Grand Prix auf jüdisch Trällern beim "Jewrovision" Song Contest

Backstage, der Raum nebenan: Alina sitzt mit ihrer zwölfköpfigen Gruppe vor der Leinwand und erwartet gespannt die erste Einlage. Hinter und neben ihr dehnen sich Tänzerinnen, andere essen Pizza, trinken, besprechen die Choreographie, laufen rum, setzen sich, stehen wieder auf. Es riecht nach Energie, genauer gesagt nach Bananen.

Berlin startet aus dem Dunkeln in den bestrahlten Nebel, der erste und einzige Buh-Ruf, Gesang und Tanz, Jubel. Dann kommen Augsburg und Düsseldorf. Alina sagt: "Es ist schön, jüdische Leute kennen zu lernen. Das ist hier ein bisschen wie ein Familientreffen."

Neben ihr sitzt der elfjährige Dima. Nervös, vor 700 Zuschauern aufzutreten? "Es sind 850!" So viele waren es seit dem Start vor sieben Jahren noch nie. Draußen im Saal wird gelacht, als der Moderator den Song "Jewish Lover" ankündigt und sagt: "Ein guter Jude - steinreich und attraktiv."

Ralph Siegel sagt in der Pause: "Diese herzlichen Emotionen im Saal - das ist eine liebenswerte Miniaturausgabe des Grand Prix." Zur zweiten Hälfte tritt das Gähnen in den vorderen Reihen in Konkurrenz zum Jubeln, manche wandern nach hinten zu den Eltern. Töchter lehnen sich an mütterliche Schultern, aber zum Jubeln richten sie sich immer wieder auf.

Alina wird langsam nervös. Gleich sind sie dran. "Es kribbelt überall." Dima nickt zustimmend. Sie singen sich ein. Bei fast allen Gruppen stimmt die Choreographie, nur im Gesang unterscheiden sie sich.

Um Viertel nach eins wird gewählt, München landet auf Platz fünf, Sieger wird Düsseldorf mit der schönsten Stimme. Dann teilt sich die Gruppe, die Jüngsten müssen nach Hause, die anderen feiern weiter, bis um vier Uhr. Die Aufregung legt sich. Alina lernt jemanden aus Heidelberg und Augsburg kennen. Und die Jüngsten? Am nächsten Tag geht das Gerücht um, dass auch Dima & Co noch bis tief in die Nacht beim Spielen Freundschaften knüpften.