Pöringer Kita Haus ohne Kinder

Seit fast drei Monaten warten die Naturkinder Sankt Georg darauf, ihr neues Zuhause endlich in Betrieb nehmen zu dürfen. Doch der teure Neubau verzögert sich immer weiter

Von Carolin Fries

Das Haus der Naturkinder Sankt Georg an der Eglhartinger Straße in Pöring in der vergangenen Woche: Die Dachterrasse und damit ein wichtiger Fluchtweg ist noch nicht fertig. Auch einen gesicherten Zugang zur Eingangstür (links) gibt es nicht.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

- Dass es knapp werden würde, war allen Beteiligten klar. Im Juni vergangenen Jahres erst hatte der Zornedinger Gemeinderat den Entwurf des neuen Kinderhauses in Pöring verabschiedet, im September diesen Jahres sollte dieser in Betrieb gehen. Nun wird noch immer gebaut, die Dachterrasse - und damit ein wichtiger Fluchtweg - ist noch nicht fertig. Im Außenbereich fehlen Zugänge, der Garten wird noch gestaltet. Seit fast drei Monaten werden Krippen und Hortkinder provisorisch in Kellerräumen der Schule beziehungsweise in den Sitzungssälen des Rathauses betreut.

Im Sitzungssaal des Zornedinger Rathauses wurde der Bau der neuen Krippe beschlossen, und dort werden die Kinder betreut, bis die Kita fertig ist

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Etwa 3,1 Millionen Euro hat die Gemeinde als Bauherr in das Haus investiert, ein Prestigeobjekt, keine Frage. Immer wieder tauchte in der Vergangenheit der Begriff "Luxusbau" auf, diverse Gemeinderäte forderten in den Diskussionen der einzelnen Entwürfe mehr Verzicht. Gebaut wurde schließlich im Energiestandard KfW 55. Das bedeutet, dass der maximale Energieverbrauch auf 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter begrenzt ist. Nachträglich soll das Gebäude nach den Kriterien des "Deutschen Gütesiegels Nachhaltiges Bauen" (DGNB) bewertet werden - und möglichst auch ein Zertifikat erhalten. Den UnescoPreis "Bildung für nachhaltige Entwicklung" hat das Haus bereits. Durch die Erstellung eines Neubaus und die systematische Verankerung der Bildung für nachhaltige Entwicklung sei die Kita ein Modellprojekt.

Beim Richtfest der Krippe im April freute sich Bürgermeister Piet Mayr noch über das Vorzeigeprojekt

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Nun sehnen Eltern und Erzieher nichts sehnlicher herbei als einen Übergabetermin an den Träger, die katholische Kirche. Doch von Seiten der Gemeinde heißt es: "Der kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht mitgeteilt werden." Zweimal ist ein konkreter Eröffnungstermin zuletzt geplatzt.

Die Gründe für die massive Verzögerung sieht der Projektleiter der Gemeinde, Andre Younes, in der Summe dreier Faktoren: integrale Planung, öffentliches Vergaberecht und Auslastung von Handwerksbetrieben. "Die integrale Planung beinhaltet insbesondere die Berücksichtigung von Nutzerwünschen", sagt Younes. Die Nutzer selber sehen das ganz anders. Kinderhaus-Leiterin Gaby Lindinger sagt, "unsere Wünsche wurden teilweise nur auf dem Papier festgehalten". Viel Zeit hat laut Younes auch die Vergabe gekostet. Zum Teil habe die Gemeinde einzelne Gewerke mehrmals ausschreiben müssen, um überhaupt Angebote zu bekommen. Schlussendlich hätten dann noch zwei bis drei Firmen ihre zugesicherten Termine nicht halten können.

So sind es vor allem die Hortkinder, die am meisten unter der Verzögerung zu leiden haben. In den zwei Kellerräumen der Schule haben sie nur wenig Platz. Und auch die Krippenkinder, die sich inzwischen zwar im Rathaus gemütlich eingerichtet haben, wollen sich schnellstmöglich an die "richtigen" Räume gewöhnen. Lediglich die Kinder der zwei Kindergartengruppen bekommen von alldem kaum etwas mit. Sie beäugen die Baufortschritte aus dem wild eingewachsenen Garten des Altbaus neben der Baustelle heraus. Die fertig gepackten Kisten und Möbel, die zwischenzeitlich in der Turnhalle lagerten, haben sie zusammen mit ihren Eltern wieder beiseite geräumt. Sie scheinen es nicht mehr eilig zu haben mit dem Umzug. "Das ist auch so schade", sagt Gaby Lindinger, "dass man den Kindern die Freude auf das neue Haus genommen hat".