Verlage Erlebnisorientiert

Freundschaft und Familie, Freizeit und Genuss: Die Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" gründet ein neues Ressort "mit dem Blick für das Unentdeckte" und stellt ihren Reiseteil mangels Interesse der Leser ein.

Von Katharina Riehl

Die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit versteht es seit Jahren höchst erfolgreich, ihre Berichterstattung mit einem gewissen Kuschelfaktor zu versehen, mit Titelgeschichten, die den Lesern menschlich nahekommen. In Zukunft soll ein ganzes Ressort "Aktualität vom Leser aus" denken: Vom 5. November an wird das Ressort "Z - Zeit zum Entdecken" über Freundschaft und Familie, Freizeit und Genuss berichten, "immer persönlich und mit dem Blick für das Unentdeckte", wie es vielversprechend blumig aus dem Verlag heißt. Über das neue "Erlebnis-Ressort" witzelte mancher Redakteur in der Entwicklungsphase.

Chefredakteur Giovanni di Lorenzo sagt: "Nach fünf schweren Zeitungsbüchern von Politik über Wirtschaft bis Feuilleton wird ein Teil, in dem das Leben der Menschen im Vordergrund steht, den Lesern und der Zeitung guttun." Zehn Redakteure gehören zum Ressort "Z", vier neue Stellen wurden dafür geschaffen - selten genug in Zeiten ewiger Sparerei in den Verlagen.

Leiten werden das Ressort die Dossier-Redakteurin Anita Blasberg und Dorothee Stöbener, die bislang den Reiseteil führte. Ihr altes Ressort wird es in Zukunft nicht mehr geben. Di Lorenzo sagt, man wollte "den Reiseteil aufgehen lassen in etwas, das beim Leser noch besser ankommt". Und: "Es gibt bei allen Zeitungen ein gewisses Missverhältnis zwischen dem allgemeinen Interesse der Leser am Reisen und dem tatsächlichen Nutzungsverhalten im Blatt." Soll wohl heißen, dass der Reiseteil schlicht zu wenig gelesen wurde.

"Z", das neue Ressort, kommt nur wenige Monate nach Einführung des Jugendportals Ze.tt. Ihre Wortspielmöglichkeiten für Neugründungen dürfe die Zeit zunächst wohl ausgeschöpft haben.