Spektakulärer Unfall Lastwagen außer Kontrolle

Nach dem Asthmaanfall eines Autofahrers kommt es auf der B 2 bei Puch zu einer folgenschweren Kettenreaktion: Ein Sattelschlepper gerät ins Schleudern, rauscht gegen andere Fahrzeuge und landet im Büro einer Schlosserei

Von Petra Fröschl

Nach einer langen Schleuderfahrt kommt der Lastwagen in der Mauer eines Schlossereibüros zum Stehen.

(Foto: Günther Reger)

Zwar hat es auf der B 2 bei Puch an der Einmündung zur Langbehnstraße früher oft gekracht. So einen spektakulären Unfall wie am Mittwoch haben die Anwohner dort aber noch nicht erlebt. Weil ein Autofahrer am Steuer einen Asthmaanfall erlitt und auf die Gegenfahrbahn geriet, löste er eine folgenschwere Kettenreaktion aus: Der entgegenkommende Lastwagen konnte nicht mehr ausweichen, schleuderte gegen zwei weitere Kleinwagen, durchbrach einen Grundstückszaun, pflügte 50 Meter Garten um und kam erst in der Mauer eines Schlossereibüros zum Stehen. Wie durch ein Wunder wurde niemand schwerer verletzt.

Nach Angaben der Polizei ereignete sich der Unfall im Brucker Ortsteil Puch gegen 7 Uhr morgens. Ein 49-jähriger Mann aus dem Landkreis Aichach-Friedberg war auf der B 2 in Richtung Bruck unterwegs. Kurz vor der Einmündung zur Langbehnstraße bekam er laut Polizei offenbar einen Asthmaanfall und geriet nach links auf die Gegenspur. Dort kam ihm ein Silolaster entgegen, den ein Mann aus Poing (Landkreis Ebersberg) steuerte. Der 54-Jährige versuchte auszuweichen und riss das Lenkrad nach links, konnte einen Zusammenstoß aber nicht mehr vermeiden; er prallte mit dem Kleinwagen zusammen, der mehrere Meter weiter hinten auf der B 2 zum Stehen kam. Der Autofahrer trug mittelschwere Verletzungen davon.

Dann ging die Schleuderfahrt des Lastwagens weiter. Der 54-Jährige stieß mit einem weiteren Kleinwagen zusammen, der auf der B 2 auf dem Weg nach Bruck war, und schleuderte diesen gegen eine Gartenmauer. Danach rammte der Poinger noch einen anderen Wagen, dessen Fahrer gerade von der Langbehnstraße nach links in die B 2 einbiegen wollte. Beide Insassen blieben unverletzt, ihre Fahrzeuge wurden zerstört. Trotz der drei Zusammenstöße, und obwohl es an der Stelle leicht bergauf geht, hatte das tonnenschwere Gefährt noch eine solche Wucht, dass es über den Radweg und einen breiten Grünstreifen fuhr, bei dem an der Ecke befindlichen Schlosserei- und Edelstahldesignbetrieb den Zaun samt Sockel durchbrach, durch den Schaugarten und einen Zierteich preschte und mehrere Skulpturen umnietete. Erst nachdem der Lastwagen die Mauer zum Büro der Schlosserei durchbrochen hatte, kam er zum Stehen.

Der Fahrer hatte großes Glück, dass er nur leichte Blessuren davontrug, denn Balken hatten sich in sein Führerhaus gebohrt, den Mann aber verfehlt. "Ein Glück war es auch, dass der Betriebsleiter um diese Zeit noch nicht im Büro war", sagt Fürstenfeldbrucks Dritter Bürgermeister Ulrich Schmetz, der in Puch wohnt und später an den Ort des Geschehens kam. Wäre der Laster ein paar Meter weiter westlich gegen die Mauer gedonnert, hätte er einen großen Flüssiggastank getroffen. "Das hätte eine richtige Katastrophe gegeben", so Schmetz. Die materiellen Folgen sind aber auch so erheblich: Alle vier am Unfall beteiligten Fahrzeuge haben Totalschaden, der am Schlossereigebäude entstandene Schaden dürfte sich ersten Schätzungen zufolge auf über 100 000 Euro summieren.

