Der für Sonntag geplante Bürgerentscheid in München über den Transrapid ist abgesagt. Der Münchner Stadtrat stimmte einstimmig gegen die Abstimmung.
Nach dem Aus für den Transrapid ist auch der Münchner Bürgerentscheid gegen das Milliardenprojekt abgesagt. In einem Sonderplenum beschloss der Stadtrat am Mittwoch einstimmig, dass die Bürger am Sonntag (13. April) nicht an die Urnen gerufen werden.
Anzeige
"Fest steht, dass der Transrapid-Bürgerentscheid mehr Anklang bei der Münchner Bevölkerung gefunden hat als jeder andere Bürgerentscheid zuvor", sagte Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) laut Mitteilung. Über 50.000 Anträge auf Briefwahl seien eingegangen, mehr als bei allen anderen Bürgerentscheiden. "Der Transrapid-Bürgerentscheid ist auch der erste Bürgerentscheid, der schon zu 100 Prozent erfolgreich war, bevor er überhaupt durchgeführt werden konnte."
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte vor knapp zwei Wochen erklärt, dass die Magnetschwebebahn vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen wegen drastischer Kostensteigerungen nicht gebaut wird. Die DB Magnetbahn als Betreiberin habe mittlerweile die Rücknahme des Planfeststellungsantrags angekündigt; damit werde auch rechtlich das Ende des Transrapid besiegelt, sagte Ude. Deshalb habe er dem Stadtrat vorschlagen, den geplanten Bürgerentscheid nicht stattfinden zu lassen.
Da der Stadtrat im Wege eines Ratsbegehrens den Bürgerentscheid beschlossen hatte, konnte auch nur der Stadtrat über eine Rücknahme dieses Beschlusses entscheiden. Wie die Verkehrsanbindung des Flughafens nun verbessert werden soll, ist offen. Die Staatsregierung habe nach dem Scheitern des Transrapids offen zugegeben, keinen Plan B in der Schublade zu haben, kritisierte Ude, der eine Express-S-Bahn favorisiert.
Die Stadt habe hingegen bereits 1989 mit Zustimmung der CSU ein Gutachten vorgelegt, wie durch den Ausbau der S8 eine Verbesserung der Flughafenanbindung und des Lärmschutzes für die Anwohner realisiert werden könne. "Diese Lösung ist wahrscheinlich die beste Alternative zum gescheiterten Transrapid. Lassen Sie uns jetzt gemeinsam die Jahre hereinholen, die wegen des Transrapid-Projekts sinnlos verplempert worden sind."
- Transrapid-Projekt gescheitert Der Zug ist abgefahren 27.03.2008
- Das Ende des Transrapid "Gescheiterte Großmannssucht" 27.03.2008
- Kein Transrapid in München "Jetzt machen wir ein Fass auf" 27.03.2008
- Reaktionen zum Transrapid-Aus "Riesenohrfeige für die CSU" 27.03.2008
- Aus für Transrapid Ende schlecht, alles gut 27.03.2008
(ddp/dpa/wib)
Die neueste Antwort
"....Die Idee war, möglichst kurze Wege vom Taxi zum Flugzeug zu ermöglichen. Das ist auch gelungen - aber die Folgen sind seeehr lange Wege von der S-Bahn bis zum Gate. Terminal 2 hat schon ein fundamental moderneres Grundkonzept.
Jedenfalls hat uns diese Kurzsichtigkeit damals einen Flughafen-Standort beschert, der mit einer Fernbahn niemals anbindbar ist - einfach weil in der Gegend keine Fernstrecke existiert....."
ziemlich kurzsichtig, was sie da verknuepfen, nozomil. die kurzen wege vom auto oder taxi haben so nichts mit der standortfrage zu tun. meinen sie, die planer damals haben sich wirklich gedacht, ui, da draussen im erdiner moos koenne wir so kurze wege fuers auto bauen, den standoert nehmen wir?
@MPM51:
Klar haben Sie recht: Einen Standort für einen Großflughafen zu finden ist eine komplizierte Angelegenheit. Da rennen Sie bei mir offene Türen ein.
Ich kritisiere aber, dass man seinerzeit das Thema Eisenbahnanbindung schlicht ignoriert hat. Es war einfach kein Kriterium, in einer Zeit, als man meinte, Flughäfen allein mit dem Auto und Taxi versorgen zu können. Schauen Sie sich mal die Architektur des Terminal 1 an: Die Idee war, möglichst kurze Wege vom Taxi zum Flugzeug zu ermöglichen. Das ist auch gelungen - aber die Folgen sind seeehr lange Wege von der S-Bahn bis zum Gate. Terminal 2 hat schon ein fundamental moderneres Grundkonzept.
