Neue Touren durch den Landkreis Erding Radelnde Reporter

Florian Tempel war mit dem Mountainbike unterwegs, die Aufnahme zeigt eine der Brücken bei Thal.

(Foto: Daller)

Der ADFC-Kreisverband hat für die Strecke von Dorfen nach Erding und zurück zwei neue Express-Routen ausgetüftelt. Zwei Mitglieder der SZ-Redaktion haben diese Fahrradstrecken wochenlang getestet - und können sie empfehlen.

Von Thomas Daller, Landkreis

Fahrradfahren wird im Landkreis immer beliebter. Das fällt insbesondere auf dem Radweg auf der alten Bahntrasse auf, der Dorfen und Taufkirchen verbindet. Dieser Weg wird nicht allein von Radfahrern genutzt, sondern auch von Inline-Skatern, Nordic-Walkern oder schlicht und einfach Spaziergängern mit und ohne Hund. Seit ein paar Jahren hat jedoch eine weitere Gruppe deutlich zugenommen: Senioren auf E-Bikes. Etwa ein Drittel der Radfahrer auf dieser Strecke ist mittlerweile mit dem Pedelec unterwegs.

Diesen Trend zum Fahrrad und zum Pedelec will der Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) nutzen und eine weitere Verbindung im Landkreis bewerben. Dabei geht es um zwei Strecken, die Dorfen und Erding verbinden, jedoch abseits der viel befahrenen Staatsstraße 2084, auf der Radfahren nicht nur gefährlich ist, sondern obendrein auch keinen Spaß macht. Es handelt sich um sogenannte Expressrouten, die auf asphaltierten Straßen verlaufen und ganzjährig gut und sicher befahrbar sind. Ein Großteil der beiden Strecken bietet attraktive Aussichten links und rechts des Weges. Die SZ-Redaktion Erding hat diese beiden Strecken mehrere Wochen lang sowohl mit einem Mountainbike als auch mit einem Pedelec getestet. Sie bieten eine echte Alternative zum Auto oder Regionalbus, wenn es nicht regnet. Darüber hinaus ist eine Ost-West-Verbindung durch den Landkreis auch für Radfahrer aus Taufkirchen geeignet, die nach Erding wollen. Und es gibt für die Radler aus Dorfen eine zweite Verbindung, die sich für den Rückweg aus Erding anbietet. So fährt man einen abwechslungsreicheren Rundkurs, der zudem einer mühsamen Steigung bei Haselbach ausweicht, die auf der Expressroute auf dem Rückweg zu bewältigen wäre.

Von Dorfen aus kann man auf der Gemeindeverbindungsstraße nach Oberdorfen fahren, noch schöner ist es allerdings, wenn man den Radweg über Breitwies durch das Isental wählt, wo man morgens schon den Kuckuck rufen hört. Dann fährt man leicht bergauf Richtung Landersdorf, und überquert dort die Staatsstraße Richtung Unterhofkirchen. In Unterhofkirchen wäre auch der Anknüpfpunkt für Radfahrer aus Taufkirchen. Unterhofkirchen kann man von Taufkirchen aus über Breitenweiher erreichen, was aber wegen der hügeligen Strecke lediglich für E-Bikes ratsam ist. Bequemer erreicht man Unterhofkirchen von Taufkirchen aus, wenn man den Radweg nach Dorfen bis Höhe Kienraching nimmt und dann Richtung Angerskirchen weiterfährt.

Von Unterhofkirchen aus fährt man nach Hörgersdorf. Hinter Oberhofkirchen lohnt sich morgens der Blick auf ein kleines Wäldchen links des Weges. Dort sieht man öfters Rehe grasen, die beim Anblick von Radfahrern nicht gleich aufgeschreckt davonlaufen. Hinter Hörgersdorf geht es leicht bergan bis zu einem kleinen Kreisverkehr am Ortsrand von Maierklopfen. Geradeaus weiter Richtung Haselbach rauscht man dann einen lang gestreckten Buckel hinab, wobei man Geschwindigkeiten von mehr als 60 Stundenkilometer erzielen kann. Riskant ist das nicht, weil die Strecke gut einsehbar verläuft. Zwischen Bergarn und Bockhorn kann man meist viele Schwalben beobachten. Hier gibt es noch offene Kuhställe, in denen sie nisten können.

Sonnenbrille nicht vergessen, sonst fliegen dem Radler Insekten ins Auge

In Bockhorn biegt man an der Querstraße rechts und auf Höhe der Kirche nochmal links ab Richtung Emling. Man fährt am Baugebiet vorbei und etwa 100 bis 150 Meter weiter kommt links ein asphaltierter Feldweg, der als Fahrradweg ausgeschildert ist. Diesem Weg folgt man bis Salmannskirchen. Am Rand dieses wunderschönen kleinen Ortes, wo die Strogn mäandert, gibt es noch Wiesen, auf denen die Mutterkühe mit ihren kleinen Kälbchen grasen, wo Hühner über die Straße laufen und zahlreiche Vogelarten hinter den Mistfliegen und Schmetterlingen herjagen.

Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung bis Erding. Man folgt der Dorfstraße Richtung Norden bis man zur B 388 gelangt. Von dort aus verläuft ein Radweg parallel bis zum Bauernhausmuseum. Abgesehen vom nun folgenden innerstädtischen Verkehr begegnet man auf der gesamten gefahrenen Strecke meist nicht mehr als fünf bis zehn Autos. Kein Lärm, keine Ampeln, viel Natur, manchmal bedauert man es sogar, schon am Ziel zu sein. Der ADFC veranschlagt als Fahrtzeit für diese 22,3 Kilometer lange Strecke eine Stunde und zwanzig Minuten. Aber das ist mehr als großzügig berechnet. Sowohl mit dem Tourenrad als auch mit dem E-Bike ist unser Redaktionsteam die Strecke in einer Stunde gefahren, ohne sich zu hetzen. Dabei blieb immer noch Zeit, nach kreisenden Bussarden Ausschau zu halten oder dem Gesang der Feldlerchen zu lauschen.

Für den Rückweg von Erding nach Dorfen kann man erneut diese Expressroute des ADFC wählen, es gibt aber auch die Möglichkeit, einen Rundkurs auf einer anderen Strecke zu nehmen, die landschaftlich auch sehr reizvoll ist. Der erste Abschnitt ist gleich: Man fährt von Erding bis Salmannskirchen, biegt aber dann nicht Richtung Bockhorn ab, sondern fährt geradeaus weiter Richtung Mauggen. Auf der ersten kleinen Anhöhe steht ein kleines Haus mit einer Katze aus Holz davor, auf der steht: Bitte 60. Das bezieht sich offenbar auf die zu fahrenden Stundenkilometer, aber bei aller Mühe, die wir uns bisher gegeben haben - mit dem Fahrrad ist dieses Tempo dort nicht zu schaffen.

Es geht noch einmal leicht bergan, vorbei an der Zimmerei Schlehhuber und dann rollt man hügelabwärts nach Mauggen. Man fährt geradeaus über die Kreuzung vorbei an der Pizzeria Padre Pio in die Siedlung hinein. Immer geradeaus könnte man über einen Feldweg zu einem kleinen Wäldchen gelangen, das man von der Siedlungsstraße aus bereits sieht. Bequemer ist es allerdings, in der Siedlung nochmals links abzubiegen und zwei kleine Parallelstraßen weiter zu fahren. Dort kommt dann eine 100 Meter lange Schotterstraße und danach eine asphaltierte Strecke, die durch besagtes Wäldchen führt. Der Waldweg ist nur etwa 300 Meter lang, doch das Vogelkonzert, das dort herrscht, ist von ansteckend guter Laune. Aber man sollte zumindest im Wald und später im Isental eine Sonnenbrille aufsetzen, weil es dort so viele winzige fliegende Käfer gibt, die man nicht im Auge haben möchte.

Im Isental sieht man oft Kiebitze und gelegentlich auch einen Grünspecht

Hinter diesem Waldstück erreicht man Kirchasch, wo man die Staatsstraße von Erding nach Dorfen auf Höhe der Koppel mit den Schimmeln überquert. An der Bäckerei links und an der Kirche geht es die Kirchstraße hoch bis zur Waldstraße. In die Waldstraße links einbiegen und dann wieder die Straße hoch. Erst links dann rechts bietet sich auf den folgenden paar hundert Metern ein schöner Panoramablick weit übers Erdinger Land. Beneidenswert, wer hier ein Häuschen hat.

Jetzt könnte man den folgenden Buckel mit Schwung hinunterrauschen bis nach Obergeislbach. Aber wer mit angezogener Bremse fährt und das Auge über die Äcker schweifen lässt, kann oft ein paar der hier sehr zahlreich vertretenden Hasen über die Flur hoppeln sehen. In Obergeislbach biegt man vor der Kirche links ab und fährt weiter nach Krinning. Hier geht es dann den Liedlinger Buckel hinauf; die "Bergetappe", wie es der Kollege nennt, der ohne Batterieunterstützung fährt. Es ist aber nicht ganz so steil wie bei Haselbach auf der Hinroute. Insgesamt weist diese Strecke mehr Höhenmeter auf als der Hinweg von Dorfen nach Erding, aber nach dem Liedlinger Buckel kommt keine nennenswerte Steigung mehr. Man rollt nach Matzbach hinunter, biegt nach rechts Richtung Niedergeislbach ab, nochmal links und durch Niedergeislbach bis Esterndorf. Am Ortsausgang Esterndorf folgt man nicht der Hauptstraße, sondern schwenkt nach rechts und fährt unter der Eisenbahnbrücke durch und weiter nach Anning. Im Isental ist es brettleben, aber man muss ein Stückchen nicht asphaltierten Feldweg in Kauf nehmen. Dafür wird man mit etwas Glück durch den Anblick der seltenen Kiebitze belohnt, die hier über den Wiesen und Äckern ihre Flugkunststücke zeigen. Und gelegentlich lässt sich sogar ein Grünspecht blicken. In Anning biegt man an der Brücke mit den Blech-Elchen Richtung Oberdorfen ab und fährt über Breitwies zurück nach Dorfen. Die Fahrtzeit beträgt wie auf der anderen Expressroute etwa eine Stunde. Karten dieser beiden Routen des ADFC findet man im Übrigen auf der empfehlenswerten Web-Seite des Kreisverbandes Erding.

Die beiden Testfahrer der SZ-Redaktion Erding hat der ADFC mit diesen Express-Routen nicht nur überzeugt, sondern regelrecht begeistert. Wenn das Wetter mitspielt, ist das Radl für die Fahrt zur Arbeit weiterhin erste Wahl. Weil es einfach Spaß macht und weit weniger anstrengend ist, als man vermuten würde. Mit dem E-Bike ohnehin, aber auch ohne Batteriehilfe kommt man keineswegs nassgeschwitzt an, sondern mit einem Lächeln.