Nachfolger des Einheimischenmodells Run auf 15 Reihenhäuser

Bereits 230 Menschen haben Interesse an einem der günstigen Eigenheime im "Südlichen Thermengarten" bekundet. Reelle Chancen haben jedoch nur Bewerber, die schon seit Jahren in Erding wohnen oder arbeiten

Von Florian Tempel, Erding

Die 15 Reihenhäuser, die die Stadt Erding zu stark vergünstigten Preisen im neuen Baugebiet "Südlicher Thermengarten" anbietet, sind der Renner. 400 000 Euro für ein nagelneues 130 Quadratmeter-Reihenmittelhaus, das ist etwa ein Drittel weniger als das, was man auf dem freien Markt bezahlen müsste. Am Montag vor einer Woche hat die Bewerbungsphase begonnen. Bis Freitag waren laut Pressesprecher Christian Wanninger schon 230 Interessenten ins Rathaus gekommen, um die Ausschreibungsunterlagen abzuholen, die es nur gedruckt und nur für zehn Euro "Schutzgebühr" gibt. Bald muss nachgedruckt werden. Die erste Auflage umfasste nur 260 Stück.

Auf dem Papier ist das Erdinger Modell offen für alle EU-Bürger ganz egal wo sie wohnen, ob in Erding, Moosinning, Hamburg oder Athen. Die ehemaligen Einheimischenmodelle, nach denen vergünstigte Immobilien oder Baugrund nur an ortsansässige Bürger vergeben wurden, sind bekanntlich nicht mehr zulässig. Das einziges Ausschlusskriterium, das bei dem offiziell "Baulandbegünstigten-Modell Südlicher Thermengarten" genannten System gilt: Man darf als Bewerber, ob Single oder Paar, nicht mehr als 150 000 Euro Vermögen haben. Wer mehr Geld hat, der soll sich auf dem freien Markt ein Haus kaufen.

Nach den Kriterien des Baulandbegünstigtenmodells haben freilich nur Bewerber, die schon seit Jahren in der Stadt wohnen oder arbeiten, eine reelle Chance. Denn sie gehen vor den Auswärtigen mit einem großen Vorsprung ins Rennen: Für fünf Jahre Erding als Wohn- oder Arbeitsort gibt es 90 Punkte. Wer dazu auch ehrenamtlich aktiv ist erhält weitere 30 Punkte. Das Ehrenamt kann durch eine bayerischen Ehrenamtskarte nachgewiesen werden. Die bekommt, wer bei der Feuerwehr, im Rettungsdienst oder Katastrophenschutz aktiv tätig ist, die Jugendleitercard hat oder seit zwei Jahren durchschnittlich fünf Stunden pro Woche ehrenamtlich arbeitet. Ein ortsansässiger Feuerwehrmann kann somit schon die Hälfte von insgesamt 240 möglichen Punkte einstreichen.

Mit maximal 120 Punkten werden die sozialen Verhältnisse bewertet. Für Kinder gibt es bis zu 60 Punkte. Behinderung und Pflegebedürftigkeit werden mit bis zu 20 Punkte berücksichtigt. Weitere Punkte gibt es, wenn bestimmte Einkommens- und Vermögensgrenzen nicht überschritten werden.

Das alles scheint recht kompliziert und führt sicher zu individuell ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Dennoch scheint angesichts der jetzt schon großen Zahl von mehr als 200 Interessenten bei nur 15 Häuser klar, dass vor allem Familien aus Erding zum Zug kommen werden.

Die Bewerbungen, bei denen man unter anderem auch seine vollständigen Kontoauszüge seit sechs Monaten einreichen muss, können bis Sonntag, 3. Juni abgegeben werden. Bis Ende Juli soll die Auswertung abgeschlossen sein und die Bewerber Bescheid erhalten. Die vergünstigten Reihenhäuser werden von einem Bauträger gebaut, der als Generalunternehmer im Auftrag der Stadt die drei Reihen à fünf Häuser hinstellen wird. Der klare, kantige Entwurf stammt vom Erdinger Architekturbüro Dinkel und Persch.

Neben den Reihenhäusern wird es acht frei erwerbbare Grundstücke für Doppelhaushälften geben. Der größte Teil des Quartiers wird mit Etagenwohnungen bebaut. Insgesamt werden es etwa 200 Wohneinheiten. Die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises, die Baugenossenschaft Erding, das Wohnbauunternehmen Oberbayerische Heimstätte und eine private Baugemeinschaft werden hier bauen.