Erding Violinissimo begeistert Experten

Jugendensemble gewinnt mit einer Komposition des Erdinger Gymnasiasten Markus Bauer den Preis des Deutschen Orchesterwettbewerbs. Die Überraschung ist groß.

Von Matthias Vogel

Dem Erdinger Jugendkammerorchester Violinissimo ist am vergangenen Wochenende der ganz große Wurf gelungen. In Hildesheim wurde das Ensemble der Leiterin Ulli Büsel in der Kategorie Kammerorchester mit dem Preis des 8. Deutschen Orchesterwettbewerbs ausgezeichnet. 150 Formationen waren am Start, 36 wurden prämiert. Der Wettbewerb wird vom Deutschen Musikrat ausgerichtet und ist bezüglich seiner Wertigkeit mit dem Solo-Vorspiel "Jugend musiziert" gleichzusetzen.

Lange blühten diese Pflanzen im Verborgenen. Violinissimo traten fast nur bei Benefizveranstaltungen auf, Nun ist ein großes Publikum auf die jungen Musiker aufmerksam geworden. 

(Foto: Bauersachs)

Schon der Sieg beim Landesentscheid im vergangenen November kam für Büsel völlig überraschend, den neuerlichen Erfolg konnte sie am Montag noch nicht wirklich erklären: "Ich weiß überhaupt noch nicht so recht, was ich dazu sagen soll." Büsel gründete Violinissimo im Jahr 2004. Zunächst dirigierte sie ihr Ensemble auch. Weil die Solisten sich nicht gut genug anhörten - ihrer Analyse nach fehlte ihnen das Verständnis für das Gesamtwerk - dirigierte sich das Jugendkammerorchester fortan selber. Nur auf Benefizkonzerten waren die Fortschritte der elf- bis 25-jährigen Musiker festzustellen, der Landesentscheid des Deutschen Orchesterwettbewerbs ist ihr erstes Wertungsspiel überhaupt.

Der Fachjury in Hildesheim servierte Violinissimo unter anderem einen Satz aus Mozarts Divertimento, Opus 138, zwei Sätze aus Antonin Dvoraks Streicherserenade in E-Dur sowie das Stück "Was es mit sich bringt", eine Komposition, die Büsel beim Erdinger Gymnasiasten Markus Bauer in Auftrag gegeben hatte. Die Experten waren begeistert. Die Erdinger Formation bekam 23 von 25 möglichen Punkten und wurde mit Bauers Werk zusammen mit nur vier weiteren Orchestern für den "Wettbewerb im Wettbewerb", die Sonderwertung "zeitgenössische Musik" ausgewählt. "Toll, auch wenn wir diese Wertung nicht gewonnen haben", sagte Büsel.

Das selbstbestimmte Musizieren wurde freilich bei der Bewertung berücksichtigt. Dadurch hätten die Musiker zweifelsohne gelernt, sehr gut aufeinander zu hören, sagte Jury-Mitglied Frauke Peuker-Hollmann, Vertreterin des Bundesverbands Deutscher Liebhaberorchester im Beirat des Orchesterwettbewerbs. Auf das Konzept alleine wollte sie die Leistung von Violinissimo aber nicht beschränken. Mit dem technisch hohen Niveau, mit der lebendigen Interpretation, der Intonation und dem Klang würde sich das Ensemble tatsächlich professionellen Ansprüchen nähern, so lautet sinngemäß ihr Urteil.

Zum Glück der Erdinger Gruppe, die heuer auch für den Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung nominiert ist, kam noch hinzu, dass sie fester Bestandteil des Rahmenprogramms war. Sie spielten im Rittersaal auf Schloss Marienburg und standen zweimal auf der Open-Air-Bühne am Hildesheimer Andreasplatz. "Einige von uns haben sogar Straßenmusik gemacht, die Begeisterung war einfach riesengroß", sagt Büsel. Wie gut ihr Ensemble angekommen ist, zeigt auch die Teilnahme am Preisträger-Konzert zum Finale des Wettbewerbs am Samstag. "Wir waren eins von nur sechs Orchestern. Die Auftragskomposition war dabei ausdrücklich erwünscht. Das war nochmals eine große Auszeichnung für uns."