Freisings Grüne nominieren Magerl ruft zur Ablösung der CSU auf

Überraschung: Johannes Becher geht als Direktkandidat für den Bezirkstag ins Rennen

Von Peter Becker

- Andreas Ammer hätte gern gewollt, wenn die Kreistagsfraktion der Grünen ihn denn gelassen hätte: Der 53-jährige Sozialpädagoge wäre gern ein drittes Mal für die Umweltpartei in den Bezirkstag eingezogen. Doch, und das ist die eigentliche Überraschung der Nominierungsversammlung am Dienstagabend, er unterlag in einer Kampfabstimmung seinem um knapp 30 Jahre jüngeren Konkurrenten Johannes Becher mit 15:19 Stimmen. Ursache für diese Niederlage scheint unter anderem die mangelnde Präsenz von Ammer bei Kreisversammlungen in den vergangenen fünf Jahren zu sein.

Ein Selbstläufer war dagegen die erneute Kandidatur von Christian Magerl für den Landtag. Der schwor die Grünen in seiner Bewerbungsrede gleich auf einen harten Wahlkampf ein, der seiner Meinung nach durchaus auch "schmutzig" geraten könnte. Seiner Einschätzung nach fürchtet nämlich die CSU um ihr Machtmonopol in Bayern. Magerl, 1986 zum ersten Mal Mitglied im Landtag, sieht die Christsozialen im Niedergang begriffen. Er hat damals die Zeit der CSU-Granden wie Franz-Josef Strauß, Gerold Tandler und Max Streibl miterlebt. Von den aktuellen Politikern der Christsozialen hat seiner Ansicht nach keiner deren Format.

Dass die CSU nervös ist und um ihr Machtmonopol in Bayern bangt, liest Magerl auch daran ab, dass sie den bevorstehenden Wahlkampf in Anlehnung an den irakischen Diktator Saddam Hussein als "Mutter aller Wahlkämpfe" ausgerufen hat. Der Landtagsabgeordnete zieht daraus einen positiven Schluss: "Nervöse Gegner sind die, die man schlagen kann." Zusammen mit den Freien Wählern und der SPD soll die CSU in die Opposition gedrängt werden. "Wir müssen unseren Beitrag in diesem Dreier-Bündnis leisten", schwor Magerl die Versammlung ein. Dazu müssten die Grünen nur mit "ihren Pfunden wuchern". Als da sind Glaubwürdigkeit und Geradlinigkeit, wie bereits der Bundestagskandidat Michael Stanglmaier in einer kurzen Rede betont hatte.

Magerl verwies auch auf die Verdienste der Grünen im Widerstand gegen die dritte Startbahn am Flughafen. "Wir waren die Partei, die auf politischer Ebene an vorderster Front gekämpft hat", betonte er. Abgesehen von den Bürgerinitiativen in der Region. Um diesen Erfolg lasse man sich auch durch Tricksereien anderer Mitbewerber nicht betrügen. Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, bleibe allerdings nicht. "Der Kampf geht weiter", betonte Magerl und verwies darauf, dass die Flughafen München GmbH (FMG) den Prozess um den Bau der zusätzlichen Startbahn durchziehen werde. Wer diese nicht wolle, müsse die CSU abwählen, sagte Magerl. Denn die Christsozialen beharren nach wie vor auf deren Bau. In jedem Fall stehe für die Grünen aber auch der bessere Anschluss des Flughafens an das Verkehrsnetz im Vordergrund.

Die Kompetenz in Sachen Energiewende sieht Magerl ebenso auf Seiten der Grünen. Schließlich seien diese schon vor der Havarie des Reaktors in Fukushima für den Ausstieg aus der Kernenergie gewesen. Die Grünen wollen sich auch für mehr Lärmschutz einsetzen. Lärm sei ein unterschätztes Problem, erklärte der Landtagsabgeordnete. Er beeinträchtige die Gesundheit von Menschen und koste viel Geld. Als Beispiel nannte Magerl die Autobahn A 9 bei Allershausen. Es könne nicht sein, dass die Anwohner nur durch den Bau einer zusätzlichen Fahrbahn Anspruch auf Lärmschutzwände hätten, kritisierte er und verwies darauf, dass Bayern als einziges Bundesland noch über keinen eigenen Lärmaktionsplan verfüge. Ein weiteres Thema im Landtags-Wahlkampf werde der Tierschutz sein. Da hofft der Landtagsabgeordnete, "dass wir vielleicht auch die Herzen von Menschen berühren, die wir sonst nicht erreichen".