Moshammers Erbe Die Vermächtnisse des Modehändlers

Rudolph Moshammer hat seinen Geschäftspartner Walter Käßmeyer zum Haupterben bestimmt. Auch Angestellte und Obdachlosenhilfe werden im Testament bedacht.

Von Von Gunnar Herrmann

Wie das Amtsgericht München gestern bestätigte, soll der in der Öffentlichkeit kaum bekannte Immobilienhändler das gesamte Vermögen übernehmen.

Ob der 76-Jährige das Erbe antritt, ist offen. Erst wolle er prüfen, wie groß das Vermögen überhaupt sei, sagte Käßmeyers Sprecher, Xander Heijnen.

Sollte Käßmeyer sich für die Erbschaft entscheiden, werde er nichts für sich behalten, sondern das Geld "im Sinne Moshammers" verteilen. Außerdem muss Käßmeyer aus dem Erbe die Vermächtnisse des ermordeten Modehändlers auszahlen.

Daisy wohnt in der Villa

Unter anderem hat Moshammer verfügt, dass sein Chauffeur, seine Haushälterin und die Pächterin seines Wirtshauses "Hundskugel" finanziell versorgt werden. Außerdem hat er der Obdachlosen-Hilfe einen Teil seines Besitzes vermacht.

Seine Hündin Daisy darf bis zu ihrem Tod in Moshammers Grünwalder Villa bleiben. Derzeit kümmert sich der Chauffeur um das Tier. Die Villa soll dann verkauft und das Geld für wohltätige Zwecke gespendet werden.

Hundskugel: Vertrag auf Lebenszeit

Käßmeyer hatte Moshammer seit 1966 beim Aufbau seiner Boutique finanziell unterstützt, noch heute besitzt er 50 Prozent der Firma "Carnaval de Venise". Ihm gehört auch das Haus in der Maximilianstraße, in dem Moshammer seinen Laden hatte.

Wie es damit weiter geht, wollte Käßmeyer noch nicht sagen. Da Heijnen zufolge im Testament nichts Anderes verfügt wird, erbt Käßmeyer vermutlich Moshammers Anteile und ist damit alleiniger Besitzer der Firma.

Die Wirtin von Moshammers Gasthaus "Hundskugel", Barbara Sigg, braucht sich keine Sorgen zu machen: Laut Heijnen läuft ihr Pachtvertrag auf Lebenszeit, die Pacht darf nicht erhöht werden.

Zukunft des Vereins unklar

Auf jeden Fall wird die Obdachlosenhilfe vom Erbe profitieren. Moshammers Bankkonto-Guthaben kommt seinem Verein "Licht für Obdachlose" zugute. Ob der Verein fortbesteht, ist unklar.

Nach Moshammers Tod ist sein Buchhalter für die Vereinsgeschäfte zuständig. Er ist aber nach Auskunft seiner Kinder schwer erkrankt und derzeit nicht ansprechbar.

Der Obdachlosen-Zeitung Biss vermachte Moshammer den Erlös aus dem Verkauf von Autos und Schmuck. Biss-Chefin Hildegard Denninger sagte, sie wisse noch nichts über den Inhalt des Testaments. "Aber wenn wir eine größere Summe bekommen, haben wird bereits zwei oder drei Projekte in der Schublade, die wir damit finanzieren könnten."

Biss-Verkäufer - eh bald Millionäre

Über den Trubel um Moshammers Erbe ist sie nicht sehr glücklich. Einigen ihrer Zeitungs-Verkäufer sei in den vergangenen Tagen von Passanten gesagt worden: "Euch geb ich nichts mehr, ihr seid ja eh bald Millionäre."

Das, sagt Denninger, werde sicher nicht passieren. "Sollten wir etwas erben, wird das Geld nur für Hilfsprojekte verwendet, nicht an Einzelne."

(SZ vom 22.01.2005)