Kirchentag der Neuapostolen Beten mit dem Stammapostel

Premiere für die Neuapostolische Kirche: Zum ersten Mal seit ihrer Gründung vor 151 Jahren feiert sie einen internationalen Kirchentag. Bis zu 50 000 Besucher werden in München erwartet - sie besetzen den ganzen Olympiapark.

Von Jakob Wetzel

Es ist ein Wochenende zum Kennenlernen: Bis Pfingstsonntag feiert die Neuapostolische Kirche im Münchner Olympiapark einen internationalen Kirchentag, und sie erwartet dazu bis zu 50 000 Besucher aus aller Welt. Dies wäre eine imposante Zahl: Behalten die Veranstalter recht, kommen ähnlich viele Gäste wie eine Woche zuvor zum Deutschen Katholikentag in Regensburg.

Und so hat die Neuapostolische Kirche nicht nur das Stadion und sämtliche Hallen im Olympiapark gemietet, sondern stellt zusätzlich mehrere Großzelte auf. Und auch die Münchner Verkehrsgesellschaft hat sich auf Andrang eingestellt: Auf der U-Bahn-Linie U 3 zum Olympiapark setzt sie vorübergehend doppelt so viele Züge ein, auch auf der U 8 gibt es Verstärkerzüge.

Für die Neuapostolische Kirche ist der Kirchentag eine Premiere: Es ist die erste internationale Zusammenkunft seit ihrer Gründung vor 151 Jahren. Eng wird es vor allem am Sonntagvormittag zum Höhepunkt des Kirchentags werden, dem Pfingstgottesdienst um 10 Uhr im Olympiastadion. Er wird vom weltweit höchsten Geistlichen der Kirche, Stammapostel Jean-Luc Schneider, gefeiert und live in mehrere Länder übertragen. Darüber hinaus sind mehr als 250 Veranstaltungen im Programm, vom neuapostolischen Biker-Treff über Taizé-Gesänge und Klangschalen-Massagen bis hin zu Podiumsdiskussionen zu gesellschaftlichen Streitfragen.

Besucher von den großen Kirchen

Dass dabei immer herzhaft gestritten wird, ist freilich nicht zu erwarten. Im Zentrum des Kirchentags steht die Besinnung auf den Glauben; viele Podien sind wenig kontrovers besetzt, dienen eher dem Austausch und der Information und tragen Titel wie "Leben mit Behinderung - na und?" oder "Organspende, was sagt die Kirche dazu?" Bei dieser Veranstaltung am Freitag um 20 Uhr in der Kleinen Olympiahalle sollen zum Beispiel zunächst Argumente diskutiert werden; zum Abschluss wird dann die Haltung der Neuapostolischen Kirche präsentiert. (Sie erhebt keine Einwände.)

Ganz unter sich bleiben die neuapostolischen Christen aber nicht: Sie bekommen Besuch unter anderem von Benediktinerpater Anselm Grün, der über das "Reich Gottes unter uns" spricht, die Stelle aus dem Lukas-Evangelium ist das Motto des Kirchentags. Und zu einer Podiumsdiskussion am Samstag um 11 Uhr in der Olympiahalle über die Ökumene haben sich unter anderem der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Reinhard Hempelmann, der emeritierte Religionswissenschaftler Helmut Obst sowie Maria Stettner, die evangelische Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), angekündigt. Sie wollen über den neuen Katechismus sprechen, das Grundlagenwerk über den Glauben der Neuapostolischen Kirche, das vor zwei Jahren fertiggestellt worden ist.

Der Kontakt zu den großen christlichen Kirchen ist gewollt, wenn er auch erst seit wenigen Jahren und bislang nur in Grenzen gepflegt wird. Lange stand die Neuapostolische Kirche für sich; an ökumenischen Gottesdiensten könne sie sich derzeit nicht beteiligen, heißt es. Mitglied der ACK ist sie selbst nicht.

An diesem Wochenende sucht die Kirche den Kontakt. Auf dem Coubertinplatz gibt es etwa am Stand der Neuapostolischen Kirche Norddeutschland eine "gemütliche Ostfriesen-Tee-Ecke", am Südost-Asien-Stand können die Besucher mit Bambus-Instrumenten musizieren. Am Stand der Kirche von Mitteldeutschland gibt es einen Wettkampf für Kinder mit Würfelspielen und Bilderpuzzle, und das Schweizer Bezirksapostolat hat ein Wiener Kaffeehaus eingerichtet. Sie wollen ins Gespräch kommen.

Informationen unter: www.ikt2014.org

Begossen und beglückt

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