Erding Trubel, Kunst und 60 Bands

Heute beginnt das Sinnflut-Festival in Erding: Musiker, Kabarettisten, Akrobaten und Bildhauer verwandeln den Volksfestplatz bis 5. August in einen bunten Tanzgarten

Von Matthias Vogel

Die Kulturfreunde Bayerns können vom heutigen Freitag an getrost den Ausnahmezustand ausrufen. Das Sinnflut-Festival eröffnet und wird dann bis zum Sonntag, 5. August, sämtliche Sinne von 90 000 bis 120 000 Besuchern von Ingolstadt bis Berchtesgaden mit unglaublich vielen und neuen Eindrücken versorgen. Mehr als 60 Bands werden von der Music-World-Bühne, der Raiffeisen-Bühne oder dem Tanzgarten aus den Volksfestplatz beschallen. Kunsthandwerker bieten die Resultate ihres kreativen Schaffens feil, besondere Gaumenschmäuse - allen voran der kultige Barbaren-Spieß - versüßen den Besuch. Das Festival soll Zufluchtsort für die Geplagten des Alltags sein. "Bei uns kann man trotz des Trubels seine innere Ruhe finden", sagt Börni Sparakowski, der zusammen mit seinem Geschäftspartner Peter Feller und dem Rest des Teams der Sinnflut GmbH heuer zum 19. Mal das Spektakel organisiert hat. Der Besuch ist wie immer kostenlos, Ausnahmen bilden nur die beiden Acts in der Sinnflut Arena, zu der die Eissporthalle wieder umgebaut wurde. Dort treten am 31. Juli die bayerischen Musikkabarettisten von "Da Huawa, da Meier und I" auf. Und am 3. August gilt es dort für die Fans des Indie-Rocks, sich anzuschnallen. Die Alt-Rocker der H-Blockx geben sich die Ehre. Für beide Bezahl-Konzerte gibt es noch Restkarten im Sinnflut-Festivalbüro an der Abendkasse.

Schöne Abende bei warmen Temperaturen - so stellen sich Veranstalter und Besucher das Sinnflut vor

(Foto: Bauersachs)

Das Rauschen von fließendem Wasser taucht den Sandhügel in eine ganz besondere Atmosphäre. Dominique Klatter ist durch den Landkreis getingelt und hat dessen Fließgewässer aufgenommen. Jetzt spielt er sie auf dem Festival ab, in professioneller Surround-Technik. Immer kurz bevor der erst 18-jährige Erdinger Regisseur Nelson Berger ausgewählte Kurzfilme präsentiert, also am Samstag, 28. Juli, Mittwoch, 1. August, und Freitag, 3. August, immer von 22.30 Uhr an. "Wie das ankommt, darauf bin ich wirklich gespannt", sagt Sparakowski. Das ist das Sinnflutfestival: Nicht nur Entschleunigungs- und Müßiggang-Chance, sondern auch Forum für junge talentierte Künstler, die ansonsten kaum Möglichkeiten haben, ihr Können in der Öffentlichkeit unter Beweis zu stellen.

Heuer ist es auch wieder an den Bildhauern, den "Bayerischen Holzweg" zu gestalten. Alle zwei Jahre schmeißen sie während der Zeit des Festivals unter der Ägide des Lokal-Matadoren Harry Seeholzer die Motorsägen an und fertigen aus dicken Baumstämmen feine Skulpturen. Wem sie gefallen, der kann am Sonntag, 5. August, eine oder mehrere von ihnen ersteigern. Traditionelle Kunst, bereits zum vierten Mal - auch das ist das Sinnflut.

Der Auftritt von Akrobaten wie dem Frauen-Duo "Art en Air", beispielsweise am Montag, 30. Juli, um 18 Uhr auf dem Marktplatz, die Seelenaktmalerei in Claudias Farbenzelt, die verschiedenen Show-Einlagen im Tanzgarten setzen bunte Akzente im Markttreiben und dem Geschehen auf und vor den Musikbühnen. Wenn man Sparakowski fragt, auf welche Nummer er sich am meisten freut, zuckt er zunächst mit den Achseln. "Ich finde das alles gut." Doch weil er zwar sichtet und auswählt, aber nicht unbedingt alles vorher gesehen hat, legt er sich doch noch fest: "Neugierig bin ich auf die Tanzimprovisation der Berglerner Formation "OFFandSichtlich" gleich am heutigen Freitag am Sandhaufen. Weil ich mir darunter nicht wirklich etwas vorstellen kann."

Das Sinnflut-Festival ist keine rein kommerzielle Veranstaltung. Deshalb ist es den Machern auch gar nicht wichtig, ob das Programm allen Besuchern gefällt. "Danach richten wir uns nicht", sagt Sparakowski. Für ihn gehe es darum, den Horizont der Kundschaft zu erweitern, sie dazu zu bewegen, sich auf Neues einzulassen. "In Deutschland hat zum Beispiel die Live-Musik einen geringeren Stellenwert als in anderen Ländern." Dabei schade es gerade der Jugend nicht, auch einmal Musik zu hören, die nicht aus dem i-Pod kommt.