Bürgerbeteiligung bei Bauprojekten Münchner gestalten ihre Plätze

Ob der Bau der Glockenbachsuiten oder die Tiefgarage am Josephsplatz: Viele Münchner fühlen sich bei Bauprojekten überrumpelt. Nun durften sie mitreden. Am Siegestor können Fußgänger deshalb bald wieder flanieren. Und auch bei anderen Plätzen durften die Bürger entscheiden.

Von Melanie Staudinger

Den Marienhof müssen die Münchner nicht mit Autos teilen. Andere Plätze in der Stadt dagegen schon.

Gerade bei Bauprojekten reißt die Kritik der Bürger an der Stadt nicht ab. Ob es um die neue Dreifachturnhalle am Theodolinden-Gymnasium in Harlaching geht, den Bau der Glockenbachsuiten oder die Tiefgarage am Josephsplatz: Viele Münchner fühlen sich von der Verwaltung schlecht bis gar nicht informiert und damit überrumpelt. Sie protestieren, sammeln Unterschriften oder beschreiten den Klageweg. Damit sich das Stadtleben künftig friedlicher gestaltet, sollen die Menschen besser in Entscheidungen eingebunden werden.

In einem Modellprojekt für mehr Bürgerbeteiligung, das der Stadtrat im Frühjahr vergangenen Jahres beschlossen hat, konnten die Anwohner von fünf Plätzen mitreden, wie ihre Nachbarschaft künftig aussehen soll. Das Baureferat bot daraufhin fünf Bürgerbeteiligungsverfahren für das Siegestor, den St.-Pauls-Platz in der Nähe der Theresienwiese, den Bereich am Fuße des Gasteigs, den Willibaldplatz in Laim sowie den Platz an der Ubo- und Altostraße in Aubing an. Experten erarbeiteten ein Konzept, die künftigen Nutzer konnten es verfeinern. Die Ergebnisse legte das Baureferat am Dienstag dem Bauausschuss vor, der die Vorschläge einstimmig übernahm.

St.-Pauls-Platz

Umgestaltung ja, aber nicht auf Kosten von Parkplätzen - so entschieden sich die Anwohner des St.-Pauls-Platzes in der Nähe der Theresienwiese Mitte November. Die Studie des Büros Irene Burkhardt Landschaftsarchitekten beleuchtete die unterschiedlichen Situationen auf dem innerstädtischen Areal. Sie kam zu dem Schluss, dass es zu viele Stellplätze gebe, die die Aufenthaltsqualität vor der Kirche als Wahrzeichen des Viertels stark einschränkten. Zudem monierten die Planer, dass die Bepflanzung zu dicht sei und willkürlich erscheine. Dadurch seien die Kirche und ihre Zugänge kaum erkennbar. Auch lade der Platz kaum zum gemütlichen Verweilen ein. Die 75 Bürger sahen zumindest letzteres genauso. Sie regten aber an, eine Einbahnregelung zu prüfen und ihnen genügend Stellplätze für ihre Autos zu lassen. An der Ostseite könnte eine Fläche für Märkte oder einen Quartierstreff entstehen, die Nordseite soll verkehrsberuhig werden. Im Süden des Areals ist geplant, die Bäume auszuasten und zu entbuschen, was zu mehr Transparenz und Übersicht führt. Die Anregungen der Anwohner will das Baureferat nun in der weitergehenden Studie aufnehmen und so weit wie möglich auch berücksichtigen.