Erding Moosgeist ohne Himbeergeist

Erding ordnet für den Faschingsdienstag das strikte Verbot branntweinhaltiger Getränke in der gesamten Innenstadt an. Die Umsetzung wird schwierig.

Von Matthias Vogel

Immer am 11. November entsteigen dem Erdinger Moos böse Geister. An diesem Tag können sie den zinnernen und versiegelten Flaschen entweichen, in die sie einst gebannt wurden, und Besitz von der Langen Zeile in Erding nehmen. Am Faschingsdienstag hat der Spuk ein Ende, das Böse wird in Form eines schwarzen Kalbes aus der Stadt und zurück ins Moos getrieben. Heuer beginnt das Spektakel, dem dieser Brauch zugrunde liegt, um 14 Uhr. Die ganze Stadt ist dann auf den Beinen - wie gewohnt.

Die Moosgeister haben eine wichtige Aufgabe: Sie müssen am Faschingsdienstag den Geist einer bösen Frau zurück ins Moos treiben. Dieses Mal muss das erstmals ohne Schnaps gelingen.

(Foto: Peter Bauersachs)

Ungewöhnlich ist, dass erstmals nicht nur die Moosgeister verbannt werden, sondern auch der Himbeergeist und seine hochprozentigen Artverwandten. Im Gegensatz zu den zinnernen Behältnissen müssen Schnapsflaschen während des gesamten Faschingstrubels am kommenden Dienstag, also von 10 bis 20 Uhr, dicht bleiben. Die Stadt Erding ordnet das strikte Verbot von Verkauf und Konsum branntweinhaltiger Getränke in der gesamten Innenstadt an. "Untersagt ist zudem, den Bereich stark alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss zu betreten", heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung.

Mit dieser Allgemeinverfügung ziehe die Stadt die Konsequenzen aus den Ereignissen der vergangenen Jahre, als insbesondere Jugendliche aufgrund ihres Alkoholkonsums vom Sanitätsdienst versorgt werden mussten, steht weiter geschrieben. Darüber hinaus sei es immer wieder zu alkoholbedingten Körperverletzungen und Sachbeschädigungen gekommen. Für zusätzliche Gefahr hätten die Splitter von Unmengen weggeworfener Schnapsflaschen gesorgt. Durch die Anordnung sei die Polizei berechtigt, Platzverweise auszusprechen, mitgebrachten Schnaps zu vernichten oder Personen in Gewahrsam zu nehmen.

Bestärkt in ihrer Entscheidung sieht sich die Stadt sicher durch das Schnapsverbot auf dem Erdinger Herbstfest, das bei der jüngsten Ausgabe des Rummels zum ersten Mal galt. Die Folge waren deutlich weniger Schlägereien mit gefährlicher Körperverletzung als noch im Jahr zuvor, in dem es auffällig rüde zuging. Zudem wollte der Volksfestausschuss damals dem in Mode gekommenen "Vorglühen" der Jugendlichen vorbeugen. Schon auf dem Parkplatz kontrollierte die Polizei Rucksäcke und Autos auf mitgebrachte Schnapsflaschen. Die Umsetzung des Verbots in einer mit Narren überfluteten Erdinger Innenstadt - inklusive der angrenzenden Nebenstraßen - scheint hingegen nur schwer zu bewerkstelligen sein.

Das sieht auch Anton Altmann, Leiter der Polizeiinspektion Erding so. "Wir können sicher nicht jeden kontrollieren. Es geht wohl auch hauptsächlich um den Alkoholmissbrauch Jugendlicher." Das Personal könne keinesfalls aufgestockt werden, sagte Altmann, es würden also so viele Zivilbeamte und uniformierte Polizisten bei der Veranstaltung zugegen sein wie in den vergangenen Jahren auch.

Das Erdinger Apotheker-Ehepaar Beate und Armin Braun organisieren das jährliche Moosgeistertreiben. Sie begrüßen das Schnapsverbot. Das tue der Stimmung keinen Abbruch. "Solange sie uns nicht das Weißbier verbieten, ist das okay", sagen sie. An der Umsetzung zweifelt aber auch Armin Braun: "Einen Erwachsenen daran zu hindern, einen Schluck aus seinem Flachmann zu nehmen, steht rechtlich bestimmt auf wackeligen Füßen." (Kommentar)