Vermeintlicher Gruppensex-Skandal Nicht lustig

Berufsbildungswerk ist von Internet-Fake wenig begeistert

kbl

Weit über die Grenzen des Landkreises hinaus hat sich der Zeitungsausriss mit der Meldung "Einmaliger Gruppensex von Beschäftigten während einer Arbeitspause ist kein Kündigungsgrund", die derzeit als Fotografie im Internet kursiert, verbreitet. Demnach soll das Berufsbildungswerk (BBW) der katholischen Kirche in Ebersberg fünf Beschäftigte wegen Verstoßes gegen die Moral gefeuert haben. Tausende Facebook- und Twitter-Nutzer finden es lustig und teilen und verschicken den Ausriss eifrig. Mindestens zwei aber finden das ganz und gar nicht lustig. "Das ist eine 30 Jahre alte Geschichte. Das sind nicht wir. Das ist unsere Vergangenheit", erklärt Manfred Krumpholz, aktueller Leiter Ausbildung. Ähnlich sieht das auch Geschäftsführer Bernd Zimmer. "Das war zu Ur-Ur-Zeiten. In unserer Branche ist ein Skandal selten eine gute Nachricht, das mag im PR-Bereich anders sein. Das treibt unsere Kompetenz in beruflicher Weiterbildung sicher nicht voran."

Es ist tatsächlich ein Skandal aus einer anderen Zeit, wie man am Freitag, 10. Dezember 1982, in den Ebersberger Neueste Nachrichten nachlesen kann. Damals hieß es in der Unterzeile: "Das Arbeitsgericht lässt Vorwürfe der Unzucht für Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht gelten." Zwei Ausbildungsmeister und vier Damen des Küchenpersonals hätten sich angeblich zu "Gruppensexspielen" getroffen - und seien dabei beobachtet worden. Es folgte die fristlose Kündigung durch das BBW, ein Prozess vor dem Arbeitsgericht und die Aufhebung der Kündigungen. Woher diese Meldung jetzt kommt, vermag Zimmer nicht zu sagen: "Ich glaube nicht, dass das ein ehemaliger Mitarbeiter oder ein Schüler gestreut hat, der noch etwas verarbeiten muss." Das BBW werde nicht nach dem Urheber suchen.