Lesung Lena Christ, Glückssucherin

Die Porträtaufnahme von Lena Christ entstand um 1914.

(Foto: SZ Photo)

Biografin Gunna Wendt spricht über die bayerische Schriftstellerin

Lena Christ ist fraglos eine der bedeutendsten bayerischen Schriftstellerinnen. Der Historische Verein Erding hat die Münchner Publizistin Gunna Wendt zu einem Vortrag über das bewegende Leben von Lena Christ eingeladen. Der Vortrag findet am kommenden Montag, 18. Juni, um 19.30 Uhr im Festsaal des Gasthaus Erdinger Weißbräu statt. Der Eintritt ist für alle Interessierten frei.

In ihrem 1912 erschienenen Debütroman "Erinnerungen einer Überflüssigen" machte Lena Christ sich und ihr Leben mit radikaler Offenheit der Öffentlichkeit bekannt. In einer für die damalige Zeit außerordentlichen Deutlichkeit beschreibt sie in ihrem ersten Buch grob und ungeschönt ihre Kindheit als unehelich geborenes Kind, das zerrüttete Verhältnis zu ihrer Mutter, die sie als billige Arbeitskraft ausbeutete und misshandelte, sowie ihre kaputte Ehe mit ihrem ersten Mann. "Radikal wie ihr Leben war auch ihr Tod: Lena Christ hat sich selbst erfunden und wieder ausgelöscht", schreibt Gunna Wendt, die 2012 die Biografie "Lena Christ - Die Glückssucherin" vorgelegt hat. Denn krank, finanziell am Ende und von einer Gefängnisstrafe bedroht, nahm sie sich 1920 mit 40 Jahren das Leben.

Die Ungeliebtheit in der Kindheit sei für Lena Christ zur Chance geworden, sich selbst zu erfinden und ihr Glück zu suchen, schreibt Gunna Wendt. Gegen die vielen Erniedrigungen, die sie als Mädchen und Frau erfahren hat, hat sie sich zumindest literarisch gewehrt. Überall hat Lena Christ, so ihre Biografie, dabei das Glück gesucht: in der Großstadt, auf dem Land, in der Familie, bei den Männern, im Erfolg und Ruhm, im Luxus. Und alle Versuche, ihren Platz in der Gesellschaft und im Leben zu finden, arbeitete sie schreibend auf.

Die Referentin des Erdinger Lena-Christ-Abends am Montag ist freie Schriftstellerin und Ausstellungsmacherin. Sie gehört seit 2011 dem Kreis der Münchner Turmschreiber an und ist im vergangenen Jahr mit dem Schwabinger Kulturpreis ausgezeichnet worden. Neben ihren Arbeiten für Theater und Rundfunk veröffentlichte sie Kurzgeschichten, Gedichte, Essays und Biografien, unter anderem über Liesl Karlstadt, Helmut Qualtinger, Clara Rilke-Westhoff, Paula Modersohn-Becker, Maria Callas, Franziska zu Reventlow, Lou Andreas-Salomé, Lena Christ, Ruth Drexel, Maria Pawlowna, Zarin Alexandra und die Bechsteins. Zuletzt erschien ihr Buch "Erika und Therese - Eine Liebe zwischen Kunst und Krieg", über Erika Mann und Therese Giehse.