Jedenfalls hat uns diese Kurzsichtigkeit damals einen Flughafen-Standort beschert, der mit einer Fernbahn niemals anbindbar ist - einfach weil in der Gegend keine Fernstrecke existiert.
Das sind aber alles Fehler der Vergangenheit. Damit müssen wir leben. Die Frage ist, wie wir jetzt dennoch eine optimale, bezahlbare Eisenbahn-Anbindung erstellen können. Der Vorschlag von Ude ist das einzige realsitische Konzept, das derzeit dazu auf dem Tisch liegt.
"...Es hätte Sinn gemacht, den Flughafen neben die Bahnstrecken München-Augsburg oder München-Ingolsatdt zu bauen..."
genau, so einfach ist dass. vollkommen unproblematisch einen grossflughafen irgendwo hin zu pflanzen.
und genau so einfach ist es eine s-bahn fuer ein paar millionen euro zu beschleunigen und schon ist sie fastr so schnell wie ein tr.
heute schon getraeumt?
Ihr Einwand "Es hätte Sinn gemacht, den Flughafen neben die Bahnstrecken München-Augsburg oder München-Ingolsatdt zu bauen" ignoriert die gesamte Vorgeschichte der Flughafenplanung und -Realisierung. Gesucht wurde ein möglichst dünnbesiedelter Raum, wo der als Großflughafen konzipierte Airport auf den geringstmöglichen Widerstand gestoßen wäre. Angedacht war auch ein Standort bei Mammendorf; aus heutiger Sicht optimal, da in der Nähe der Bahnlinie Augsburg-München gelegen. Nur war das noch in der Zeit des "Kalten Krieges" (Sie erinnern sich?) und die Bundeswehr sah sich außerstande, auf den stark genutzten Militärflugplatz Fürstenfeldbruck zugunsten eines Verkehrsflughafens zu verzichten. Flugsicherungstechnisch war aber eine Nachbarschaft beider Einrichtungen nicht umsetzbar. Und dass der Klate Krieg noch im gleichen Jahrhundert zu Ende sein würde, konnte kein Planer mangels Kristallkugel vorhersehen. So blieben am Schluss nur noch die Standorte Erdinger Moos und Hofoldinger Forst übrig. Die für Letzteren notwendige Abholzung von 2000 Hektar Wald wäre schon damals nicht durchsetzbar gewesen und so blieb nur noch das relativ öde Erdinger Moos übrig, wo heute, dank unserer ökofundamentalistischen Krötenstreichler, die hinter jeder sauren Wiese ein "Biotop" wittern, auch nichts mehr machbar wäre. Seien wir darum froh, immerhin noch einen tollen Flughafen bekommen zu haben. Auch wenn er keine zufriedenstellende Bahnanbindung hat. Wenigstens ist er da. Das Anbindungsproblem ist noch offen, sollte aber baldmöglichst angegangen werden. Es hätte der Transrapid sein können. Jetzt muss halt ein leistungsfähiger Schienenexpress her.
@ Klaus089:
Der Ude-Vorschlag besteht doch genau darin, "eine S-Bahn zu beschleunigen und eben durchfahren zu lassen". Mir ist immer noch unklar, warum Sie da derart dagegen sind.
Was bitte meinen Sie mit "daß es hip ist, gegen alles zu sein und museale Zukunftsvorstellungen zu haben"? Es scheint eher hip zu sein, gegen alles zu sein, was Ude vorschlägt. Und museal war bestenfalls der Transrapid, jene Träumerei aus den 70er Jahren.
Der fehlende Fernbahnanschluss hat schon mit der Lage des Flughafens zu tun. Denn da, wo der Flughafen ist, gibt es keine Fernbahnstrecke. Ich wüsste auch nicht, welche Fernstrecke Sie dorthin verschwenken wollten. Es hätte Sinn gemacht, den Flughafen neben die Bahnstrecken München-Augsburg oder München-Ingolsatdt zu bauen. Aber das ist Schnee von gestern.
Sollten wir dem Ude-Vorschlag nicht doch eine faire Chance lassen? Wenn Sie Ude persönlich nicht mögen, können Sie sich ja damit trösten, dass, wie Sie richtig sagen, der Vorschlag im Prinzip schon vorher existierte...
Paging