Berglern Schnellschüsse verbieten sich

Über der Gemeinde Berglern schwebt noch immer das Schreckgespenst der dritten Start- und Landebahn. Der denkmalgeschützte Kratzerwirt könnte deshalb vorübergehend zwei Asylbewerberfamilien Unterkunft bieten

Von Wolfgang Schmidt

Was mit dem denkmalgeschützten Anwesen nach der großen Entrümpelungsaktion passieren wird, ist derzeit noch völlig offen. 2, 1 bis 2,3 Millionen Euro hätte die Sanierung des Kratzerwirts schon vor sechs Jahren gekostet

(Foto: Renate Schmidt)

Ein kleiner Schritt dazu, dass in den Kratzerwirt wieder Leben einziehen wird, ist mit einer großen Entrümpelungsaktion getan worden. Vor allem die Berglerner Vereine haben kräftig mit angepackt - und danach waren drei Container sowie zwei landwirtschaftliche Anhänger mit hohen Stehbrettern "gerammelt voll". Das sagt Berglerns Bürgermeister Herbert Knur (PUB), der den verbliebenen Rest mit dem Einsatz von "rüstigen Senioren" aus dem Haus schaffen will.

Was mit dem denkmalgeschützten Anwesen danach passieren wird, ist derzeit völlig offen. Aber Knur sagt, es werde auf jeden Fall "keine Schnellschüsse, sondern Provisorien geben, bis wir die Entscheidungsgrundlagen haben". Gemeint ist das Schreckgespenst der dritten Start- und Landbahn, das noch immer über Berglern schwebt. "Ich trau denen einfach nicht", betont Knur. Weil der Freistaat nach wie vor nicht bereit sei, auf die dritte Bahn zu verzichten, "sind die Alarmglocken bei mir noch in Bereitschaft".

2, 1 bis 2,3 Millionen Euro hätte die Sanierung des Kratzerwirts schon vor sechs Jahren gekostet. Und sollte ein zusätzliches Stockwerk eingezogen werden, wäre man schnell bei drei Millionen. Das sind Beträge, vor denen Berglerns Bürgermeister kapitulieren muss. Wie soll das die Gemeinde finanzieren und wie soll sie das refinanzieren? Knur fragt eher rhetorisch. Denn man bekomme derzeit keinen Unternehmer, der eine Miete zahle, mit der der Kapitaldienst bedient werden könne. Den Kratzerwirt hatte die Gemeinde unter dem Gesichtspunkt gekauft, dass die zentralen Einrichtungen wegen der drohenden neuen Einflugschneise von Berglern nach Mitterlern hätten verlagert werden müssen. Wobei der Gemeinde ja auch das sich anschließende Areal von knapp zwei Hektar gehört. Knur betont, man könne im Zentrum von Mitterlern schon etwas gestalten, dürfe sich das aber nicht "durch voreilige Maßnahmen kaputt machen". Des weiteren hat Mitterlern nach Osten hin noch etwa fünf Hektar, die für eine Bebauung genutzt werden können. Für Knur ist das finanztechnisch gesehen beruhigend, aber kein Selbstläufer: "Ich glaube, es ist relativ gefährlich so ein Subzentrum in einer relativ kleinen Gemeinde zu entwickeln."

Allerdings hat Knur "eine ganz private Idee" für den Kratzerwirt. Von den Einrichtungen her, so seine Überlegung, könnten dort relativ kurzfristig wenigstens zwei Wohnungen entstehen. Die könnten theoretisch für Obdachlose hergerichtet werden. Da aber in dieser Hinsicht mit Wartenberg eine gute Zusammenarbeit existiere, sei diese Möglichkeit weniger sinnvoll als die Alternative, dem Landkreis die Räume als Unterkunft für zwei Asylbewerberfamilien anzubieten. Der Kratzerwirt dürfe "keine Massenunterkunft werden, das passt nach Berglern nicht hin," sagt Knur. Aber Flüchtlinge aus Syrien, Libyen oder Makedonien könnten in Berglern ebenso gut integriert werden, wie die vielen anderen Ausländerfamilien auch. Der "Charme an der Geschichte" wäre für Knur zudem, dass der Landkreis bei dieser Lösung bei der notwendigen Ausgestaltung der Räumlichkeiten wahrscheinlich auch finanziell mit einspringen würde.