42. Sammelblatt Münzschatz, Marcushaus und Münchner Flughafen

Dem Historischen Verein ist erneut ein eindrucksvolles Kompendium Freisinger Geschichte gelungen

Von Johann Kirchberger

- Sammelblatt nennt der Historische Verein in aller Bescheidenheit seine alle paar Jahre erscheinenden Publikationen über die Geschichte Freisings. Nun darf sich so ein Sammelblatt aber niemand als eine Art Loseblattsammlung vorstellen. Das 42.Sammelblatt, das am Samstag im Lichthof des Diözesanmuseum präsentiert wurde, umfasst 370 Seiten in einem Hochglanzbuch. Untergebracht hat Herausgeberin Ulrike Götz hier neun Aufsätze zur Stadt- und Domberggeschichte, als Ergebnisse wissenschaftlicher Forschungen und Auswertungen bisher nicht bekannten Quellenmaterials. Bei der feierlichen "Geburtstagsfeier" für das neue Sammelblatt lobte der Vorsitzende des 1890 gegründeten Historischen Vereins, Günther Lehrmann, "dieses eindrucksvolle Kompendium Freisinger Geschichte". Es sei wohl gelungen und reiche dem Verein zur Ehre.

Man werde die in der Satzung festgehaltenen Aufgabe, die Geschichte der Stadt und des Fürstbistums "im Auge zu behalten" weiter ernst nehmen, versicherte Lehrmann. Das sei nicht als rückwärtsgewandte Einstellung zu betrachten, sondern eine "aktuelle und wichtige politische Aufgabe". Als Beispiel nannte er das renovierte Marcushaus, dem sich drei Beiträge im neuen Sammelblatt widmen, und das zur Attraktivität der Innenstadt beitrage. Deshalb auch sei das Jugendstil-Treppenhaus des Marcus-Hauses mit seiner "schlichten Schönheit und Eleganz" als Titelseite ausgewählt worden. Der Stadt dankte Lehrmann "für den Mut", das 1904 entstandene Treppenhaus zu erhalten.

Lobend äußerte sich Lehrmann auch darüber, den 1834 erbauten Peterhof an der Mainburger Straße erhalten und das Asamgebäude in einen besseren Zustand versetzen zu wollen. Überlegungen, man solle die mit Putzfeldern und Bändern ornamentierte Nordfassade des Asamgebäudes kahl schlagen, lehnte Lehrmann "mit aller Entschiedenheit" ab.

Das neue Sammelblatt, erläuterte Herausgeberin Götz, schlage einen chronologischen Bogen vom hohen und späten Mittelalter über die frühe Neuzeit und das 19. Jahrhundert bis in die jüngste Vergangenheit. Es gehe um Malerei und Plastik, um Goldschmiedearbeiten und einen Münzschatz, um ein Bürgerhaus und um einen Flughafen. Ergänzend umfasse das Blatt die Stadtchronik (Wolfgang Grammel, Irmgard Feiner) von 2004 bis 2011, ein aussagekräftiges Gesamtbild des Freisinger Stadtlebens, und die von Lehrmann zusammengestellte Vereinschronik dieses Zeitraums. Ausführlich widmete sich Götz den Aufsätzen im neuen Sammelblatt, an dessen Beginn ein Beitrag von Sigmund Benker gestellt wurde. Er beschäftigt sich mit dem Grabchristus vor der Beweinungsgruppe von Erasmus Grasser vor der Apsis des nördlichen Seitenschiffes, die Benker aus der Zeit um 1300 datiert.

Der Konservator des Nationalmuseums, der in Freising lebende Matthias Weniger, befasst sich mit den lebensgroßen Schreinfiguren aus dem Mittelteil des spätmittelalterlichen Hochaltars, Maria, Korbinian, Sigismund und der Stifterfigur des Bischofs Nicodemus della Scala, die heute im Nationalmuseum aufbewahrt werden. Im dritten Beitrag beschäftigt sich der langjährige Kunstreferent der Erzdiözese, Hans Ramisch, mit dem Freisinger Maler Sigmund Haring und seinen Werken aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Dem Silberhammer des Freisinger Goldschmieds Hans von Erfurt widmet sich der Aufsatz des Historikers und Geschichtslehrers Robert Leutner. Die etwa 40 Zentimeter lange Goldschmiedearbeit, ein zerlegbares Trinkgefäß, trägt das Wappen des Freisinger Bischof-Administrators Ernst von Bayern und die Datierung 1583, und befindet sich heute ebenfalls im Besitz des Nationalmuseums. In den nächsten drei Beiträgen geht es dann um das Marcus-Haus. Da ist einmal die Baugeschichte, die von der Bauforscherin Eva Fritz zusammengestellt wurde. Da ist der Münzschatz, der unter dem Dach gefunden wurde. Der Archäologe Tilmann Mittelstraß erläutert in seinem Beitrag die diversen Kleinmünzen und ihre Herkunft. Benker befasst sich in einem zweiten Aufsatz mit dem Hochaltarbild im Dom, das hier nach der Entfernung des Rubensbildes von 1804 bis 1889 hing.

Und schließlich ist im Sammelblatt noch ein interessanter Beitrag des Historikers Sebastian Gleixner enthalten, der expliziert schildert, wie es dazu kam, dass der Flughafen ins Erdinger Moos gebaut wurde. Angefangen vom Münchner Flugzeugunglück 1960, über die möglichen 29 Standorte bis zur Entscheidung im Jahre 1974 hat er hier viel Wissenswertes aus dem Bundesarchiv zusammengetragen.

Zu beziehen ist das 42. Sammelblatt des Historischen Vereins im Freisinger Buchhandel oder beim Historischen Verein (historischer-verein-freising@web.de) für 27 Euro.

Dass die Stadt Freising das Asamgebäude sanieren will, stößt beim Historischen Verein auf Wohlgefallen.

(Foto: Marco Einfeldt)