Reden wir über Flucht und Menschlichkeit

Wolfgang Hofer aus Lengdorf ist einer der acht Künstler, die am Freitag Wortakrobatik präsentieren.

(Foto: oh)

Wolfgang Hofer tritt bei "Refugees Welcome" im Sonic auf

interview Von Jan-Hendrik Maier

Acht Künstler zeigen am Freitagabend im Jugendzentrum Sonic Wortakrobatik. Der Erlös wird für Flüchtlinge gespendet. Die SZ hat mit dem Lengdorfer Teilnehmer Wolfgang Hofer über seinen Auftritt, Werte und den eigenen Verlag gesprochen.

SZ: Sie treten heute Abend zum Poetry Slam im Jugendzentrum Sonic an. Welchen Reiz hat für Sie diese Veranstaltungsform?

Wolfgang Hofer: Sie bietet andere Möglichkeiten, einen Text vorzutragen als bei einer Lesung. Es kommt auf die Ausdrucksform an, die lustig, aber auch interessant sein kann. Es ist spannend zu sehen, wie man einen Text anpacken kann.

Sind Sie bereits früher bei einem Slam aufgetreten?

Vor etwa 15 Jahren habe ich zum ersten Mal einen Poetry-Slam im Freisinger "Abseits" gesehen. 2002 folgte mein erster Auftritt auf der Bühne. Als ich beim "Sinnflut" den Mic Mehler von "Reimrausch" (Organisatoren des Slams im Sonic, Anmerkung der Redaktion) getroffen habe, wollte ich einfach wieder mitmachen. In der Summe geht es mir heute Abend nicht um den Wettbewerb, ich trage einfach gerne einen Text vor Menschen vor.

Der Abend steht unter dem Banner "Refugees Welcome". Wollen Sie mit Ihrem Beitrag das Publikum zum Nachdenken anregen oder setzten Sie auf Unterhaltung?

Ich will anregen. Es geht primär nicht um Flüchtlinge, sondern um die Frage, warum der Mensch so viele schlechte Dinge macht, obwohl er bessere Möglichkeiten hätte. Ein Beispiel: Wir ziehen militärisch in den Kampf gegen den Islamischen Staat, obwohl die Einsätze in den vergangenen zehn Jahren nur zu noch mehr Terror geführt haben. Das kann doch nicht der Weg sein.

Sondern?

Wir müssen wieder mehr miteinander reden. Wenn die Bevölkerung zusammenhält, gibt es eines Tages vielleicht keinen Krieg mehr. Zu häufig geht es darum, die Bankkonten Einzelner zu füllen und Waffen zu verkaufen.

Was wollen Sie den Besuchern mit auf den Weg geben?

Ein bisserl Nachdenken in der staden Zeit. Wie können wir unser Leben gestalten, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch größer wird? Uns geht es zu gut, sodass wir den Blick für das Wesentliche verloren haben: Gesundheit, Frieden und eine Unterkunft.

Engagieren Sie sich aktiv in der Flüchtlingshilfe?

Nein, das lässt mein Beruf zeitlich nicht zu, aber ich habe großen Respekt vor den ehrenamtlichen Helfern. Mir fehlt bisher der persönliche Kontakt zu Flüchtlingen, um deren Situation hier zu verstehen. Aber ich glaube, wir sollten uns grundsätzlich eine Frage stellen: Was muss im Leben passieren, damit man alles verlässt und sich auf in eine ungewisse Zukunft macht? Flucht kann doch nur der letzte Ausweg sein. Die Menschen, die zu uns kommen, brauchen deswegen unsere Hilfe. Und wir benötigen Sicherheit. Es ist für beide Seiten ein kompletter Neuanfang.

Vor fünf Jahren gründeten Sie den Verlag "Hirnkastl & Herz". Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Ich schreibe seit langem Lyrik, aber es ist schwierig, einen Verlag zu finden, der dich druckt, also gründete ich einen eigenen. Es geht mir nicht ums große Geschäft, sondern um die Leidenschaft für interessante, nicht immer massenkompatible Texte.

Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, der Verlag wolle "ganz klare Werte" vermitteln.

Ja. Menschlichkeit, Familie, Zusammenhalt und Zufriedenheit. Wir haben ein Zeitalter der Dekadenz erreicht und dabei vergessen, dass vielen das Dach über dem Kopf fehlt. Mein Appell: Gehen wir miteinander anständig, liebevoll und ehrlich um.