Bräustüberl Grünbach Zwischen Schweinebraten und Vanille-Risotto

Das Landwirtschaftsministerium zeichnet das Wirtshaus für seine "ausgezeichnete bayerische Küche" aus. Man achtet auf Tradition, ist aber auch Neuem stets aufgeschlossen

Von Florian Kistler, Grünbach

Viele reden davon, nur wenige haben es, im Bräustüberl Grünbach wird es gelebt: das echte bayerische Lebensgefühl. Inhaber Axel Steinmann, der den Gastronomietrieb mit seiner Lebensgefährtin Jutta Heimrath betreibt, ist mit Herzblut bei der Sache. Beim Betreten des Bräustüberls fallen sofort die niedrigen Gewölbedecken im Eingang und die traditionelle Dekoration in der Gaststube und dem Seinsheim-Stüberl auf. Dort können die Gäste bayerische Küche, aber auch experimentellere Gerichte wie ein Forellenfilet mit Vanille-Risotto genießen. Dass nicht nur das Ambiente stimmt, sondern auch die Küche überzeugt, hat das Bräustüberl Grünbach nun bald Schwarz auf Weiß. Am Montag zeichnet das bayerische Landwirtschaftsministerium und der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern die Wirtschaft in der Gemeinde Bockhorn für ihre "ausgezeichnete Bayerische Küche" aus.

Bewertet wurden außer dem Essen und dem Service auch das Ambiente und die Hygiene. "Nachdem sich die unangekündigten Tester zu erkennen gegeben haben, haben sie auch die Küche und das Kühllager begutachtet", erzählt Heimrath. "Wir haben uns riesig gefreut, dass die Hygienesituation für die Tester überraschend positiv war. Anscheinend ist das in unserer Branche nicht mehr selbstverständlich." Die Tester hätten selten so gut gegessen, hätten sie gesagt. "Das freut uns natürlich wahnsinnig", schwärmt Heimrath. Um das Qualitätssiegel zu erhalten, hat sich das Bräustüberl für die Zertifizierung angemeldet. Dass sich das gelohnt hat, zeigt das Ergebnis. Der Betrieb erhielt mit drei Rauten die höchste Auszeichnung. Das bedeutet, dass die Gäste im Bräustüberl eine "ausgezeichnete bayerische Küche in Bestform" genießen können.

Wer öfter in Grünbach zu Gast ist, weiß auch, dass der Betrieb nicht auf der Stelle tritt, sondern sich ständig weiterentwickelt und neue Gerichte anbietet. "Das macht uns auch aus. Wir sind zwar traditionell, aber bleiben nicht stehen", sagt Heimrath. "Die Gastronomie hat eben viel zu bieten, und das wollen wir auch nutzen." So wird auf der Speisekarte nicht nur in die klassische Richtung gegangen. "Falls jemand einen besonderen Wunsch hat, können wir fast alles realisieren. Das liegt an unserem Küchenchef, der immer am Ball bleibt", sagt Heimrath.

Derzeit wird der Biergarten, der vor allem bei Rad- und Motorradfahrern beliebt ist, umgebaut und vergrößert. Zudem soll ein großer Veranstaltungssaal für 160 Personen entstehen. "Der Raum war früher der alte Malzboden der Brauerei und hat wie unser Eingangsbereich ein wunderschönes Gewölbe", erklärt Heimrath. Dann können in Grünbach auch große Hochzeiten gefeiert werden. Auch soll es im Saal eine Bühne geben, die für Theaterauftritte genutzt werden kann.

Begonnen hat die Grünbacher Erfolgsgeschichte bereits Pfingsten vor zwei Jahren. Davor wurde das Bräustüberl aufwendig von der niederbayerischen Brauerei Arcobräu renoviert, sie kooperiert seit 2014 mit der Schlossbrauerei Grünbach. Der Umbau fand in Zusammenarbeit mit Axel Steinmann und Jutta Heimrath statt. "Wir waren voll involviert und konnten auch mitreden, wenn es beispielsweise um die Küchenausstattung ging. Man kann also sagen, dass es mehr ein Gemeinschaftsprojekt war", sagt Heimrath.

Ihr liegt besonders die Qualität der Produkte am Herzen. "Wir kaufen bei Metzgereien, Fischereien und Bäckern aus der Region ein. Wir produzieren alles frisch", betont Heimrath. "Das ist unsere wichtigste Grundlage, auch wenn wir dadurch oft ein wenig mehr Aufwand und Stress haben."

Vor allem aber soll das Menschliche im Bräustüberl im Vordergrund stehen. Das zeige sich auch bei der Arbeit im Team. In der Küche arbeiten ein Küchenchef und zwei Köche. Zudem gibt es eine Restaurantleiterin und eine Auszubildende. Jutta Heimrath arbeitet selbst als Bedienung, ihr Lebensgefährte hilft in der Küche. "Das Team hat viel Spaß, wir lachen viel und machen auch einmal privat etwas", erzählt Heimrath. "Ohne unsere Leute sind wir nichts und könnten das Bräustüberl nicht betreiben." Schön sei, dass sich die Mitarbeiter mit dem Betrieb identifizieren würden. "Uns ist wichtig, dass die Menschen ein Herz haben und nicht nur das theoretische Wissen besitzen. Das können sie auch noch später lernen", meint Heimrath. Der familiäre Zusammenhalt springt auch auf die Kundschaft über. Stammkunden würden nach Bedienungen fragen, wenn diese im Urlaub sind.

So wundert es auch nicht, dass das Bräustüberl fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft ist. Viele Vereine schauen regelmäßig vorbei, es gibt eine große Grünbacher Stammkundschaft. Aber auch aus München würden manche Gäste extra ins Bräustüberl fahren.