Neue Perspektive Tafel zieht ins alte Postgebäude ein

Die ehemalige Schalterhalle im alten Postgebäude wäre ideal für die Ausgabe geeignet, weitere Räume sollen zur Warenlagerung dienen.

(Foto: Renate Schmidt)

Stadt und Nachbarschaftshilfe müssen die Modalitäten aushandeln. Für die Helfer würde eine Umzug alle Platzprobleme lösen

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Die Tafel Erding wird in das alte Postgebäude am Bahnhof umziehen. "Das Ja haben wir schon von der Stadt, aber wir haben noch nicht über die Modalitäten gesprochen und wann wir einziehen können", sagt Petra Bauernfeind, die Vorsitzende der Nachbarschafshilfe Erding. Die Stadt bestätigt dies. "Es gibt zwischen der Stadt und der Tafel eine grundlegende Übereinkunft", sagt Pressesprecher Christian Wanninger: "Allerdings gibt es noch keine konkreten Eckwerte, aber die Stadt ist bereit, der Tafel sehr entgegen zu kommen." So müsste zum Beispiel noch bestimmt werden, welche und wie viele Räume die Tafel im alten Postgebäude benötige.

"Das Gebäude würde alle unsere Probleme lösen", sagt Bauernfeind. Zwar versorgt die Tafel inzwischen nicht mehr so viele Bedürftige und deren Angehörige wie vor zwei Jahren auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle, aber "wir bewegen uns stabil bei 120 bis 140 Menschen, denen wir helfen", sagt Bauernfeind. Doch eigentlich könnten die Zahlen viel höher sein. "Vor zwei Jahren waren wir bei mehr als 200. Damals sind wir an unsere Grenzen gelangt. Damals war alles durchaus ein wenig chaotisch", gibt Bauernfeind zu. Der Andrang und die beengten Verhältnisse der Tafel im bestehenden Standort an der Friedrichstraße hätten dazu geführt, dass viele Bedürftigen, vor allem ältere Personen, nicht mehr gekommen seien. Zum Glück habe auch der Andrang von Flüchtlingen nachgelassen. Viele Menschen, vor allem Rentner, würde sich auch schämen, dass sie zur Tafel gehen müssen, um über die Runden zu kommen.

Das Postgebäude könnte nach Bauernfeinde die derzeitigen Probleme lösen. Zurzeit drängten sich jeden Mittwochvormittag die Bedürftigen bei der Ausgabe der Lebensmittel in einem engen Raum. Kämen dann auch noch Lieferungen an und würden Kisten in den Gängen mangels Platz abgestellt, sei zum Beispiel für ältere Menschen mit Rollator kein Durchkommen mehr. Im Sommer könne der Garten noch als Warteraum dienen, aber nicht mehr im Hochsommer, dann würden Ältere in der heißen Sonne warten müssen. Im Winter und bei Regen gebe es keine Ausweichmöglichkeit. "Dann bleibt nur, im Regen oder in der Kälte zu stehen", sagt die Vorsitzende. "Die Enge betrifft leider auch unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter, die im Durchzug stehen. Einer musste deshalb schon wegen Rückenbeschwerden aufhören. Andere sagen, wenn wir am Vormittag bei der Kälte ausgeben mussten, brauchen wir den ganzen Nachmittag um wieder warm zu werden."

Die ehemalige Schalterhalle im alten Postgebäude wäre nach Bauernfeinds Ansicht ideal für die Ausgabe geeignet. Weitere Räume könnten Lagerprobleme lösen. Dann wäre auch Platz für neue Kühlanlagen, um die vor allem aus Supermärkten angelieferte Ware länger frisch halten zu können. "Heute ist es leider so, dass wir bei Hitze manches doch wegwerfen müssen." Mangel an Lebensmittel habe die Erdinger Tafel zum Glück nicht, sagt Bauernfeind. Das Postgebäude würde genügend Platz bieten, so dass man sogar Lieferungen auf Paletten annehmen könne, um dann sozusagen wie ein kleines Distriktlager Waren an andere Tafeln wie in Dorfen oder Taufkirchen weiter geben zu können. Und man hätte endlich Platz für eine professionelle Korbwaschmaschine und müsste dies nicht mehr per Hand machen.

Ein Problem sei noch die Heizung beim Postgebäude, sagen Bauernfeind und Wanninger, da es nur einen Heizkreislauf gebe, die Tafel jedoch nicht alle Räume ständig heizen müsse. Aber dafür habe die Stadt schon eine Lösung. Neue Schwerlastregale wären auch schön. "Die alten biegen sich schon", sagt die Vorsitzende, "die brauchen wir eigentlich nicht mehr mit umziehen."

Am Montagnachmittag waren der gesamte Vorstand der Nachbarschafthilfe zur Besichtigung der neuen Räume mit einem Vertreter der Stadt eingeladen. "Seitdem ich von der Zusage weiß, werde ich ständig mit der Frage gelöchert, wann geht es los. Wenn sie die Räume sehen, wird es bestimmt heißen: am liebsten Morgen", sagte Bauernfeind am Vormittag.