Erdinger Arbeitsmarkt Im Landkreis gehen die Lehrlinge aus

Ein immer selteneres Bild im Landkreis Erding: Ein Meister erklärt einem Azubi die Bohrmaschine. Aktuell sind 303 Ausbildungsplätze unbesetzt.

(Foto: Imago Stock/oh)

Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich im laufenden Ausbildungsjahr in Erding fort: Handwerk und Industrie können nur gut die Hälfte aller Ausbildungsplätze besetzen. Das schadet am Ende auch den Kunden

Von Thomas Jordan, Erding

Den Betrieben im Landkreis Erding gehen die Lehrlinge aus. Im laufenden Ausbildungsjahr sind aktuell 303 von insgesamt 648 Azubi-Stellen nicht besetzt. Das sind 46 Prozent aller Lehrlingsstellen in Industrie und Handwerk im Landkreis. Der Lehrlingsmangel in Erding liegt damit sogar noch leicht über den Zahlen des bayernweiten Azubi-Mangels. Im Freistaat waren im Juni gut 44 000 Ausbildungsplätze in Handwerk und Industrie unbesetzt, das entspricht 44 Prozent aller Plätze.

Bei den Betrieben im Landkreis Erding setzt sich damit der Trend der letzten Jahre fort. "Wir sprechen inzwischen von einem Bewerbermarkt", sagt Kathrin Stemberger von der Agentur für Arbeit in Freising. Die jugendlichen Bewerber können sich ihre Stellen aussuchen und die Betriebe müssen nehmen, was sie kriegen. Für die Jugendlichen ist das komfortabel. Im Ausbildungsjahr 2016/17 hat so gut wie jeder Ausbildungssuchende einen Ausbildungsplatz bekommen. Die Handwerksbetriebe stellt die Lage dagegen vor immer größere Probleme. "Wir haben größte Schwierigkeiten, noch Auszubildende zu finden", sagt der Erdinger Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger. Besonders dramatisch ist die Situation in den Mangelberufen in den Bereichen Gastronomie, Nahrung und auf dem Bau. Wenn die Handwerksbetriebe zu wenig Personal haben, spüren das laut Waxenberger am Ende auch die Verbraucher: "Unsere Arbeit wird teurer, und die Kunden müssen länger warten."

Schuld daran sind für Waxenberger in erster Linie die Bildungspolitiker. Jahrelang habe man versucht, die Akademikerquoten zu erhöhen und dabei angehende Bäcker, Maurer und Kaufleute vergessen. "Es war halt bildungspolitisch nicht hip."

Dabei unternehmen die Betriebe im Landkreis Erding eine ganze Menge, um den Nachwuchs für das Handwerk zu begeistern. Regelmäßig finden an Berufsschulen Berufsinformationsmessen statt, Berater der Agentur für Arbeit kommen in die Abschlussklassen von Real- und Mittelschulen. So können etwa am 19. Oktober wieder Schüler in der Berufsschule Erding unter Anleitung sägen, bohren und feilen. Mit dem ersten eingeschlagen Nagel legt der eine oder andere vielleicht den Grundstein für eine Karriere im Handwerk.

Denn immer noch zu selten wissen Schulabgänger, wie breit das Ausbildungsangebot ist. Im Landkreis Erding steht seit Jahren bei den männlichen Azubis der Auto-Mechatroniker an erster Stelle der beliebtesten Ausbildungsberufe. Bei den Mädchen liegt dagegen die Kauffrau für Büromanagement vorne.

Wie viele Ausbildungsplätze in den einzelnen Berufsbereichen nicht besetzt werden können, hängt dabei stark von der regionalen Wirtschaftsstruktur ab. Im Landkreis Erding, der viele große Transport- und Logistikunternehmen beheimatet, sind aktuell noch 23 Ausbildungsplätze zur Fachkraft für Lagerlogistik unbesetzt. Das liegt schlichtweg daran, dass in diesem Bereich mit die meisten Lehrstellen angeboten werden. Übertroffen wird das Logistiker-Defizit in Erding nur noch von dem Mangel an künftigen Einzelhandelskaufleuten. 31 Ausbildungsplätze sind hier noch unbesetzt. Es gibt aber noch weitere Gründe dafür, dass Firmen im Landkreis keine Auszubildenden finden. Wichtige Faktoren sind etwa die fehlende Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und die Bekannt- und Beliebtheit einzelner Ausbildungsbetriebe bei den Azubis.

Für Jugendliche, die jetzt noch eine Lehrstelle suchen, bietet die Agentur für Arbeit noch vor den Sommerferien eine kurzfristige Anlaufmöglichkeit. Bei der Last-Minute-Lehrstellenvermittlung am Dienstag, 24. Juli, von 9 bis 12 Uhr in der Agentur für Arbeit Erding können sich Interessierte über offene Ausbildungsplätze informieren. Ihre Bewerbungsunterlagen sollten die künftigen Azubis an diesem Tag am besten schon mitbringen. Denn in einem "Bewerbermarkt" kann es mit dem Ausbildungsvertrag manchmal schneller klappen als gedacht.