Die neue Synagoge - ein Symbol für ein verändertes Selbstverständnis der jüdischen Gemeinden. Aber noch müssen ihre Tore bewacht und die Menschen darin beschützt werden.
Es gibt große Bauten, die mehr sind als neue Attraktionen im Stadtbild, kühne Entwürfe also, deren Anblick allein ein Symbol für etwas ist, das weit hinausreicht über die Zeitströmungen und Moden der Architektur, über die sich ja immer streiten lässt.
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"Deutscher Stil"
Ein solcher Bau war die Hauptsynagoge in der Münchner Herzog-Max-Straße, ein neoromanisches Prachtgebäude in einem historisierenden Stil, der seinerzeit als "deutscher Stil" auch bei Kirchen- und Rathausbauten sehr beliebt war.
Für die Münchner Juden symbolisierte er den Anspruch auf Gleichberechtigung in der Gesellschaft, und sie mochten bei der feierlichen Einweihung 1887 geglaubt haben, die Erfüllung dieses Anspruchs sei nicht mehr fern: "Vor der neuen Synagoge flatterten Fahnen in den bayrischen und städtischen Farben", notierte ein Zeitgenosse.
Nun, an diesem Donnerstag, flattern wieder Fahnen, und auf vielen steht die Botschaft: Willkommen zurück. Mit der feierlichen Eröffnung von Synagoge und Gemeindezentrum am Jakobsplatz vollzieht sich ein symbolischer Akt, der keineswegs nur für München von Bedeutung ist: Die jüdische Gemeinde einer deutschen Großstadt kehrt aus ihrer versteckten, fast verbunkerten Existenz in einer Seitenstraße ins Herz dieser Stadt zurück, in bester Lage, so wie einst die kaiserzeitliche Hauptsynagoge.
Bis vor kurzem undenkbar
Der Bau aus Glas und Travertin-Stein spiegelt einen Optimismus wider, den viele Juden in Deutschland noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten hätten. Für diesen Optimismus steht Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Münchner Gemeinde und seit kurzem auch des Zentralrates der Juden in Deutschland, mehr als alle ihre Vorgänger.
Mit ihnen eint sie, dass sie Verfolgung und Holocaust noch erlebt hat; von ihnen trennt sie, dass die Skepsis, ob das Judentum in Deutschland, dem Land der Mörder, wirklich eine Zukunft hat, inzwischen der Zuversicht gewichen ist. Zum neuen Stil mag gehören, dass sie ihre Worte manchmal weniger wägt als Ignatz Bubis oder Paul Spiegel.
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