Obwohl die Schleuderfahrt sehr lange dauerte, war der Lkw-Fahrer laut Polizei nicht zu schnell unterwegs. Das habe die Auswertung der Tachoscheibe ergeben. Auf der B 2 sind im Bereich der Einmündung zur Langbehnstraße 60 Stundenkilometer erlaubt, später 80. Berichte von Augenzeugen, dass die B 2 zu dieser frühen Morgenstunde wegen Frostes und Raureifs glatt war, bestätigte ein Polizeisprecher am Donnerstag nicht. Die Straße sei trocken gewesen, sagte er. Bremsspuren sind an der Einmündung keine zu sehen.

Nach dem Unfall musste die Bundesstraße am Mittwochmorgen für knapp zwei Stunden komplett gesperrt werden. Um die Mittagszeit herum wurde sie dann bis circa 13.30 Uhr erneut abgeriegelt, um den Lastwagen zu bergen. Ein Spezialunternehmen zog das Fahrzeug mit Stahlseilen und modernen Fahrzeugen behutsam aus dem Gemäuer. Weil fast der komplette Inhalt des Lkw-Dieseltanks ins Erdreich sickerte, trugen Bauhofmitarbeiter Erde ab. Zwei Container am Straßenrand zeugen davon, es sind noch weitere Arbeiten nötig.

In Fürstenfeldbruck war der Unfall am Mittwoch und Donnerstag Gesprächsthema Nummer eins. Am Donnerstag kamen immer wieder Schaulustige zur Unfallstelle, um Fotos zu machen und den Schaden zu begutachten. "Wir haben morgens die Sirenen gehört und abends im Fernsehen davon gesehen", berichtet beispielsweise ein Ehepaar aus Fürstenfeldbruck, das mit dem Rad gekommen ist. "Wahnsinn", entfährt es einer Anwohnerin immer wieder. In der Tat hat der Lastwagen in dem Garten eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Ein kleiner Brunnen und ein Rosenbogen stehen zwar noch, doch daneben haben sich die Räder tief in die Erde gewühlt und einen Teil des Zierteichs unter sich begraben. Dort, wo vorher das Büro der dahinter liegenden Werkstatt war, klafft jetzt ein riesiges Loch. Davor liegt ein Schuttberg aus Fensterrahmen, Schranktüren, Sesseln, abgeknickten Zweigen, Dämmmaterial und Holzwolle.

"Dass der Lkw-Fahrer den Unfall überlebt hat, ist ein Wunder", sagt die Nachbarin von gegenüber und lässt ihren Blick über den Garten schweifen. Und auch, dass gerade niemand auf dem Radweg unterwegs war. Die Frau war gerade beim Frühstück, als sie den lauten Krach hörte. Das sei zwar nicht ungewöhnlich, denn auch in ihrem Garten seien schon viele Autofahrer gelandet. Doch so ein Ausmaß hätten diese Unfälle nicht gehabt. Allein von den Feuerwehren aus Fürstenfeldbruck, Aich, Puch und Mammendorf waren etwa 50 Mann im Einsatz, hinzu kamen viele Rettungskräfte und Polizisten.

Schmetz bestätigt, dass der B-2-Abschnitt bei Puch früher ein Unfallschwerpunkt war. Doch seit der Pucher Berg ausgebaut und übersichtlicher gemacht wurde, habe sich die Situation verbessert. Seit längerem sei eine Abbiegespur in die Langbehnstraße geplant, sagt Schmetz. Ob die den Unfall vermieden hätte, sei aber fraglich. Ein wenig breiter wäre die Straße an dieser Stelle dann vielleicht gewesen.