Erfolgsgeschichte: Die Aktien steigen

Schülerfirma im Josef-Hofmiller-Gymnasium bringt ein Kochbuch heraus, das sich bestens verkauft

Von Alexandra Vettori

An diesem Donnerstagabend ist Aktionärsversammlung, dann entscheidet sich, ob es eine neue Auflage des internationalen Kochbuches geben wird. Lucas Ottowitz, Mitarbeiter von "CookingWorldWide", der Freisinger Firma, die das Kochbuch auf den Markt brachte, ist ziemlich sicher, dass das Votum für die zweite Auflage fällt: "Die Aktionäre sind fast nur Eltern und Lehrer."

CookingWorldWide, cww abgekürzt, ist im vergangenen Herbst gegründet worden, im Rahmen eines Praxis-Seminares am Josef-Hofmiller-Gymnasium im Fach Wirtschaft und Recht. Zehn Mitarbeiter hat cww, zehn Erstklässler, deren Aufgabe es war, eine Firma zu gründen, ein Kochbuch herzustellen und es zu vermarkten. Es ist prächtig gelaufen, die erste Auflage, 80 Bücher, ist weitgehend vergriffen. "Wir haben die an zwei Tagen in der Woche vor Weihnachten verkauft", erzählt Lucas Ottowitz. Dienstleistung oder Sachgut, dazwischen konnten sich die Schüler entscheiden, sie wählten das Sachgut. Dass es dann ein Kochbuch wurde, obwohl ausschließlich Burschen in dem P-Seminar sind, erklärt der 17-Jährige so: "Bei uns im Unternehmen haben viele einen anderen kulturellen Hintergrund, so entstand die Idee mit dem internationalen Kochbuch."

Dass alles dann mehr Arbeit wurde, als gedacht, versteht sich und gehört vermutlich zu den Lernzielen einer Schülerunternehmensgründung. Ganz am Anfang wurde eine Aktiengesellschaft gegründet, 100 Anteilsscheine zu je zehn Euro gab cww heraus. Jeder Unternehmer musste einen kaufen, die übrigen 90 Scheine gingen an Eltern, Lehrer und einige wohlwollende Bekanntheiten aus Freising. Die Aktien von cww entwickelten sich übrigens erfreulich:"Seit Oktober 2011 haben sie um 38,1 Prozent zugelegt", sagt Ottowitz lachend. Zeitaufwendig war das Sammeln der Rezepte, denn das sollte in den Familien geschehen, nicht im Internet. Viel schwieriger aber war es, die Speisen ansprechend zu fotografieren, jeder Mitarbeiter musste einige Rezepte nachkochen und möglichst appetitanregend ablichten. "Da sind schon ein paar Fotos verwackelt oder haben ein verzogenes Format und manchmal schaut ein Gericht auch nicht wirklich lecker aus", erzählt Lucas Ottowitz und lacht, "aber es hat eben auch nicht jeder eine professionelle Kamera." Wie viele Mamas für das Kochen der Rezepte ran mussten, weiß er nicht. "Ich jedenfalls habe alles selbst gekocht", versichert er.

Letztendlich sei aber alles recht reibungslos gelaufen, besonders erfreulich war, dass alle Schüler so gut zusammenarbeiteten. "Das war sehr sozial und kameradschaftlich, auch eine gute Erfahrung", sagt Ottowitz. Bei der Aktionärsversammlung heute Abend wird man auch darüber entscheiden, ob das nächste Kochbuch etwas aufwendiger im Material wird. "Aber", sagt Ottowitz fachmännisch, "über zehn Euro bricht dann doch ein Teil der Abnehmer weg." Manager will er trotz des passenden Jargons nicht werden, "ich tendier zu Jura."