Ersatzheimat in Wang Asyl in Isareck

Landkreis nimmt 20 Flüchtlinge aus Afghanistan und dem Irak auf und bringt sie in einem Wirtschaftsgebäude unter

Von Alexander Kappen

Viel Zeit hatten sie nicht. Als die Verantwortlichem im Freisinger Landratsamt erfuhren, dass sie eine Unterkunft für 20 Asylbewerber aus dem Irak und Afghanistan einrichten sollen, blieben ihnen dafür gerade einmal 14 Tage. Zwei Wochen, um ein passendes Gebäude zu finden, umzubauen und einzurichten. Es war eine Punktlandung. Als die Flüchtlinge am Donnerstag im Nebengebäude der früheren Gaststätte Isareck in Wang eintrafen, verließen die letzten Handwerker das Haus. Am gestrigen Montag begrüßte Landrat Michael Schwaiger die Asylbewerber offiziell in ihrem neuen Zuhause. Nachdem im Jahr 2006 alle Unterkünfte für Asylbewerber, in denen weniger als 100 Leute lebten, aufgelöst worden sind, gibt es jetzt erstmals wieder ein Wohnheim im Landkreis. Die 60 bis 70 Asylbewerber, die bis 2006 in Nandlstadt lebten, wurden damals auf andere Unterkünfte verteilt. In jüngster Zeit ist die Zahl der Bewerber allerdings wieder gestiegen - und mit ihr der Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten. Das Freisinger Landratsamt hatte alle Hände voll zu tun, um den Flüchtlingen eine würdige "Ersatzheimat" bieten zu können. "Wir hatten zwei Wochen vor der Ankunft ja noch nicht mal die Unterkunft an sich", berichtete Pressesprecherin Eva Dörpinghaus am Montag. Und als man in den ehemaligen Büro- und Aufenthaltsräumen des Pflanzenzüchter-Verbundes "Saaten Union" in Isareck dann fündig wurde, ging die Arbeit erst so richtig los. Es wurden neue Wände eingezogen, Trinkwasserleitungen verlegt, sanitäre Einrichtungen saniert, die defekte Heizung repariert und sichere Elektroleitungen installiert. "Es waren bis zu 20 Handwerker pro Tag im Haus", sagte Werner Wagensonner vom Sozialamt des Landkreises. Die Möbel wurden zum Teil neu gekauft und zum Teil beim Caritas-Gebrauchtwarenhandel Rentabel besorgt. "Die Mitarbeiter von Rentabel haben uns beim Möbelausliefern und -einräumen toll unterstützt, sonst hätten wir das nicht geschafft", so Wagensonner. Die im Schnellverfahren eingerichteten Unterkünfte können sich sehen lassen. "Wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben", ließen die Asylbewerber aus dem Irak über ihre Dolmetscherin ausrichten. Sie waren zuvor in München untergebracht, ihre Mitbewohner aus Afghanistan in der Sammelstelle in Zirndorf. In Isareck wohnen sie nun in Zimmern mit zwei bis sechs Betten. Familien - unter den Asylbewerbern sind ein zehnjähriges Mädchen und ein zweijähriger Bub - habe man natürlich immer in einem Zimmer untergebracht, so Wagensonner. Neben der von der Regierung von Oberbayern vorgeschriebenen Grundausstattung erhält jeder Bewohner eine monatliches Taschengeld von 40,90 Euro beziehungsweise 20,45 Euro (unter 15-Jährige). Zweimal pro Woche wird das Essen ins Haus geliefert. Bis sich alles eingespielt hat, wird es noch ein bisschen dauern", meinte der Landrat. "Aber wir sind alle guten Willens und werden einen vernünftigen Modus finden", beteuerte Wangs Bürgermeister Hans Eichinger. So hilft Gemeinderat Ludwig Meixner als eine Art Kontaktperson den neuen Mitbürgern, sich in Wang zurechtzufinden. Am Montag begleitete er sie etwa zum nah gelegenen Lebensmittelgeschäft. Womöglich können sie demnächst sogar mit dem Fahrrad hinfahren. Noch müssen sie ohne auskommen. "Aber wir schau'n, was wir machen können", so Schwaiger: "Wenn jemand in der Bevölkerung ein funktionstüchtiges Rad hat, das er nicht mehr braucht, könnte er sich bei uns melden."