mutter von Lisa, befand sich tatsächlich in einer Zwickmühle. Die ältere Tochter hat montags nach der Schule Taekwondo, die jüngere gleichzeitig Klavierunterricht. "Ich kann nicht zur selben Zeit an zwei Orten sein", sagt Mo Zhang. Zu Fuß kann die Tochter aber auch nicht gehen, weil die Zeit zwischen dem Schulende und dem Sportkurs zu knapp bemessen ist. Die Familie hat viel ausprobiert: Studentische Babysitter aber verfügen meist über kein eigenes Auto. Würde Mo Zhang ein Taxi bestellen, käme jedes Mal ein anderer Fahrer.

Gesucht: Ein freundlicher, verlässlicher Fahrer

Sie fragte im Freundeskreis, suchte im Internet - und fand schließlich CareDriver. Die Kosten von 16 Euro plus 1,10 Euro je gefahrenen Kilometer teilt sie sich mit Zoohra Maudodi, deren Sohn Emil mit Lisa in die Klasse geht. "Ich will einen verlässlichen Fahrer, der zuverlässig kommt", sagt Mo Zhang. Den habe sie in Peter Daum gefunden. Sie habe seine Nummer, könne ihn auch kurzfristig erreichen. Und ihre Tochter sei mächtig stolz, dass sie montags immer vom eigenen Chauffeur abgeholt werde.

Die Idee zu CareDriver stammt aus der tschechischen Kreativ-Schmiede Creative Dock, genauer gesagt von Edward Meegan aus den Vereinigten Staaten. Berufliche Verpflichtung und Kinder unter einen Hut zu bringen, ist schon schwierig genug. Wenn man dann auch noch zusätzlich Senioren betreuen muss, führt dies meist zu zeitlichen Engpässen. Meegan schwebte eine Art Mary Poppins vor, eine Person, die sich bei Bedarf um alles kümmert, die Kinder versorgt und sie zu Freizeitaktivitäten begleitet. In den USA gibt es solche Services schon, in Deutschland hingegen ist München nun Vorreiter.

Das Unternehmen versucht, die Stadt zu verstehen

Die Stadt ist bewusst gewählt: Eine hohe Geburtenrate, viele Kinder und Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind - das seien ideale Startbedingungen für CareDriver, das noch ein kleines Angebot sei, erklärt Feichtinger. Zehn Familien nehmen den Service mittlerweile in Anspruch, 30 Jobs sind gebucht. "Wir versuchen gerade zu verstehen, wie der Markt funktioniert", sagt er. Denn anders als in den USA sind in Deutschland die Vorschriften viel strikter. So brauchen die Fahrer neben einem eigenen Auto und einen Führerschein auch einen Personenbeförderungsschein. Sie sind auf freiberuflicher Basis tätig - auch ein Experiment.

Ein Wagnis, das Peter Daum reizte. Er habe sich sofort beworben, als er die Stellenanzeige im Internet gelesen hat. 20 Jahre lang war er als Busfahrer unterwegs, kutschierte Schulklassen zu Fahrten, brachte Kinder in die Schule. Kein Job für schwache Nerven. Heute verdient er sein Geld vor allem mit Chauffeursdiensten zum Flughafen. Erstmals arbeitete er heuer bei der Münchner Sicherheitskonferenz und fuhr internationale Delegationen zu den Besprechungen.

Montags hat er nun immer zwei besondere Fahrgäste, Lisa und Emil. "Klar ist das anders", sagt Daum. Schließlich seien Kinder viel lebendigere Fahrgäste als Erwachsene. Das aber störe ihn nicht - solange alles heil bleibe. An der Grundschule von Lisa und Emil ist er schon aufgefallen mit der schwarzen Mercedes E-Klasse. Doch auch für solche Situationen ist er gerüstet: Jeder Fahrer führt eine Einverständniserklärung der Eltern mit, dass er die Kinder auch abholen darf.